Montag, 10. Dezember 2018

Milliarden-IPO von Knorr-Bremse weckt Renditelust So können Anleger bei Börsengängen Kasse machen

Glockenläuten zum Börsenstart: Bernd Montag, Vorstandsvorsitzender von Siemens Healthineers, im März beim IPO seines Unternehmens an der Frankfurter Börse - auch Privatanleger können bei dem Geschäft mitmischen.

Der Bremsenbauer Knorr-Bremse legte am Freitag einen weiteren Milliarden-Börsengang in diesem Jahr aufs deutsche Aktienparkett. Ein neuer Höhepunkt für Investoren im Poker um lukrative IPOs.

Vor einigen Monaten bereits die Siemens-Sparte Healthineers sowie die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, in dieser Woche nun der Bremsenbauer Knorr-Bremse - die Namen prominenter Unternehmen lenken die Aufmerksamkeit in diesem Jahr wieder verstärkt auf das Thema Börsengänge, das für Geldanleger von einigem Interesse sein kann.

Manch ein Investor mag zwar noch mit Schaudern an die Jahrtausendwende zurückdenken, als zu Hochzeiten des Neuen Marktes IPOs schon einmal ein heißes Thema an der Börse waren. Seinerzeit entpuppten sich allzu viele der jungen Technologiefirmen, die das Geld der Anleger einsammelten, als windige Geldverbrenner ohne wirtschaftlichen Erfolg, weshalb in vielen Privatdepots letztlich heftige Verluste entstanden.

Das ist inzwischen jedoch oft anders. Mehr als ein Dutzend Börsengänge gab es 2018 bereits, sodass beispielsweise die Experten der Wirtschaftsberatung EY damit rechnen, dass dieses Jahr das stärkste IPO-Jahr hierzulande seit 2000 werden wird. Das Emissionsvolumen allein in den ersten drei Quartalen lag EY zufolge mit 7,6 Milliarden Euro bereits weit über dem Gesamtvolumen des Vorjahres von 3,2 Milliarden Euro.

Und was entscheidend ist: Viele der Neulinge auf dem Börsenparkett stehen aus Anlegersicht durchaus ordentlich da. Die Aktie von Healthineers beispielsweise notiert auch nach einem heftigen Kursrutsch im Rahmen der Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen immer noch fast 20 Prozent über ihrem Ausgabepreis vom März. Auch Knorr-Bremse startete erfolgreich in den Handel und stand am Freitagmittag immerhin mit mehr als 2 Prozent im Plus.

Worauf Anleger achten sollten

Die DWS-Aktie dagegen notiert inzwischen tief im Minus. Eher durchwachsen verlief zudem der Börsengang des Münchener Online-Möbelhändlers Westwing Börsen-Chart zeigen, der ebenfalls in dieser Woche stattfand. Das Papier kämpft auch drei Tage nach der Erstnotiz noch darum, zumindest das Niveau des Ausgabepreises von 24 Euro zu halten. Das dürfte allerdings zumindest zum Teil mit dem allgemein unruhigen Marktumfeld zu erklären sein. Möglicherweise hätten die Westwing-Verantwortlichen besser daran getan, ihren Börsengang in diesen turbulenten Zeiten zunächst auf Eis zu legen, wie es beispielsweise vor wenigen Tagen der Spezial-Anlagenbauer Exyte aus Stuttgart tat.

Für private Investoren ist es ohnehin schwierig, vorab die Chancen eines Börsenganges abzuschätzen. Oft fehlen ihnen die nötigen Einblicke in die Unternehmenssituation und andere wichtige Detail- und Hintergrundinformationen. Experten raten daher mitunter zu einer pragmatischen Herangehensweise. "Man kann als Privatanleger ja nicht die Bilanz in der Tiefe studieren", sagt etwa Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. "Immerhin kann man aber auf zwei Dinge achten: Warum möchte das Unternehmen an die Börse? Und versteht man auf Anhieb das Geschäftsmodell?"

Sollte sich dagegen zeigen, dass ein Börsengang in erster Linie stattfindet, damit die Gründer eines Unternehmens Kasse machen können, dann sollten Investoren zumindest skeptisch sein, so Wieser.

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