Mittwoch, 14. November 2018

Börse Dax taumelt Richtung Zweijahrestief

Verluste für den Dax: Kurstafel an der Frankfurter Börse

Der Dow Jones wackelt, in Italien stürzen die Kurse wieder - der Dax dreht am Montagnachmittag prompt ins Minus. Der deutsche Leitindex notiert nur noch knapp über 11.500 Punkten - es ist das tiefste Niveau seit knapp zwei Jahren. Gegen den Trend sind Linde gefragt: Die US-Kartellbehörde hat die Fusion mit Praxair unter Auflagen genehmigt.

Rückschlag nach dem Erholungsversuch: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen hat am Montag im späten Handel seine Gewinne komplett wieder abgegeben und schloss auf Xetra 0,2 Prozent im Minus bei 11.537 Punkten. Zeitweise war der deutsche Leitindex unter die Marke von 11.500 Punkten gefallen - das tiefste Niveau seit 22 Monaten. In den vergangenen vier Wochen hat der Dax rund 8 Prozent an Wert verloren, seit Jahresbeginn betragen die Verluste bereits mehr als 10 Prozent.

Einen Grund für das Abrutschen des Dax sehen die Händler in wieder aufgeflammten Sorgen im italienischen Haushaltsstreit. In Mailand waren die Anleger am Montagnachmittag wieder auf Tauchstation gegangen, nachdem die erste Erleichterung über den stabilen Ausblick für die Kreditwürdigkeit Italiens durch die US-Ratingagentur Moody's nach einer Herabstufung verflogen war. Auf breiter Front gingen die Kurse in die Knie - allen voran die italienischen Banken.

Linde-Aktien legen weiter zu - US-Kartellbehörde genehmigt Deal

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten gegen den Trend die Aktien von Linde Börsen-Chart zeigen. Die geplante Mega-Fusion der beiden Gasekonzerne Linde und Praxair wurde kurz vor Ablauf der Frist von der US-Kartellbehörde FTC unter Auflagen genehmigt. manager magazin hatte bereits vergangene Woche über die bevorstehende Zusage der US-Behörde berichtet. Die Aktien von Linde bauten ihre Gewinne zwischenzeitlich auf 6 Prozent aus, zuletzt waren es noch rund 3 Prozent. Die Zustimmung der USA für den Deal gilt als entscheidender Knackpunkt für das Vorhaben: Laut Wertpapiergesetz muss die Fusion spätestens am Mittwoch, 24. Oktober abgeschlossen sein. Mit 80.000 Mitarbeitern und rund 28 Milliarden Euro Jahresumsatz würden sie ein Viertel des Weltmarkts beherrschen.

Wall Street startet verhalten

An der Wall Street starteten die wichtigsten Indizes verhalten in den Tag. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen notierte im frühen Handel 0,3 Prozent schwächer bei 25.378 Punkten. Der Technologie-Index Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen gab um 0,1 Prozent nach.

Experte Mislav Matejka von JPMorgan glaubt nicht, dass es mit der Stärke der US-Aktien demnächst zuende geht. Es sei noch zu früh, die Übergewichtung von US-Aktien im Vergleich zu europäischen Aktien zu beenden. "Wir sehen nicht, dass die Gewinne europäischer Unternehmen die von US-Unternehmen hinter sich lassen", sagte der Stratege. Zwar dürften die geschäftlichen Aktivitäten in den USA nachlassen, sie sollten jedoch die europäischer Unternehmen noch immer übertreffen.

Hoffnung auf Kompromiss mit Italien

Kurz vor dem Wochenende hatte EU-Kommissar Pierre Moscovici versucht, die Situation im Streit mit Italien über die geplante Neuverschuldung zu deeskalieren. In Rom zeigte sich der Franzose zuversichtlich, dass man den Konflikt ausräumen könne. Die Renditedifferenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen - ein Maß für die Risiken, die Anleger mit Blick auf Italien sehen - sank daraufhin. Ob die Entspannung von Dauer ist, bleibt indes fraglich. "Dass ein EU-Kommissar in einer krisenhaften Lage Beruhigendes sagt, sollte nicht überraschen. Das ist sein Job. Dafür wird er bezahlt," schrieb Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank in einem Morgenkommentar.

