Sonntag, 25. September 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Warnung vor Rückschlag am Finanzplatz Londons Finanzviertel stellt sich gegen Brexit

Grau in Grau: Londons Finanzviertel bezieht Position im der heißen Diskussion um einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU

Im Werben um einen Verbleib in der Europäischen Union springt dem britischen Premierminister David Cameron jetzt das Londoner Finanzviertel bei. Die City of London sprach sich am Donnerstagabend gegen einen sogenannten Brexit aus.

Der Stadtbezirk könne bei diesem wichtigen Thema nicht schweigen, erklärte City-Vertreter Mark Boleat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Hätten doch bereits Unternehmen aller Größen und Branchen vor den Risiken dieses Schrittes gewarnt.

So haben sich einzelne Großbanken und internationale Konzerne für die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens eingesetzt. Die US-Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan zum Beispiel hätten erhebliche Spenden für eine Kampagne zum Verbleib Großbritanniens in der EU gegeben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, nennt aber keine Details zu den Spenden.

Der gut drei Quadratkilometer große Bezirk, in dem das Herz der britischen Finanzbranche schlägt, hatte sich bislang mit einem klaren Statement zurückgehalten, weil es unter wichtigen Investoren auch Brexit-Befürworter gibt. Ein Brexit und die möglichen Auswirkungen auf den Londoner Finanzdistrikt werden in den britischen Medien aber heiß diskutiert.

Heiße Diskussion um mögliche wirtschaftliche Nachteile

Während Boulevard-Blätter hinter den Bankern vor allem die Bösewichte der zurückliegenden Finanzkrise sehen, argumentieren die Befürworter, dass der Finanzsektor einen Großteil zum britischen Sozialprodukt beiträgt - nach offiziellen Statistiken mindestens ein Zehntel des Sozialprodukts. Ein nicht unerheblicher Teil des Geschäfts könnte bei einem Brexit verloren gehen - und damit das Sozialprodukt verringern, warnen sie.

London gilt als wichtigstes Finanzzentrum in der Europäischen Union und wetteifert mit New York latent um den - wohlgemerkt inoffiziellen - Titel der Weltfinanz-Hauptstadt. So dominiert London zum Beispiel den internationalen Devisenmarkt, auf dem täglich Geschäfte im Volumen von 5,3 Billionen Dollar getätigt werden.

Brexit-Befürworter beeindrucken solche Zahlen nicht. Sie geißeln Warnungen vor einem möglichen Abwandern von Finanzgeschäften an die Wettbewerber als reine Angstmache und Horrorgeschichten, denen jegliche Substanz fehle.

Das Referendum findet am 23. Juni statt. Umfragen zufolge haben ein Fünftel der Wähler noch nicht entschieden, wie sie abstimmen werden. Nerben Cameron werben auch die oppositionelle Labour-Partei und die schottischen Nationalisten für einen Verbleib der Briten in der EU.

Lesen Sie auch:

Diese deutschen Firmen fürchten den Brexit besonders
Minister warnt Briten vor dramatischen Brexit-Folgen
EU-Gegner gehen laut Umfrage in Führung

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH