Montag, 23. April 2018

Turbulenzen an der Börse  Der Grund für den nächsten Kursrutsch ist schon gefunden

Bär statt Bulle: Nach dem Rekordhoch im Januar rechnen viele Marktteilnehmer mittelfristig mit fallenden Kursen

Der Handelskonflikt der USA mit dem Rest der Welt lässt seit Wochen die Aktienkurse rutschen. Fachleute erwarten, dass die Börse vorläufig weiterhin unter Druck stehen wird - allerdings aus einem anderen Grund.

Optimistische Anleger scheinen zurzeit guten Grund zur Zuversicht zu haben: Zwar ging es mit dem Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen an der Börse von Januar bis Ende März zunächst um mehr als 13 Prozent abwärts. Inzwischen haben sich die Kurse jedoch wieder um rund 6 Prozent erholt. Ist also die Korrekturphase am Aktienmarkt bereits ausgestanden, steigen die Kurse nun wieder längerfristig?

Vorsicht erscheint angebracht. Einerseits ist noch nicht klar, wie sich der Handelskonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt - zuletzt vor allem China - weiter entwickeln wird. Viele Beobachter werten den dauernden Austausch von Drohungen und Ankündigungen zwar als Säbelrasseln. Das Thema hat die Börsen aber schon in den vergangenen Wochen belastet - gut möglich, dass es dabei noch eine Weile bleiben wird.

Was jedoch womöglich noch schwerer wiegt: Auch die konjunkturelle Gesamtlage, die ja letztlich auf lange Sicht die entscheidende Basis der Börsenentwicklung darstellt, verschlechtert sich Experten zufolge zusehends.

Harald Preißler etwa, Leiter des Anlagemanagements beim Investmenthaus Bantleon, verweist auf verschiedene Parameter, die die Eintrübung der Konjunktur bereits seit einiger Zeit anzeigen. Schon seit Ende 2017 beispielsweise haben die richtungsweisenden Geschäftsklima- und Einkaufsmanagerindikatoren weltweit an Höhe verloren, so Preißler. Zudem sprächen auch die hauseigenen Frühindikatoren von Bantleon für eine Konjunkturabkühlung, die sich bis ins Frühjahr 2019 hineinziehen könne.

Als treibende Kräfte hinter der Entwicklung hat Preißler vor allem das rückläufige Geldmengenwachstum, steigende Zinsen und Rohstoffpreise sowie stärkeren Inflationsdruck ausgemacht.

Weil die Wirtschaft von Seiten der Zentralbanken nicht mehr viel Unterstützung zu erwarten habe, werde das Wachstum auf das Jahr gerechnet von 3 Prozent auf 2 Prozent sinken, meint der Bantleon-Experte. "All diese Faktoren zusammen erzeugen starken Gegenwind, der sogar die Trump'sche Steuerreform in Vergessenheit geraten lässt", so Preißler. Seine Prognose daher: In den kommenden Monaten müssen sich Aktienanleger durchaus noch auf nennenswerte Kurseinbußen einrichten.

Mit dem Ausblick dürfte sich der Investmentprofi bei Börsianern nicht viele Freunde machen. Doch Preißler steht mit seiner pessimistischen Einschätzung keineswegs alleine dar. Volkswirt und manager magazin online-Gastautor Daniel Stelter rät bereits seit Monaten, das Aktienrisiko im Depot abzubauen - und hat diesen Ratschlag auch nach den Kursverlusten seit Januar just in dieser Woche noch einmal bekräftigt.

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