Sonntag, 30. April 2017

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Achterbahnfahrt bei Dax-Werten "Hedgefonds haben sich verzockt"

Frankfurter Börse: Dax-Werte auf Achterbahnfahrt

Commerzbank, K+S, Deutsche Telekom: Dax-Werte sind zum Spielball der Zocker geworden. Fondsmanager Carsten Hilck erklärt, welche riskanten Wetten hinter den extremen Ausschlägen stecken - und warum die Märkte so nervös reagieren.

mm: Herr Hilck, in den vergangenen Tagen hat es einige deutsche Bluechips schwer durcheinandergewirbelt: Die Commerzbank-Aktie Börsen-Chart zeigen springt um knapp 20 Prozent binnen zwei Tagen, K+S verliert 40 Prozent in einer Woche. Der Marktwert der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen legt binnen weniger Stunden um 3 Milliarden Euro zu. Spielt die Börse verrückt?

Hilck: Ja und Nein. Nein, weil die Reaktion der Anleger durchaus rational ausfällt. Bei K+S beispielsweise könnten sich die Spielregeln im Markt für den bislang sicheren Gewinnbringer Kali radikal ändern. Die Ertragsseite ist also massiv gefährdet. Aus "Kali + Salz" könnte bald nur noch "Salz" übrig bleiben. Telekom und Commerzbank sind zwei Dax-Werte, die lange Zeit extrem unter Druck standen. Die überraschend guten Quartalszahlen haben für Auftrieb gesorgt.

mm: Das erklärt aber nicht die extremen Ausschläge, oder?

Hilck: Nein. Für das 20-Prozent-Kursplus der Commerzbank sorgte ein Phänomen, das Börsianer Short Squeeze nennen. Viele Investoren hatten gegen die Commerzbank gewettet, waren also short. Als die Aktie wegen des positiven Quartalsberichts dennoch stieg, mussten viele Leerverkäufer ihre offenen Positionen gleichzeitig wieder glatt stellen. Auf der anderen Seite gab es kaum Verkäufer, was den Kurs noch stärker trieb. Das sorgt für sehr hohe Verluste bei den Leerverkäufern.

mm: Wer hat sich da so verzockt?

Hilck: Oft stecken Hedgefonds dahinter. Auch normale Fonds können untergewichten.

mm: Hat es solche Short Squeezes schon einmal in Deutschland gegeben?

Hilck: Allerdings. Im Jahr 2008 ist die VW-Aktie aus dem gleichen Grund von 100 auf 1000 Euro explodiert. Das war die größte Irrationalität, die ich hierzulande je beobachtet habe.

mm: Hat die extrem lockere Geldpolitik der Notenbanken in den USA, Europa und Asien Einfluss auf die Kursschwankungen?

Hilck: Ja. Die Notenbanken halten die Zinsen nahe null. Aktien erscheinen dadurch viel attraktiver als die extrem niedrig verzinsten Staatsanleihen. Hinzu kommt: Deutsche Firmen können sich sehr günstig über Bonds refinanzieren. Es bleibt also mehr Geld für Eigenkapitalrendite übrig. Das freut den Aktionär. Unterm Strich wird so viel Kapital in die Aktienmärkte getrieben.

mm: Für Anleger werden solche Achterbahnfahrten also zur Normalität?

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