Samstag, 18. November 2017

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Neuer Chef der Federal Reserve Warum Jerome Powell der Wall Street willkommen ist

Janet Yellen und Jerome Powell: Die Fed-Chefin und ihr Nachfolger
US Federal Reserve/Britt Leckman/AP
Janet Yellen und Jerome Powell: Die Fed-Chefin und ihr Nachfolger

Der nächste Chef der Federal Reserve soll ein Republikaner sein: Der 64jährige Notenbanker Jerome Powell soll Janet Yellen beerben und ab Februar 2018 neuer Chef der Federal Reserve werden. US-Präsident Donald Trump hat die Nominierung am Donnerstag Abend bekannt gegeben.

Zwar hatte Trump Amtsinhaberin Janet Yellen zuletzt mehrfach gelobt, doch war es schon vor der Entscheidung äußerst unwahrscheinlich, dass Trump der von seinem Vorgänger Barack Obama eingesetzten Yellen eine zweite Amtszeit gönnt. Er will eigene politische Akzente setzen und einen Parteifreund auf den Chefposten der US-Notenbank befördern.

Gleichzeitig hat Trump jedoch auch ein Interesse daran, dass Yellens Nachfolger die maßvolle Geldpolitik der Fed-Chefin fortsetzt - und dafür ist Powell im Gegensatz zum geldpolitischen "Falken" James Taylor der ideale Kandidat.

Auch die Wall Street dürfte Powell willkommen heißen. Die Börse sandte bereits am Donnerstag Abend einen kleinen Willkommensgruß - sowohl Dow Jones Börsen-Chart zeigen als auch Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen drehten am späten Abend ins Plus. Das hat mehrere Gründe:

- Jerome Powell gehört seit fünf Jahren zur Führungsspitze der Fed. Obwohl er Republikaner ist, hat ihn Barack Obama seinerzeit in die Führungsspitze der US-Notenbank berufen. Powell gilt wie Yellen als "Taube" und dürfte Yellens Kurs einer maßvollen Geldpolitik mit behutsamen Zinsschritten fortsetzen.

- Powell gilt im Gegensatz zu Yellen als flexibler in Sachen Regulierung, betont Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank . Anders als seine Vorgänger ist Powell Jurist und kein Volkswirt. Auch das könnte Trump zur Nominierung bewogen haben, so Stephan: Immerhin hatte Trump im Wahlkampf versprochen, den Finanzsektor zu deregulieren.

- Powell als Nachfolger von Janet Yellen steht für Kontinuität des Kurses der US-Notenbank, ergänzt Jochen Stanzl, Analyst bei CMC Markets. Powell habe Yellen nie inhaltlich widersprochen. Er erbt eine Notenbank, die ihr Inflationsziel von zwei Prozent bald erreicht sieht und sich in einem Umfeld bewegt, das durch eine niedrige Arbeitslosigkeit und ein hohes Wachstum geprägt ist. Dies gibt Spielraum für weitere behutsame Zinserhöhungen.

- Die Federal Reserve steht aktuell vor einem Balanceakt und einer historisch heiklen Aufgabe: Sie hat nach der in den USA entfachten Weltfinanzkrise die Finanzmärkte mit einer Geldschwemme geflutet. Geld ist weltweit so billig wie nie zuvor. Yellen hat mit einigen vorsichtigen, kleinen Zinserhöhungen gerade erst damit begonnen, die Geldflut wieder einzudämmen - dieser Prozess dürfte noch Jahre dauern.

- Da Trump stark auf schuldenfinanzierte wirtschaftliche Expansion setzt, ist es nicht sein Interesse, dass die Fed mit deutlichen Zinserhöhungen binnen kurzer Zeit die Geldflut zügig eindämmt: Dieser Prozess soll behutsam, über einen längeren Zeitraum und in kleinen Schritten vollzogen werden, um den Aufschwung der Konjunktur nicht zu gefährden. Auch dafür scheint Powell der richtige Mann zu sein.

- Powell steht für Kontinuität - mit der Ernennung Powells kann Trump Yellen loswerden und einen eigenen politischen Akzent setzen, ohne eine Änderung der maßvollen Geldpolitik der Fed zu riskieren. Für Trump wie für die Wall Street ist das eine reizvolle Perspektive.

la/mmo

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