In Asien jubelten Anleger über weitere Konjunkturhilfen der Regierung in Peking. Der Blue-Chips-Index in Shanghai legte mehr als 5 Prozent zu. Der Nikkei-Index Börsen-Chart zeigen in Japan notierte 0,5 Prozent fester.


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Mit Blick auf Einzelwerte machte sich bei den Aktionären von Siemens Börsen-Chart zeigen Hoffnung breit, dass der Industriekonzern bei einem Milliardenauftrag im Irak zum Stromnetz-Ausbau doch noch zum Zuge kommt. Die Aktien waren mit einem Plus von 1,34 Prozent unter den Favoriten im Dax. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als ob Rivale General Electric Börsen-Chart zeigen (GE) den Auftrag erhalten wird. Am Wochenende unterzeichnete Siemens-Chef Joe Kaeser nun aber eine Absichtserklärung mit dem Irak. Allerdings heißt das noch nicht, dass der Auftrag dadurch automatisch an Siemens geht. Denn auch GE meldete, eine Reihe von "Grundsätzen der Zusammenarbeit" unterzeichnet zu haben.

Die Aktien des Softwarekonzerns SAP Börsen-Chart zeigen stiegen nach einer Kaufempfehlung durch die schweizerische Bank UBS um knapp 1 Prozent.

Favorit im Dax aber waren die Anteilsscheine des Medizinkonzerns Fresenius Börsen-Chart zeigen, die sich um mehr als 3 Prozent von ihrem Rückschlag erholten.

Autowerte gaben einen Großteil ihrer Kurszuwächse nach einer Gewinnwarnung des Zulieferers Leoni Börsen-Chart zeigen wieder ab. Leoni-Aktien knickten zuletzt um 4,5 Prozent ein. Händler sahen in der Warnung aber nur bedingt eine Überraschung, nachdem jüngst bereits Branchenkollegen bei den Prognosen zurückrudern mussten.

Als Stütze für die Aktien von Autoherstellern wie BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen erwiesen sich zum Wochenstart indes Pläne von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Verhängung von Diesel-Fahrverboten wegen zu schmutziger Luft in deutschen Städten per Gesetz zu erschweren.

Euro wegen Italien unter Druck

Der Euro Börsen-Chart zeigen hat zu Wochenbeginn weiter über der Marke von 1,15 US-Dollar notiert. Am frühen Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1515 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag noch etwas niedriger auf 1,1470 Dollar festgesetzt.

Am Montag stehen kaum Konjunkturdaten an, die am Devisenmarkt für Bewegung sorgen könnten. Auftritte ranghoher Notenbanker sind nicht angekündigt. Dominierend für den Euro bleibt die Haushaltspolitik Italiens, die zwischen der drittgrößten Volkswirtschaft des Währungsraums und der EU-Kommission strittig ist. Die neue italienische Regierung plant eine dreimal so hohe Neuverschuldung wie die Vorgängerregierung mit der EU vereinbart hatte.

Ölpreise etwas höher

Die Ölpreise sind am Montag mit leichten Gewinnen in die neue Woche gestartet. Starke Impulse gab es zunächst nicht. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen zur Lieferung im Dezember 80,09 US-Dollar. Das waren 31 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur November-Lieferung stieg um 28 Cent auf 69,40 Dollar.

Nachdem die Ölpreise in diesem Jahr zunächst deutlich gestiegen waren, zeigt der Trend seit gut einem Monat wieder nach unten. Ein wichtiger Grund dafür sind Konjunktursorgen, ausgelöst vor allem durch den Handelsstreit zwischen den USA und China. Unterstützung erhalten die Ölpreise durch Angebotsrisiken wie den faktischen Boykott iranischen Öls durch die USA.

dpa-afx, rtr

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