Donnerstag, 20. September 2018

Kurssturz unter der Lupe Finanzaufsicht prüft Verdacht der Marktmanipulation

Händler in New York: Ging beim Kurssturz vor einigen Tagen alles mit rechten Dingen zu?

Offizielle Stellen gehen an der Wall Street dem Verdacht nach, der Kurssturz, der die Börse in den vergangenen Tagen in Atem hielt, könnte womöglich durch Marktmanipulation ausgelöst worden sein. Sowohl das "Wall Street Journal" als auch die "Financial Times" berichten, dass die US-Finanzaufsicht Finra zu diesem Zweck eine Untersuchung begonnen habe.

Bei der Finra handelt es sich um keine staatliche Aufsichtsbehörde. Es ist vielmehr die Instanz zur Selbstkontrolle, die sich die Wall Street geschaffen hat, und die wiederum von der Börsenaufsicht SEC überwacht wird.

Im Zentrum des Interesses steht dabei der von der Chicagoer Börse CBOE berechnete Volatilitätsindex Vix, der auch als "Angst-Barometer" bezeichnet wird. Berechnet wird der Index aufgrund von Optionspreisen auf den breiten US-Index S&P 500. Laut "Wall Street Journal" geht die Finra der Frage nach, ob Marktteilnehmer gezielt Wetten auf S&P-500-Optionen abgeschlossen haben, um den Vix zu beeinflussen.

Einen Hinweis auf eine mögliche Manipulation gab zuvor auch ein Whistleblower, der am Dienstag über seinen Anwalt an die Öffentlichkeit gegangen war. Der Insider aus der Finanzbranche führte den Börsen-Crash der vergangenen Woche ebenfalls auf zweifelhafte Machenschaften zurück.

Die Vorwürfe gehen in die gleiche Richtung wie die Untersuchung der Finra: Die Turbulenzen seien auf Manipulationen des an den Börsen vielbeachteten "Angst-Barometers" Vix zurückzuführen, heißt es auch im Schreiben des US-Anwalts Jason Zuckerman an die Finanzregulierungsbehörde CFTC.

Zuckerman vertritt mit seinem Vorwurf nach eigenen Angaben einen Whistleblower, der hochrangige Posten in einigen der größten Investmentfirmen der Welt inne gehabt habe. Zuckerman ist ein Anwalt aus der US-Hauptstadt Washington, der sich auf die Vertretung von Hinweisgebern spezialisiert hat.

Börse Chicago weist Vorwurf zurück

Aufgrund eines Konstruktionsfehlers sei es Händlern mithilfe ausgefeilter Algorithmen möglich, den Vix-Index auf und ab zu bewegen, ohne tatsächliche Transaktionen abzuschließen, heißt es in dem Brief. Durch diese Marktmanipulationen seien Kleinanleger und institutionelle Investoren um Milliardenbeträge geprellt worden, schreibt Zuckerman. Zudem seien sie mit systemischen Risiken für die gesamten Finanzmärkte verbunden. Die Behörden müssten Konsequenzen ziehen, bevor die Manipulationen neben der Finanzstabilität auch die Wirtschaft gefährden. Der Anwalt hatte die Behörden bereits in der Vergangenheit auf die möglichen Manipulationen hingewiesen.

Die Chicagoer Börse CBOE, die den Vix-Index berechnet, wies die Vorwürfe zurück. Zuckermans Brief sei voller ungenauer Aussagen, Missverständnisse sowie sachlicher Fehler und somit unglaubhaft, hieß es in einer Stellungnahme.

Vergangene Woche waren die Kurse am US-Aktienmarkt rasant in die Tiefe gerauscht und hatten Anleger auch an anderen Börsen - etwa in Frankfurt - verunsichert. Häufig genannte Gründe für den Crash sind vorherige Übertreibungen im Zuge einer monatelangen Rekordjagd sowie die Erwartung steigender Zinsen.

Viele Experten verweisen aber auch darauf, dass Spekulanten mithilfe sogenannter "Exchange Traded Products" (ETPs) auf die Entwicklung des Vix-Index' gewettet und dadurch den starken Kursrutsch verursacht hätten - ein Vorwurf, der neue Schärfe bekäme, sollte der Vix-Index obendrein manipuliert worden sein.

Mit Material von Reuters

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