Donnerstag, 17. Januar 2019

Börsen-Vorschau  - Brexit-Abstimmung und US-Zahlen Dax steht unruhige Woche bevor

Nach versöhnlichen Tönen im Zollkonflikt und Signalen für ein gedrosseltes Zinstempo der US-Notenbank hat der Dax Experten zufolge zwar gute Voraussetzungen, um die wichtige Marke von 11.000 Punkten zu knacken. Aber es gibt auch Zweifel, ob der Schwung in der neuen Börsenwoche anhält. Denn nach den dreitägigen Handelsgesprächen zwischen den Streithähnen China und USA warten Investoren noch immer auf konkrete Ergebnisse.

Zwar zogen beide Seiten ein positives Fazit. "Die Finanzmärkte wollen aber mehr sehen, und das könnte die Rally schnell wieder abebben lassen", sagt Jasper Lawler vom Online-Brokerhaus London Capital Group (LCG). Auch die ungelöste Brexit-Frage und der Haushaltsstillstand in den USA könnten für Gegenwind sorgen.Die Anfang Januar aufgekeimten Hoffnungen auf eine Lösung im Zollstreit haben dem Dax gehörig Auftrieb gegeben.

In der Spitze war er in der abgelaufenen Woche bis auf 40 Punkte an die 11.000-Punkte-Marke herangekommen, die er seit Anfang Dezember nicht mehr überschritten hat. Auch an den US-Börsen ging es aufwärts: In der vergangenen Woche legte der Dow 2,4 Prozent zu, der S&P 2,5 Prozent und der Nasdaq 3,5 Prozent.

Unterstützung erhielten die Aktienmärkte auch von Äußerungen führender US-Notenbanker, die sich gegen zu rasche Zinsschritte aussprachen. Fed-Chef Jerome Powell sagte, er sehe keinen Grund zur Eile.

Brexit-Abstimmung am Dienstag im britischen Parlament

Schon am Dienstag könnte es an den Börsen wieder hektischer zugehen. Dann stimmt das britische Unterhaus über das von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen ab. Der Ausgang ist offen, wobei nur wenige Beobachter von einer Mehrheit für den Vertrag ausgehen. "Spannend ist eher die Frage, wie hoch die Niederlage ausfällt", sagt Helaba-Experte Christian Apelt. May müsste dann binnen drei Tagen einen Plan B vorlegen.

"Deal, No-Deal, neues Referendum, Neuwahlen, Plan B, C oder D: Keine der Möglichkeiten findet derzeit eine Mehrheit, alles wirkt unwahrscheinlich", fasst Apelt zusammen. Er sieht eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass das auf den 29. März festgelegte Austrittsdatum um mehrere Monate verschoben wird. Anleger müssten somit noch länger um einen geordneten Brexit zittern. "Ein harter Brexit würde in Großbritannien sicherlich eine Wirtschaftskrise heraufbeschwören, auch für den Rest von Europa drohen erhebliche Wachstumseinbußen", sagt Volkswirt Stefan Bielmeier von der DZ Bank.

Eine neue Eskalationsstufe droht auch im Haushaltsstreit in den USA. Sollte die Haushaltssperre (Shutdown) für einen großen Teil der Behörden in der neuen Woche anhalten, wäre dies die längste ihrer Art, sagt Stratege John Vail vom Vermögensverwalter Nikko Asset Management. Mehr und mehr Staatsangestellte dürften dann ihre Arbeit niederlegen, was sich auch negativ auf die Wirtschaft auswirken werde. "Auch nach einer Normalisierung der Lage dürften die Märkte die Dysfunktionalität des politischen Betriebs nicht so schnell vergessen." Die Angst vor weiteren innerpolitischen Eskalationen dürfte die Wall Street belasten.


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Volkswagen und Ford dürften ihre Allianz offenlegen

Angesichts der Furcht der Anleger vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung werden die Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt 2018 am Dienstag aufmerksam beäugt werden. Experten rechnen mit einer Abschwächung des Wachstums auf 1,5 Prozent von 2,2 Prozent im Jahr 2017. Das wäre der geringste Anstieg seit 2013. Aus den USA werden Daten zur Industrieproduktion (Freitag) und regionale Stimmungsindikatoren erwartet, am Mittwoch veröffentlicht die Fed den Konjunkturbericht Beige Book. Am Dienstag werden Investoren den Auftritt von EZB-Chef Mario Draghi im EU-Parlament im Auge behalten.

In Detroit öffnet die Autoshow ihre Pforten. Dort könnten Volkswagen und Ford eine weltweite Allianz verkünden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Unternehmenskreisen erfuhr, haben sich die beiden Konzerne in ihren Verhandlungen angenähert und dürften am Dienstag Details präsentieren.

Zahlen der US-Großbanken

Zudem startet in den USA der Bilanzreigen mit den Quartalszahlen der großen Bankhäuser, die für die Deutsche Bank richtungsweisend sein dürften. Am Montag will Citigroup den Quartalsbericht vorlegen, am Dienstag folgen Wells Fargo und JP Morgan, am Mittwoch Bank of America und Goldman Sachs, am Donnerstag Morgan Stanley.

Brexit-Abstimmung am Dienstag

Es gebe nach wie vor viele Unsicherheiten, sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Der Hauptgrund für die jüngsten Börsengewinne ist an diesem Tag wieder einer der Gründe für die Verluste: Der Optimismus der Anleger, dass sich die USA und China einigen und ihren Handelskrieg beilegen könnten, schwindet wieder. Nach den am Vortag beendeten dreitägigen Verhandlungen in Peking ist klar, dass es noch große Differenzen zu überwinden gilt. Immerhin wurde laut einem Pressebericht, der sich auf informierte Kreise beruft, der Weg für weitere Verhandlungen auf höherer Stufe geebnet.

Neben den Handelskonflikten liegt der Fokus zudem weiter auf den Entwicklungen rund um den Brexit. Seit Mittwoch debattiert das britische Unterhaus über den Vertrag zum Ausstieg aus der EU. Am kommenden Dienstag soll es dann zu einer Abstimmung über diesen kommen. Eine Mehrheit für den Vertrag gibt es aber offenbar weiterhin nicht.

Euro fällt dutlich nach kräftigem Anstieg

Der Euro Börsen-Chart zeigen ist am Freitag deutlich gefallen. Die Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,1473 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs noch auf 1,1533 (Donnerstag: 1,1535) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8671 (0,8669) Euro gekostet.

Für die starke Abwärtsbewegung machten Marktbeobachter technische Gründe verantwortlich. Der Kurs habe es nicht geschafft, dauerhaft über eine charttechnisch wichtige Marke zu steigen. Dadurch habe die Käufer der Mut verlassen, was Händlern zufolge starke Verkäufe auslöste.

In den vergangenen Tagen hatte der Eurokurs noch durch einen geschwächten Dollar Auftrieb erhalten. Mehrere Vertreter der US-Notenbank Fed hatten sich für ein vorsichtigeres Vorgehen bei der Erhöhung der Leitzinsen ausgesprochen. So hatte der US-Notenbankvorsitzende Jerome Powell am Vortag seine zurückhaltende Geldpolitik bekräftigt. In der Nacht hatte sich auch der stellvertretende Fed-Vorsitzende Richard Clarida dementsprechend geäußert.

mit Nachrichtenagenturen

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