Freitag, 23. Juni 2017

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Hedgefonds-Milliardär Carl Icahn erklärt Warum Trump das neue Wall-Street-Püppchen ist

Trumps Vertrautentruppe - ein Club der reichen Männer: Diese Männer bestimmen nun Amerikas Kurs
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Die Wall Street feiert den Wahlsieg von Donald Trump. Wie konnte sich der Wall-Street-Schreck und Anti-Establishment-Kandidat so rasch zum Börsen-Liebling wandeln? Hedgefonds-Milliardär Carl Icahn, ein Freund und Berater Trumps, gibt eine einfache Erklärung.

Die erste Maske von Donald Trump fiel unmittelbar nach seiner Wahl, ganz ohne sein Zutun. Die Börse feierte den Mann, der als Schreck der Finanzelite angetreten war und den Wall-Street-Sumpf "trockenlegen" wollte, mit einer spontanen Party. Hedgefonds-Manager Carl Icahn, ein langjähriger Vertrauter Trumps, konnte sein Glück kaum fassen: Er habe bereits am Mittwochmorgen rund eine Milliarde Dollar auf steigende Kurse gesetzt, erzählte Icahn siegestrunken einem Reporter von Bloomberg TV.

Dass er deswegen ein wenig früher die Feier seines Freundes Donald verlassen musste, entschuldigte der 80jährige Icahn mit den Worten: "Big Poppa" müsse jetzt mal richtig Geld verdienen.

Dass Donald Trump keineswegs ein Börsenschreck, sondern der neue Darling der US-Investoren ist, begründete Icahn per Telefon ausführlich gegenüber Bloomberg. Immer wieder beschwor Icahn mit heiserer Stimme die Schlagworte "Deregulation" und "Deficit Spending": Trump, der Businessman, werde Big Business endlich wieder in Ruhe machen lassen, ohne störende Regulierung. Und notfalls wird diese Party mit dem Geld der Steuerzahler, also einer höheren Verschuldung, in Schwung gebracht. Weg mit den Vorschriften aus der Obama-Zeit, her mit öffentlichen Aufträgen auf Pump: "Big Poppa" Icahn kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Icahn war nicht der einzige Vertreter der Finanzelite, der Grund zum Jubeln hatte und feierte, als wäre Ronald Reagan wieder auferstanden. Die Party an der US-Börse zog sich durch alle Branchen, mit Big Pharma und den Großbanken vorneweg.

Big Money: Die Aktien der Großbanken Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, Wells Fargo Börsen-Chart zeigen, und Bank of America Börsen-Chart zeigen zogen am Tag nach Trumps Wahlsieg zwischen 5 und 7 Prozent an. Der Anlass: Trump will die Bankenkontrolle entschärfen und Teile des Dodd-Frank-Gesetzes zurücknehmen, das als Antwort auf die Finanzkrise verabschiedet worden war und den Banken verbietet, auf eigene Rechnung zu spekulieren. War Trump im Wahlkampf noch als Kritiker der Großbanken aufgetreten, dürfte er ihnen nun wieder mehr Freiraum einräumen. Seine Gegnerin Hillary Clinton hatte Trump noch als "Marionette" der Wall Street beschimpft. Er selbst könnte mit seiner geplanten Deregulierung zum Schoßhund der Wall Street werden.

Big Pharma: Die Aktien der US-Pharmariesen Pfizer Börsen-Chart zeigen und Merck Börsen-Chart zeigen , aber auch die Dax-Unternehmen Bayer Börsen-Chart zeigen und Fresenius Medical Care Börsen-Chart zeigen kletterten nach dem Trump-Sieg zwischen 5 und 11 Prozent. Der Grund: Hillary Clinton wollte Preis-Obergrenzen für einige Medikamente festlegen - ein Plan, der mit Donald Trump nun vom Tisch ist. Zudem will Trump so rasch wie möglich "Obamacare" wieder zurückdrehen. Damit werden Millionen US-Bürger wieder ohne Krankenversicherung dastehen. Gesund bleibt, wer es sich leisten kann - in den Worten Trumps also ein "Killer" und kein "Loser" ist.

Big Builders: Die Aktien der Baumaschinenkonzerne Caterpillar , Atlas oder Astec stiegen zwischen 7 und 15 Prozent. Trump will 25 Millionen neue Jobs schaffen, indem er mit einem gigantischen staatlichen Infrastrukturprogramm neue Straßen, Brücken und Flughäfen bauen lässt. Auch dies soll über "Deficit Spending" finanziert werden, denn höhere staatliche Einnahmen sind wegen Trumps geplanter Steuersenkungen nicht zu erwarten. Die Verschuldung der USA dürfte also wie in den Reagan-Jahren unter Trump dramatisch ansteigen. Doch vielleicht tröpfeln dadurch auch ein paar Jobs in die strukturschwachen Regionen herunter, ganz im Sinne von Reagans "trickle-down" economy. Die Begeisterung im Bausektor schwappte sogar über den Atlantik bis ins beschauliche Heidelberg: Wenn Trump die rund 3000 Kilometer lange Mauer zu Mexiko bauen lasse, könnten die Deutschen beim Zement kräftig mitmischen, ließ der Chef des Dax-Konzerns HeidelbergCement Börsen-Chart zeigen, Bernd Scheifele den designierten Präsidenten wissen.

Old Industries: Die Aktie von US Steel stieg am Tag nach Trumps Wahlsieg um knapp 20 Prozent. Keine Überraschung, denn hohe Schutzzölle sollen die alten US-Industrien vor Konkurrenz schützen und Jobs in den "Rust Belt" zurückholen. Ein drohender Handels- und Währungskrieg mit China ist dabei laut Trump ebenso vernachlässigbar wie ein explodierendes Staatsdefizit.

Trump-Freund Carl Icahn: "Deregulation" lautet das Hohelied der Wall Street - und Trump stimmt ein
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Trump-Freund Carl Icahn: "Deregulation" lautet das Hohelied der Wall Street - und Trump stimmt ein

Fossile Energien: Peabody, das größte Kohlebergbau-Unternehmen der USA, legte am Mittwoch rund 20 Prozent zu. Die Kohle zu retten, war eines von Trumps Wahlversprechen: Er will auch hier "deregulieren" und Umweltauflagen beseitigen, die derzeit die Öl- oder Kohleförderung in Naturschutzgebieten behindern. Selbst Amerikas Fracking-Industrie, die zuletzt unter dem Ölpreiskrieg mit den Öl-Förderstaaten aus Nahost gelitten hat, schöpft neue Hoffnung.

Es sei politisch zwingend geboten, dass die USA beim Thema Energie wieder autark werde, also nicht auf Energieimporte aus dem Ausland angewiesen sei, betonte Icahn am Mittwoch gegenüber Bloomberg. Icahn muss wissen, wovon er spricht: Er besitzt selbst mehrere Öl-Raffinerien in den USA und plant, seine Investments in diesem Sektor auszuweiten.

Störfeuer von seinem Kumpel Donald muss Icahn nicht befürchten: Big Poppa muss schließlich Geld verdienen.

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