Dienstag, 23. Oktober 2018

Weiter Chancen an der Börse Darum kann 2018 ein gutes Jahr für europäische Aktien werden

Deutschland weit hinten: Diese Börsen locken mit den höchsten Dividendenrenditen
REUTERS

2. Teil: Das sind zurzeit die größten Risiken an der Börse

Ein Umfeld also, in dem Unternehmen gute Geschäfte machen und dicke Gewinne einstreichen können - und das auch tun, wie die Quartalszahlen der meisten Konzerne regelmäßig belegen. Allein im abgelaufenen vierten Quartal 2017 dürften die Gewinne der großen US-Firmen um etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sein, schätzen Analysten zu Beginn der Berichtssaison. Und anziehende Unternehmensgewinne galten an der Börse schon immer als besonders solider Kurstreiber.

Kurzum: Trotz des bereits mehrere Jahre laufenden Aufschwungs und der gestiegenen Bewertungen raten die meisten Investmentprofis weiterhin zum Kauf von Aktien. Allerdings gibt so mancher Fachmann zu bedenken, dass das Rückschlagrisiko generell gestiegen sei, und die Auswahl der richtigen Papiere mithin an Bedeutung gewonnen habe.

Die Frage ist nur: Wo sollten Anleger zurzeit besonders vorsichtig sein? Oder andersherum: Welche Aktien haben gegenwärtig noch das größte Kurspotenzial?

Beide Fragen lassen eine Vielzahl von Antworten zu, je nachdem, wie detailliert die dazugehörige Analyse durchgeführt wird (und wie ausgeprägt der Glaube an die Vorhersagbarkeit zukünftiger Ereignisse ist). Nicht wenige Fachleute glauben allerdings, dass Aktieninvestments in Europa gegenwärtig noch die besseren Chancen bieten als beispielsweise in den USA.

Dafür gibt es verschiedene Argumente:

  • Wenn sich an der "Goldilocks"-Situation künftig etwas ändern sollte, dann wohl vor allem aufgrund zweier möglicher Ursachen: Zum einen könnte die Inflation anziehen und zum anderen - zum Teil daraus folgend - die Zinsen.

    Viele Investmentprofis sehen in diesen Faktoren die derzeit größten Bedrohungen für den Aktienmarkt. Philipp Waldstein beispielsweise, Geschäftsführer der Investmentgesellschaft MEAG, betonte dies auf der Goldman-Sachs-Veranstaltung in Frankfurt. Auch JP Morgan Asset Management stellte jüngst in einem Jahresausblick heraus: "Insbesondere kann niemand mit Sicherheit sagen, ob die Inflation tatsächlich tot ist oder sich lediglich schlafend stellt. Zudem könnten sich die Zentralbanken zunehmend fragen, ob sie nicht gerade die Fehler der 2000er-Jahre wiederholen."

    Klar ist jedoch: Wer sich vor allzu rasch steigenden Zinsen fürchtet, sollte wohl vor allem die amerikanische Notenbank Fed im Auge behalten. Sie begann schon 2015, ihren Leitzins nach oben zu schrauben, und für die Zukunft sind weitere Schritte zu erwarten. Bislang ging die Fed dabei betont behutsam vor - aber wird das auch so bleiben? Marktanalysten etwa gehen im Schnitt davon aus, dass die Fed ihren Zins von derzeit 1,25 bis 1,5 Prozent bis 2019 auf bis zu 2,5 Prozent geschleust haben wird. Das dürfte auch das Szenario sein, dass von Investoren am Aktienmarkt gegenwärtig erwartet wird.

    Die Ökonomen von Goldman Sachs halten das jedoch noch für eine zu vorsichtige Schätzung. Der Fed-Leitzins werde bereits 2019 auf mehr als 3 Prozent steigen, so Jan Hatzius, der Chefvolkswirt der US-Bank. Schließlich werde die US-Wirtschaft durch die Steuerreform der Regierung Trump sowie zu erwartende höhere Staatsausgaben zusätzlich angetrieben. Da gelte es für die Fed im Sinne der Stabilität mit höheren Zinsen dagegenzuhalten, so Hatzius auf dem Goldman-Event in Frankfurt.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH