Freitag, 24. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Börse im Korrekturmodus Warum die Aktienhausse wackelt - aber nicht kippt

Bulle versus Bär: An der Börse haben seit geraumer Zeit die Optimisten die Oberhand - vieles spricht dafür, dass es vorerst so weitergeht.

Der deutsche Aktienindex Dax ist binnen weniger Tage um 2,5 Prozent abgerutscht. Grund zur Sorge also? Im Gegenteil.

So etwas kennen die Börsianer kaum noch: Sinkende Aktienkurse. Da kann schnell Nervosität aufkommen. Sollte die Kurshausse, die am Aktienmarkt inzwischen bereits seit einigen Jahren anhält, nun zu einem Ende kommen? Um immerhin 2,5 Prozent ist der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen zuletzt gefallen, und das innerhalb von lediglich vier Tagen.

Ein echter Grund zur Beunruhigung ist das allerdings nicht. Im Gegenteil: Eher ein Zeichen dafür, dass die Euphorie an der Börse trotz der ansonsten überaus erfreulichen Entwicklung der vergangenen Wochen nicht überhand nimmt, und dass die Vernunft nach wie vor eine bestimmende und mäßigende Rolle spielt.

Tatsächlich gibt es gleich eine ganze Reihe von Argumenten für diese Sicht. Sie alle sprechen dafür, dass es sich bei den aktuellen Verlusten an der Börse lediglich um eine gesunde Korrektur handelt. Und dass die Aktienkurse daher schon bald wieder steigen dürften.

Hier ein Überblick:

  • Die Aktienkurse steigen bereits seit geraumer Zeit nahezu ohne Unterlass. Da ist es nur folgerichtig, dass es irgendwann auch einmal wieder zumindest ein wenig abwärts gehen muss. Zur Orientierung: Der deutsche Leitindex Dax hat allein in den vergangenen gut zwei Monaten rund 1500 Punkte hinzugewonnen und erst vor wenigen Tagen bei 13.500 Punkten ein Allzeithoch markiert. An der Wall Street legte der Standardwerte-Index Dow Jones Börsen-Chart zeigen zuletzt eine Nonstop-Gewinnserie von zehn Wochen hin - die längste seit vier Jahren.
    Insgesamt liegt der Dax im laufenden Jahr bereits mit 13 Prozent im Plus. Beim Dow Jones sind es 17 Prozent und beim US-Tech-Index Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen sogar 22 Prozent.
  • Der langfristig wichtigste Einflussfaktor für die Börse ist die Lage der Realwirtschaft - und die ist nach wie ausgezeichnet. Das wurde erst vor wenigen Tagen wieder deutlich, als die fünf Wirtschaftsweisen der Kanzlerin ihr Jahresgutachten überreichten. Seit nunmehr sieben Jahren wächst bereits die deutsche Wirtschaft, und nach Ansicht der Experten wird sich daran vorerst auch nichts ändern. Im Gegenteil: Die Ökonomen erhöhten sogar noch ihre Prognosen. Für das laufende Jahr erwarten sie nun 2 Prozent Wachstum und für das kommende sogar 2,2 Prozent.
    Noch nie hatten so viele Menschen in Deutschland einen Job wie aktuell. Die Firmen haben volle Auftragsbücher und machen zum größten Teil dicke Gewinne. Damit liefern sie der Börse ihren wichtigsten Treibstoff.
  • So sehen es auch Christoph Bruns und Ufuk Boydak, Fondsmanager und Mitinhaber der Investmentgesellschaft Loys. Basis der Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten seien die anziehenden konjunkturellen Wachstumsraten, schreiben sie in einem aktuellen Marktkommentar. Das Übrige steuerten gute Unternehmenszahlen und eine reichliche Liquiditätszufuhr bei. Letzteres führt direkt zur Geldpolitik der Notenbanken.
    Die amerikanische Fed, die Europäischen Zentralbank (EZB) sowie andere haben in den vergangenen Jahren mit ultra-niedrigen Zinsen und milliardenschweren Wertpapierkäufen viel zum Aufschwung an der Börse beigetragen - und einiges spricht dafür, dass sich daran auch vorerst nicht allzu viel ändern wird. Die Fed etwa hat zwar bereits vor geraumer Zeit die Zinswende eingeläutet. Bei ihren Zinssteigerungen ging die US-Notenbank allerdings überaus vorsichtig zu Werke, und unter dem designierten künftigen Fed-Chef Jerome Powell, da ist sich die Fachwelt einig, dürfte das kaum anders werden.
    Die EZB hat die Märkte zudem erst kürzlich auf weiterhin ausreichend Liquidität eingestellt. Zwar reduziert die Europäische Zentralbank ihre monatlichen Wertpapierkäufer. Für ein Ende dieser Käufe oder gar steigende Zinsen gibt es aber von Seiten des Instituts derzeit noch keinen Termin.

Kurzum: Vieles spricht dafür, dass es an der Börse nach der aktuellen Korrektur erneut aufwärts geht.

Börsianern ist die dauerhaft positive Entwicklung am Aktienmarkt inzwischen mitunter offenbar beinahe schon peinlich. "Es ist langweilig, könnte man sagen", sagte Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel kürzlich auf n-tv. "Wir reden seit einem Jahr das gleiche." Die Rede sei immer nur von steigenden Kursen, so auch jetzt. "Und so wird es auch nächstes Jahr weitergehen", so Utschneider.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Das Merkwürdige ist dabei nach Ansicht des Experten: Die große Euphorie über die steigende Börse bleibe bislang in der Breite der Investoren ebenso aus, wie eine größere, um sich greifende Sorge, dass es damit plötzlich zu Ende gehen könnte.

Eine komische Situation, wie Utschneider findet - die aber noch eine Weile anhalten könne.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH