Samstag, 23. Februar 2019

Geldanlage Warum die Daimler-Aktie ein Kauf ist - und Tesla nicht

Langfristig interessierte Investoren sollten sich bei Daimler einige Fakten vergegenwärtigen

Weltweit hat kein Hersteller 2018 mehr Premium-Autos verkauft als Daimler. Die Dividendenrendite ist mit die höchste im Dax. Sie übersteigt sogar das Kurs-Gewinn-Verhältnis und stellt damit eine seltene Kaufgelegenheit für Value-Investoren dar - erst recht im Vergleich zum Wettbewerber Tesla.

Alle Welt redet davon, dass das Wirtschaftswachstum in China nachlässt und dies besonders unsere Autohersteller zu spüren bekämen. Nicht so Daimler: Im Jahr 2018 ist Daimlers Pkw-Absatz in China um 11 Prozent geklettert - das Reich der Mitte ist damit der am stärksten wachsende und größte Einzelmarkt von Mercedes Benz.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

Insgesamt hat Mercedes im vergangenen Jahr den Auto-Absatz um knapp 1 Prozent auf 2,31 Millionen Fahrzeuge gesteigert. Dies war das achte Rekordjahr in Folge. Daimler versteht es offensichtlich ausgezeichnet, nicht nur qualitativ hochwertige Autos zu verkaufen, sondern auch überzeugend die Zukunftsthemen zu besetzen. Digitalisierung, vernetztes und automatisiertes Fahren und Elektromobilität sind die Investitionsthemen der Zukunft.

Im starken Kontrast dazu steht die Entwicklung des Aktienkurses Daimler Börsen-Chart zeigen, der im Jahr 2018 mehr als ein Drittel (35 Prozent) verloren hat. Aktuell beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den erwarteten Gewinn des laufenden Jahres 6,1. Dies ist zusammen mit Lufthansa Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen das niedrigste KGV im Dax. Das Durchschnitts-KGV des Dax für 2019 beträgt 11,8.

Besonders interessant für Anleger ist die sehr hohe Dividendenrendite von 7,6 Prozent für den erwarteten Wert für das Jahr 2018. Neben dem Sonderfall RWE Börsen-Chart zeigen ist dies mit weitem Abstand die höchste Dividendenrendite im Dax. Nächstplatziert liegt dann BMW Börsen-Chart zeigen mit 5,5 Prozent Dividendenrendite.

Kaufsignal: Dividendenrendite höher als das KGV

Die Diskrepanz erklärt sich unter anderem daher, dass Digitalisierung, Elektromobilität und die Einführung der neuen Dienste große Investitionen verlangen, die erst später zu Produktivitätssteigerungen führen werden. Daneben stehen dann die üblichen Belastungen unter den Stichworten Brexit, Handelskrieg, politische Zustände in Italien und Frankreich.

Stark gesunkener Aktienkurs, niedriges KGV und sehr hohe Dividendenrendite drücken nach unserer Meinung eine überdurchschnittlich pessimistische Stimmung gegenüber dem Unternehmen aus.

Wenn die Dividendenrendite eines Unternehmens höher liegt als das Kurs-Gewinn-Verhältnis , war dies in der Vergangenheit sehr oft eine der seltenen Kaufgelegenheiten für langfristige Investoren. Nach unserer Meinung trifft dies jetzt auch auf die Lage von Daimler zu. Immerhin ist Daimler die Premiumautomarke Nummer Eins weltweit und zugleich ein führender Lkw-Produzent mit starken Positionen in den wachsenden Märkten wie USA und China.

Daimler-Aktie im Vergleich zu Tesla unterbewertet

Es ist denkbar, dass die Dividende von jetzt 3,65 Euro wegen der notwendigen Zukunftsinvestitionen reduziert wird. Mindestens sollten jedoch 3 Euro pro Aktie gezahlt werden. Dies würde immer noch eine Dividendenrendite leicht über dem jetzigen Kurs-Gewinn-Verhältnis und damit immer noch nach unseren Kriterien eine hervorragende Value-Anleihe bedeuten.

Auf dem jetzigen Kursniveau wird Daimler mit einem Wert von ungefähr 53 Milliarden Euro bewertet. Tesla wird dem gegenüber mit fast 60 Milliarden Euro bewertet. Nur ist der Umsatz von Daimler ungefähr zehnmal so hoch wie der Umsatz von Tesla.

Daimler sollte dieses Jahr ungefähr acht Milliarden Euro verdienen können, während Tesla Verlust macht. Daimlers liquide Mittel liegen netto bei ungefähr 12 Milliarden, während Tesla netto Schulden von etwa 7 Milliarden Euro hat.

Belastungen des dritten Quartals vorübergehender Natur

Im dritten Quartal 2018 fiel der Gewinn von Daimler niedriger aus wegen niedrigeren Absatzes aufgrund der Dieselkrise und auch Umstellung auf ein neues Verfahren zur Verbrauchsmessung in Europa. Diese Belastungen sehen wir als vorübergehend, ebenso wie ein rückläufiges Wirtschaftswachstum in China aufgrund des Handelsstreits mit USA. Neue zusätzliche Belastungen durch Autozölle der USA gegen die europäischen Hersteller sind derzeit noch nicht vom Tisch, aber aufgrund des Verhandlungsgeschicks von EU-Kommissionspräsident Junker im vergangenen Sommer weniger wahrscheinlich geworden als vor einem halben Jahr.

Solche extremen Value-Situationen wie jetzt bei Daimler lösen sich in der Regel erst dann auf, wenn irgendein Katalysator von außen dazukommt. Dies ist zurzeit nicht in Sicht. Die Auflösung der Situation kann also durchaus noch dauern. Die politischen Wolken über dem Dieselgeschäft in Deutschland und dem Chinageschäft können sich jedoch ebenso überraschend wieder verziehen, wie sie im letzten Jahr aufgezogen sind.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin

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