Montag, 19. November 2018

Wilder Ritt an den Weltbörsen Nach Dax-Absturz - Dow Jones startet Comeback

Kursrutsch im Dax: Der Dax taumelt Richtung 11.000 Punkte

Neuer Kursrutsch: Der Dax stürzt auf den tiefsten Stand seit knapp zwei Jahren. Die Bayer-Aktie bricht zweistellig ein. An der Wall Street starten Dow Jones und Nasdaq im späten Handel jedoch einen Erholungsversuch. Die Chancen auf eine Erholung im Dax am Mittwoch steigen.

Neuer Kursrutsch im Dax: Der erneute Kurseinbruch an den Börsen in Asien sowie Verluste an den US-Börsen zum Handelsauftakt haben den Dax am Dienstag in die Tiefe geschickt. Der Dax Börsen-Chart zeigen gab zeitweise um knapp 300 Punkte auf 11.235 Zähler nach. Im späten Handel konnte der deutsche Leitindex seine Verluste ein wenig reduzieren und notierte zum Handelsschluss auf dem Computersystem Xetra (17.30 Uhr) noch 2,1 Prozent schwächer bei 11.274 Punkten.

Die Chancen, dass der Dax am Mittwoch einen Erholungsversuch startet, stehen jedoch nicht schlecht. Im späten Handel konnten die US-Börsen ihre Verluste erheblich reduzieren. Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen notierten kurz vor Handelsschluss an der Wall Street jeweils nur noch 0,4 Prozent im Minus. Der Dax dürfte am Mittwoch diese Vorgaben aufnehmen und wieder in Richtung 11.400 Punkte klettern.

Anleger bleiben jedoch nervös. Seit Jahresbeginn hat der Dax bereits mehr als 12 Prozent verloren und notiert nun so tief wie seit Dezember 2017 nicht mehr. Börsianer halten es für möglich, dass der Dax im Zuge der laufenden Verkaufswelle in Kürze die Marke von 11.000 Punkten testet.

Weitere Abwärtsdynamik droht vor allem aus den USA: Während die deutschen und europäischen Indizes seit Januar bereits zweistellig an Wert eingebüßt haben, notiert der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen auf Jahressicht immer noch knapp im Plus. Die Gewinne an der Nasdaq betragen immer noch knapp 10 Prozent - hier ist die Versuchung für Anleger groß, Geld in Sicherheit zu bringen.

Anleger warfen Aktien aus ihren Depots und deckten sich mit der "Anti-Krisen-Währung" Gold ein. Eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) verteuerte sich um gut ein Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Hoch von 1236 Dollar.

Vermögenssicherung trotz Kurssturz: So bauen Sie ihr Anti-Crash-Depot

Exklusiv aus dem Economist: So schlimm wird der nächste Abschwung

Die Sorgenliste der Anleger bleibt jedoch lang. Auf ihr stehen bereits der anhaltende amerikanisch-chinesische Zollstreit, steigende Zinsen und die internationalen Spannungen wegen des mutmaßlichen Mords an einem regierungskritischen saudi-arabischen Journalisten sowie wegen US-Präsident Donald Trumps jüngst geäußerter Absicht, aus dem INF-Abrüstungsvertrag auszusteigen.

Der heutige Kursrutsch im Dax ist der größte seit vier Monaten. Der EuroStoxx50 fiel um 1,5 Prozent auf 3140 Zähler und notierte so niedrig wie zuletzt Ende 2016. "Schwächere Unternehmenszahlen aus den USA sowie die ungelösten Problemfelder Saudi-Arabien, Brexit, Italien und der schwelende Handelskonflikt der USA mit China lasten auf den Märkten", sagte Analyst Rolf Schäffer von der Landesbank LBBW.

Die Privatbank Donner & Reuschel hält im Dax Börsen-Chart zeigen eine weitere Abwärtsdynamik für möglich. Der Handelsverlauf an diesem Dienstag sei sehr wichtig, schrieb der charttechnische Analyst Martin Utschneider in einem Kommentar. Falls die Marke von 11490 Punkten nicht zurückerobert werde, sei ein weiterer Kursrutsch möglich.

Bayer stürzt ab - US-Richterin bestätigt Urteil gegen Monsanto

Nachrichtlich stehen vor allem die Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen im Fokus. Die Aktien von Bayer sackten nach der Entscheidung einer US-Richterin, den Schadenersatz im US-Glyphosatprozess gegen Monsanto nur zu senken, den Anspruch auf Schadenersatz aber grundsätzlich anzuerkennen, zeitweise um 10 Prozent ab und fielen unter die Marke von 70 Euro. Die US-Richterin dämpfte damit die Hoffnungen der Anleger auf einen neuen Prozess. Bayer will in Berufung gehen, da das Urteil nach Ansicht der Leverkusener im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen steht.

