Donnerstag, 18. Oktober 2018

Preisspanne für Börsengang nicht ausgereizt Westwing legt bei Börsenbeginn zu

Delia Fischer: Die Westwing-Mitgründerin geht heute mit dem Online-Möbelhändler an die Börse - im zweiten Versuch

Die Aktien von Westwing haben zum Börsendebüt des Online-Möbelhändlers zugelegt. Der erste Kurs an der Frankfurter Börse wurde am Dienstag mit 26,49 Euro festgestellt. Das erst sieben Jahre alte Unternehmen hatte am Montag 5,06 Millionen Aktien zu je 26 Euro zugeteilt. Ein Viertel der Anteile sind damit im Streubesitz, der größte Eigner Rocket Internet lässt seine Beteiligung auf knapp 23 von 30 Prozent abschmelzen. Westwing nimmt mit der Emission 132 Millionen Euro ein.

Westwing Börsen-Chart zeigen hatte die Preisspanne ursprünglich auf 23 bis 29 Euro festgelegt, musste sich dann aber mit 26 begnügen.

Ähnlich erging es dem Börsenkandidaten Knorr-Bremse. Der Münchner Bremsenkonzern hatte Investoren am Montagabend mitgeteilt, seine Aktien kosteten voraussichtlich zwischen 78 und 80 Euro. Damit könnte Knorr-Bremse-Eigentümer Heinz Hermann Thiele mit der Emission maximal 3,87 Milliarden Euro einnehmen. Das Traditionsunternehmen dürfte damit der zweitgrößte Börsengang des Jahres in Deutschland werden. Die Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers hatte 4,2 Milliarden Euro erlöst.

Westwing und Knorr-Bremse hatten sich angesichts der starken Nachfrage und der wackligen Aktienmärkte mit den Börsengängen beeilt und die Zeichnungsfrist verkürzt. Knorr-Bremse schließt die Bücher bereits am Mittwoch, einen Tag früher als geplant. Die Erstnotiz ist für Freitag geplant. "Die Märkte sind im Moment etwas nervös", begründete ein beteiligter Banker die Eile. Die Kandidaten verzichteten deshalb auf weniger wichtige Anleger, statt in letzter Minute ein Risiko einzugehen.

"Knorr-Bremse nicht gerade ein Schnäppchen"

Knorr-Bremse wird in der verengten Spanne mit 12,6 bis 12,9 Milliarden Euro bewertet. Mit 72 bis 87 Euro hatte der Konzern die Spanne zunächst ungewöhnlich breit angesetzt. Der Manager eines großen institutionellen Investors aus Deutschland sagte zu Reuters: "Knorr-Bremse ist in der Preisspanne nicht gerade ein Schnäppchen." Der Weltmarktführer bei Lkw- und Zug-Bremsen gelte aber als Qualitätsunternehmen, das verlässlich seine Margen erwirtschafte. Bis zu 30 Prozent von Knorr-Bremse sollen nach dem Börsengang im Streubesitz sein.

Westwing nimmt mit seinem Börsengang 132 Millionen Euro ein. "Mit den zusätzlichen Mitteln werden wir unseren Wachstumskurs fortsetzen", sagte Vorstandschef und Mitgründer Stefan Smalla. Das Aushängeschild des Unternehmens ist die zweite Gründerin, die ehemalige "Elle"-Redakteurin Delia Fischer.

Westwing spielt im zweiten Anlauf nun 132 Millionen Euro ein

Für die sieben Jahre alte Westwing ist es schon der zweite Anlauf an die Börse - der erste war vor drei Jahren schnell abgebrochen worden. "Heute wollen die Investoren schon einen klaren Pfad sehen, auf dem junge Firmen profitabel werden können", sagte ein Investor. Die Preisspanne lag ursprünglich bei 23 bis 29 Euro, doch hatte das Unternehmen schon signalisiert, dass der Preis bei mindestens 26 Euro liegen werde. Damit kommt Westwing auf einen Börsenwert von 518 Millionen Euro.

rei/Reuters/dpa

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