Montag, 30. Mai 2016

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Börsengänge - Paris und London schlagen New York Warum europäische IT-Startups ihre US-Vorbilder abhängen

Einhorn-Reiter: Diese Männer führen die teuersten Start-ups der Welt
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REUTERS

Börsengänge junger IT-Firmen sind angesagt wie seit der Dot-Com-Blase nicht mehr. Im Blickpunkt stehen die Stars aus dem Silicon Valley - doch europäische Firmen bringen mehr Rendite.

Den jüngsten Börsenturbulenzen in dieser Woche zum Trotz: An Kandidaten für Börsendebüts aus der Technologiebranche gibt es in Europa derzeit keinen Mangel. Deutsche Start-ups wie Delivery Hero oder Soundcloud gehören ebenso dazu wie der französische Netzwerkspezialist Sigfox oder der Sicherheits-Software-Hersteller Oberthur. Und wer einen Blick auf eine Auswertung der Nachrichtenagentur Bloomberg wirft, wird sich ernsthaft überlegen, ob er nicht bei einem der anstehenden IT-IPOs auf dem alten Kontinent zugreifen sollte.

Bloomberg hat verglichen, wie sich die Aktien von Technologieunternehmen in jüngster Zeit unmittelbar nach ihrem Börsengang entwickelt haben. Ergebnis: Listings in London, Paris, Frankfurt und Co. brachten den Anlegern im ersten Monat im Schnitt Kursgewinne von 20 Prozent.

Das ist umso bemerkenswerter, weil die europäischen Börsenneulinge damit die viel-gerühmten Start-ups aus dem Silicon Valley in den Schatten stellen. Techno-Börsengänge von US-Unternehmen nämlich, so die Daten von Bloomberg, bringen es im ersten Monat lediglich auf Kursgewinne von durchschnittlich 6,7 Prozent.

Als Grund für die Diskrepanz nennen Experten vor allem die unterschiedlichen Bewertungen, mit denen die Unternehmen in den Handel gebracht werden - und die unterschiedliche Investoren-Mentalität, die darin zum Ausdruck kommt.

Aufpumpen auf Milliardenwerte - VC-Investoren wollen schnelles Geld

So würden Start-ups in den USA bereits vor dem Start auf dem Parkett von Venture-Capital-Gebern auf enorm hohe Bewertungen gehievt. Die Folge ist die immer größer werdende Zahl an sogenannten Einhörnern. So bezeichnet die Fachwelt Start-ups, die bereits im frühen Stadium und lange bevor erste Gewinne erzielt werden mit einer Milliarde Dollar oder mehr bewertet werden.

Wie auch das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe 12/2015 berichtet, gibt es derzeit weltweit 138 solcher Einhörner, mit einem Gesamtwert von 500 Milliarden Dollar. 95 davon und damit der weitaus größte Teil sitzen in den USA - alleine diese US-"Unicorns" verfügen über einen Wert von mehr als 300 Milliarden Dollar. Jedenfalls auf dem Papier.

US-Investoren seien weniger an einem langfristigen Engagement in diesen Firmen interessiert, heißt es in dem Bericht von Bloomberg. Sie wollten vielmehr möglichst schnell möglichst hohen Profit erzielen - am liebsten per Börsengang. Das Verhalten der Anleger am Aktienmarkt zeige aber in letzter Zeit häufiger, dass die hohen Bewertungen zunehmend kritisch gesehen würden.

Ein Beleg dafür ist der Börsengang des Fintech-Start-ups Square von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey. Bei dem IPO vor wenigen Tagen sollten die Aktien ursprünglich für elf bis 13 Dollar emittiert werden. In den Handel kamen die Papiere dann aber wegen des offenbar geringen Investoreninteresses für neun Dollar das Stück. Am ersten Handelstag haussierte das Papier allerdings und schoss spontan um bis zu 50 Prozent in die Höhe.

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