Monsanto war im August zur Zahlung von 289 Millionen Dollar (251 Millionen Euro) Schadenersatz verurteilt worden. Glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel wie Roundup und RangerPro hätten "wesentlich" zur Krebserkrankung des Klägers Dewayne Johnson beigetragen, hieß es. Monsanto habe nicht vor der Gefahr durch die Herbizide gewarnt. Bayer will nun in Berufung gehen.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax, Dow Jones und andere Indizes in Echtzeit


Techwerte unter Druck - Wirecard und Infineon knicken ein

Zu den größten Verlierern im Dax zählten auch die Technologiewerte Wirecard Börsen-Chart zeigen und Infineon Börsen-Chart zeigen , die zwischen 4 und 6 Prozent nachgaben. Nach den Kursgewinnen der vergangenen Monate bringen Anleger jetzt vor allem bei Wirecard Geld in Sicherheit. Anleger fürchten, dass zum Jahresende auch die hoch bewertete US-Technologiebörse Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen unter Druck geraten wird. Die US-Futures wiesen am Dienstag deutlich ins Minus. Infineon wurden zudem in Mitleidenschaft gezogen von einem enttäuschenden Ausblick des Branchenkollegen AMS auf das Schlussquartal.

Wie ein Damoklesschwert schweben außerdem die Brexit-Verhandlungen, der Fall Khashoggi und der Handelskonflikt zwischen den USA und China über den Börsen.

Volkswagen unter Druck

Unter den Autowerten im Leitindex verzeichnete Volkswagen mit etwa 2 Prozent den größten Verlust. Händlern zufolge wurde die ohnehin schon maue Stimmung hier am Dienstag weiter negativ beeinflusst von schwachen Zahlen des chinesischen Autobauers BAIC. Der dortige Markt gilt für deutsche Autobauer als wichtiger Wachstumsmarkt.

Italien drückt weiter auf die Märkte

Laut Marktbeobachter Chris Henke vom Broker IG Markets sorgt der Haushaltsstreit zwischen Rom und Brüssel an den Finanzmärkten weiter für Nervosität. Die EU-Kommission hat am Dienstag die Budgetpläne der Italiener für 2019, die ihre Neuverschuldung entgegen der Vorgaben der EU auf 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweiten wollen, zurückgewiesen. Doch für das drittgrößte Euro-Land bleibt dies zunächst ohne Folgen.

Henke zufolge belasten auch der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China und der Fall Khashoggi weiter das Stimmungsbild. Und zu guter Letzt scheint die Berichtssaison die Märkte nicht nachhaltig stützen zu können. "Sie läuft wie erwartet gut, jedoch nutzen viele Investoren die teilweise guten Zahlen, um Gewinne mitzunehmen", kommentierte dies Orlando Rodrigues von der Privatbank Donner & Reuschel.

Kursrutsch in Asien, Euro kaum verändert

An den Börsen Asiens hat sich am Dienstag wieder Ernüchterung breitgemacht. Die chinesischen Handelsplätze gerieten nach der Rally zu Wochenbeginn deutlich unter Druck, und der japanische Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen fiel auf das tiefste Niveau seit August zurück. Insgesamt hielten sich die Anleger vor den mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen wichtiger US-Technologiekonzerne zurück und bevorzugten Engagements in den als weniger riskant geltenden Anleihen. Der Euro Börsen-Chart zeigen tendierte derweil kaum verändert um die Marke von 1,18 US-Dollar.

Am Montag hatten noch Aussagen chinesischer Politiker vom Wochenende gestützt, die angesichts der negativen Folgen des Handelskonflikts zwischen den USA und China den privaten Unternehmen des Landes ihre Unterstützung zugesagt hatten. Am Dienstag überwogen dann wieder die Sorgen vor den negativen Folgen der Handelsstreitigkeiten.

Als weiteren Belastungsfaktor machten Börsianer die anhaltenden Spannungen im Konflikt mit Saudi-Arabien aus. So hält US-Präsident Donald Trump die offizielle Erklärung des Landes zum gewaltsamen Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nicht für ausreichend. Ferner drohte Trump nach dem angekündigten Ausstieg aus einem wichtigen Abrüstungsvertrag nun mit einer Aufstockung des amerikanischen Atomwaffenarsenals.

Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Werten an den Börsen des chinesischen Festlands verlor zuletzt knapp 3 Prozent. In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index kurz vor Handelsschluss um mehr als 3 Prozent. Der Nikkei sackte um 2,67 Prozent auf 22 010,78 Punkte ab.

Mit Reuters und dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH