Samstag, 20. Oktober 2018

Börse mit vielen Konzernbilanzen Anleger von Trump kaum beeindruckt - Dax kommt voran

Ölplattform im Persischen Golf

Von der Aufkündigung des Atom-Abkommens mit Iran lassen sich Dax-Anleger nicht aus dem Konzept bringen. Eine Reihe positiver Firmenbilanzen stützten die Kurse am Mittwoch. Zuletzt stand der deutsche Leitindex 0,2 Prozent höher bei 12.938 Punkten. Damit rückt die runde Marke von 13.000 Punkten, an die sich das Barometer bereits zum Wochenauftakt herangepirscht hatte, wieder in greifbare Nähe. Allerdings erweise sie sich als starker Widerstand, sagte Analyst Milan Cutkovic von AxiTrader.

US-Präsident Donald Trump hatte am Abend neue Sanktionen gegen Iran angekündigt. Dadurch könnten Rohöl-Lieferungen im Volumen von mehreren Hunderttausend Barrel pro Tag dem Weltmarkt entzogen werden. Dies trieb den Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 2,5 Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 76,75 Dollar je Fass.

Für den MDax ging es gegen Mittag unter dem Eindruck hoher Kursverluste bei den ProSiebenSat.1-Aktien um 0,2 Prozent runter auf 26.739,6 Punkte. Das Technologiewerte-Barometer TecDax gewann 0,4 Prozent auf 2757,1 Punkte. Hier stützten hohe Kursaufschläge bei Dialog Semiconductor . Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte mit 0,3 Prozent im Plus bei 3567,9 Punkten.

Siemens stützt den Dax

Unter den Einzelwerten im Dax verbuchten die schwergewichteten Siemens-Aktien als bester Wert Kursgewinne von fast viereinhalb Prozent, womit sie einen großen Anteil am Kursplus in dem Leitindex hatten. Das Dax-Schwergewicht hob nach einem Gewinnsprung im Quartal seine Gesamtjahresziele an. "Rechnet man den Buchgewinn durch die Überschreibung der Beteiligung am IT-Dienstleister Atos an den eigenen Pensionsfonds heraus, liegt das Ergebnis allerdings unter den Erwartungen", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Gelobt wurden am Markt der starke Auftragseingang und die gut laufenden Digital-Geschäfte. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux stufte die Papiere zudem von "Hold" auf "Buy" hoch mit einem von 121 auf 130 Euro angehobenen Kursziel. Derzeit kostet das Siemens-Papier knapp 116 Euro.

Die Telekom-Aktien waren indes mit einem Minus von fast eineinhalb Prozent unter den größten Verlieren nach Vorlage von Zahlen und trotz Anhebung des Ausblicks. Marktbeobachter nannten dafür vor allem zwei Gründe: Zum einen steige durch die vom britischen Mobilfunker Vodafone angestrebte Teil-Übernahme des Breitbandanbieters Liberty Global der Wettbewerbsdruck für den Dax-Konzern erheblich. Zum andern seien die Papiere im Zuge der Fusion zwischen der US-Tochter T-Mobile US und dem Rivalen Sprint zuletzt gut gelaufen.

Dem Konsumgüterkonzern Henkel machten im ersten Quartal Lieferprobleme in Nordamerika zu schaffen. Dass diese inzwischen behoben wurden, half den Aktien nicht. Sie verloren eineinhalb Prozent.

ProSiebenSat.1-Papiere lasten auf dem MDax

Im MDax sackten die Anteile von ProSiebenSat.1 nach Zahlenvorlage am Index-Ende um mehr als 9 Prozent ab. Zuvor waren die Papiere des Medienkonzerns seit Mitte März um über 17 Prozent geklettert. Analysten wie Lisa Yang von Goldman Sachs oder Daniel Kerven von JPMorgan zeigten sich in ersten Reaktionen zwar recht zufrieden mit dem Zahlenwerk der Münchner. Ein weiterer Experte kritisierte jedoch fehlende Details in der Quartalsbilanz unter der im Januar eingeführten neuen Segmentstruktur. Allerdings wunderten sich einige Marktbeobachter dennoch über die hohen Einbußen.

Aareal Bank büßten nach Zahlen und einer gestrichenen Kaufempfehlung durch die Commerzbank mehr als zweieinhalb Prozent ein. Die Aktie war in den vergangenen Wochen gut gelaufen. Vorne im MDax waren die Anteile von Brenntag mit einem Plus von mehr als fünfeinhalb Prozent. Analyst Philip Richards von Goldman Sachs lobte die Margenverbesserung des Chemikalienhändlers.

Mit einem Plus von 12 Prozent bauten die Anteile von Dialog Semiconductor an der TecDax-Spitze ihren Gewinn zuletzt noch deutlich aus. Das iPhone-Geschäft lieferte dem Konzern zum Jahresstart Rückenwind. Gleichzeitig will der Chiphersteller seine Abhängigkeit vom wichtigen Kunden Apple weiter verringern.

luk, rtr, dpa-afx

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