Sonntag, 18. Februar 2018

Erholung an der Börse Dow Jones klettert 550 Punkte, Anleger atmen durch

Gründe für den Kurssturz: Warum Anleger jetzt fliehen
Fotos
DPA

Anleger können durchatmen: Nach einem Handelstag mit hohen Schwankungen drehen Dow Jones und Nasdaq Composite im späten Handel deutlich ins Plus. Der Dax dürfte am Mittwoch ebenfalls einen Erholungsversuch starten.

Durchatmen an der Börse: Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen, der nach seinem Absturz am Vortag auch am Dienstag in einer Spanne von mehr als 1000 Punkten geschwankt hatte, drehte im späten US-Handel ins Plus und schloss den Handelstag am Dienstag mit einem Gewinn von rund 550 Punkten ab. Auch der Technologieindex Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen drehte klar ins Plus. "Am Ende waren die Käufer in der Überzahl", sagte ein Händler. "Das führte zu einem Short Squeeze - Anleger, die auf weiter fallende Kurse gewettet hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt und mussten ihre Positionen schließen."

Der deutsche Leitindex Dax dürfte am Mittwoch ebenso wie die asiatischen Börsen auf Grund der starken US-Vorgaben einen Erholungsversuch starten.

Die Schwankungen und damit die Nervosität an der Börse bleibt hoch. Der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen , der zum Start am Dienstag noch unter die 24 000 Punkte-Marke gefallen war, stieg am Ende um 2,3 Prozent auf 24 912 Punkte. Am Montag war er zeitweise um fast 1600 Punkte oder 6 Prozent abgesackt.

Der breit gefasste S&P 500 erholte sich am Dienstag mit plus 1,74 Prozent auf 2695,14 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 stieg um 2,62 Prozent auf 6665,98 Punkte.

Dax schließt unter 12.400 Punkten - und dürfte Mittwoch zulegen

Die starken Schwankungen an der Wall Street zerren auch an den Nerven der Anleger in Europa. Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen baute am Dienstag seine Verluste auf rund 2,5 Prozent aus und schloss unter der Marke von 12.400 Punkten. Wegen der späten Erholung an der Wall Street dürfte der Dax am Mittwoch jedoch mit deutlichen Gewinnen starten und die Marke von 12.600 Zählern wieder in Angriff nehmen.

"Investoren behalten derzeit noch die Nerven", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. Als Indiz wertet er unter anderem, dass Gold und Staatsanleihen von der Flucht aus Aktien derzeit kaum profitieren können. Anleger parken ihr Geld offenbar zunächst an der Seitenlinie.

Einer raschen Erholung steht nach Einschätzung von Börsianern im Wege, dass immer noch viele Anleger einen Teil ihrer Börsengewinne aus den vergangenen Monaten und Jahren in Sicherheit bringen wollen - und bei jedem Erholungsansatz einen Teil ihrer Aktien verkaufen (Eine Übersicht über die Fallhöhe der wichtigsten Indizes lesen Sie hier.)


Dax-Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit


Seit Beginn des Kursrutsches Mitte vergangener Woche wurden nach Berechnungen von Reuters weltweit bereits rund 4 Billionen Dollar an Kursgewinnen ausradiert. Der Dow Jones hat seit seinem Rekordhoch vor wenigen Tagen rund 8 Prozent an Wert verloren. Nun steigen einige spekulative Anleger ein in der Hoffnung, dass die Korrektur an der Börse bereits ausgestanden ist.

Volatilität misst hohe Nervosität der Marktakteure

Die hohe Nervosität der Anleger lässt sich an der Schwankungsbreite der Indizes (Volatilität). Der "Angstbarometer" VStoxx, das die Nervosität der Anleger in Europa misst, schoss um 71 Prozent nach oben und notierte so hoch wie noch nie.

"Wenn der Abverkauf in den USA weitergeht, wird sich die Lage auch in Europa nicht beruhigen", warnte Marktanalyst Heino Ruland vom Analysehaus Ruland Research.

Auslöser des Kurssturzes ist die Sorge von Investoren, dass die Zeiten des billigen Geldes demnächst vorbei sein könnten und dass die US-Leitzinsen schneller steigen als bisher erwartet.

Korrektur oder Ausverkauf?

Die Frage sei nun, ob der Kurssturz der Beginn einer größeren Korrektur sei oder nur ein temporäres Stimmungstief, sagte Marktanalyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Wenn Anleger auf das Gewinnwachstum und die Grundlagen der Weltwirtschaft schauen, gibt es Grund zum Optimismus. Wenn so eine Flucht aber erst einmal eingesetzt hat, ist sie nur schwer zu stoppen."

Run auf Gold bleibt vorerst aus

Der jüngste Kurssturz könnte nach Einschätzung mancher Experten jetzt sogar die Schnäppchenjäger auf den Plan rufen. Viele Anleger seien im Zuge des Aufwärtstrends bis Ende Januar untätig an der Seitenlinie gestanden, erläuterte Analyst Tobias Basse von der NordLB. "Sie könnten nun im Rahmen des Winterschlussverkaufs an den Börsen bei deutlich reduzierten Preisen zu Käufen neigen."

Auch Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets erwartet keine länger anhaltende Korrektur. Trotz der Aktienverluste finde keine größere Flucht in sichere Häfen wie Gold und Staatsanleihen statt. "Damit sitzen jetzt offenbar viele Handelssysteme und Anleger auf großen Barbeständen, die früher oder später wieder ihren Weg zurück in Aktien finden werden." Gold kostete mit 1342 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) lediglich 0,2 Prozent mehr.

Der Kurssturz an der Wall Street im Video

Video abspielen
Video anzeigen Video ansehen
Bild: REUTERS

Bitcoin stürzt weiter ab

Auch bei den Kryptowährungen setzte sich der Abverkauf fort. Die Krypto-Leitwährung Bitcoin gab am Montag um weitere 12 Prozent nach und fiel deutlich unter die Marke von 8000 US-Dollar. Seit dem Jahreswechsel hat Bitcoin mehr als 50 Prozent an Wert verloren, und auch andere Digitalwährungen wir Ripple oder Ether stehen seit Tagen unter einem erheblichen Verkaufsdruck.

Zwar gab es in den vergangenen Monaten auch immer wieder Nachrichten, die dem Bitcoin Auftrieb verliehen, wie etwa die Entscheidung einiger Terminbörsen in den USA vom Spätherbst 2017, Future-Kontrakte auf die Digitalwährung ins Programm zu nehmen und sie damit ein Stück weiter in Richtung des etablierten Finanzmarktes zu rücken. Doch insgesamt zeigt der Bitcoin-Kurs inzwischen auch unter charttechnischen Gesichtspunkten einen klaren Abwärtstrend.

mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH