Freitag, 26. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Börse Erholung in Sicht? Dax steigt, Bank-Aktien haussieren

Rauf, runter, rauf: Zum Wochenschluss ging es im Dax nach langer Zeit mal wieder nach oben. Dennoch bleibt ein Wochenverlust von 3,4 Prozent

Der Dax startet nach den kräftigen Verlusten einen Erholungsversuch und legt deutlich zu. Die Bankenwerte Commerzbank und Deutsche Bank klettern zweistellig.

Nach seiner steilen Talfahrt hat der deutsche Aktienmarkt zum Wochenschluss einen erneuten Stabilisierungsversuch unternommen. Gestützt auf wieder steigende Ölpreise sowie Rückgänge bei Goldpreis und Eurokurs gewann der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen bis zum Handelsschluss auf Xetra um 2,4 Prozent auf 8967 Punkte hinzu.

Gestützt wurde die Erholung von der Hausse der Bankenwerte sowie von der Wall Street: Der Dow Jones Börsen-Chart zeigenlegte bis zum Handelsschluss in Deutschland um 1,4 Prozent zu.

Auf Wochensicht hat der Dax Börsen-Chart zeigen dennoch 3,4 Prozent verloren. Das Minus im laufenden Jahr liegt bei rund 17 Prozent.

Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es am Freitag um 1,87 Prozent auf 17 924,03 Zähler nach oben. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1,83 Prozent auf 1512,23 Punkte vor

Commerzbank an der Dax-Spitze, Deutsche Bank kauft Anleihen zurück

Einen Kurssprung von 17 Prozent schaffte die Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Das Institut hat seinen Gewinn deutlicher als erwartet gesteigert und zahlt wieder eine Dividende.

Auch das Papier der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen legte zweistellig zu: Die Bank will eigene Anleihen in Milliardenhöhe zurückkaufen und gab dazu am Freitag ein öffentliches Kaufangebot ab. Die Titel gingen 12 Prozent fester aus dem Handel.

Dabei geht es allerdings nicht um die zuletzt besonders unter Druck geratenen eigenkapitalähnlichen Schuldverschreibungen ("Cocos"), sondern um erstrangige Titel, sogenannte Senior Bonds. Das Angebot gilt nach Angaben des Frankfurter Dax-Konzerns für bestimmte Euro-Anleihen im Volumen von drei Milliarden Euro sowie für Dollar-Anleihen im Volumen von zwei Milliarden Dollar.

Commerzbank feiert Comeback - Blessings versöhnlicher Abschluss

Commerzbank-Aktien waren absoluter Favorit nach der Vorlage des Jahresabschlusses für 2015. Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Institut seinen Gewinn fast vervierfachen. Der Gewinn überwand damit zugleich erstmals wieder seit fünf Jahren die Milliardenschwelle. Die Aktionäre sollen daran nun mit der ersten Dividende seit der Finanzkrise beteiligt werden, wie der scheidende Commerzbank-Chef Martin Blessing bestätigte.

Die Commerzbank-Aktien waren zuletzt - wie auch der Rest der Branche - in eine Abwärtsspirale geraten, da wegen des Ölpreisverfalls massive Kreditausfälle befürchtet werden.

Strafzölle auf Stahl stützen ThyssenKrupp und Salzgitter

Der Industriekonzern Thyssenkrupp rutschte unterdessen wegen des rasanten Stahlpreisverfalls im ersten Geschäftsquartal zurück in die roten Zahlen. Dass die Aktie dennoch am Freitag zulegte, war vor allem der Nachricht über einstweilige Einfuhrzölle der EU auf bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland zu verdanken. Die Anteilsscheine des zweiten großen deutschen Stahlkonzerns Salzgitter sprangen an der MDax-Spitze sogar um knapp 12 Prozent hoch.

Fünf Theorien, um das Börsenchaos zu erklären:

Das schnelle Geld ist schuld

"Das schnelle Geld ist Ende 2015 bei den Banken eingezogen, weil Zinserhöhungen erwartet wurden", zitiert das Wall Street Journal die Portfolio-Managerin Diane Jaffee. "Nun verabschiedet es sich wieder." Heißt: Kurzfristig denkende Investoren ("fast money") hätten in Aussicht auf die angekündigte Zinserhöhung der Fed auf steigende Bank-Gewinne gewettet: Die Schere zwischen den Einnahmen der Banken mit Darlehen und den Ausgaben für Spareinlagen gehe weiter auf, so die Annahme. Weil steigende Zinsen nun aber immer unwahrscheinlicher würden, stießen kurzfristig denkende Investoren ihre Bank-Aktien wieder ab.

China ist schuld

In Deutschland, das stark auf China als Exportmarkt baut, dürfte dieser Zusammenhang besonders stark ziehen. Viele Investoren glauben angesichts der relativen wirtschaftlichen Schwäche Chinas, dass Peking seine Währung Yuan langfristig abwerten müsse, was den internationalen Konkurrenzkampf beim Export noch einmal befeuere. Die Furcht vor einer Abwertung des Yuan ist auch deshalb hoch, weil eine erste Abwertung im August 2015 bereits einmal für einen globalen Ausverkauf gesorgt hat.

Die Öl-Staatsfonds sind schuld

In Zeiten hoher Ölpreise haben verschiedene Länder ihre Milliarden-Gewinne aus der Ölförderung in Staatsfonds gepumpt. "Nun liquidieren diese Fonds Aktien, die sie in glücklicheren Zeiten gekauft haben, und beschleunigen damit den Ausverkauf am US-Markt", schreiben die Journalisten des "WSJ", was viele Investoren beunruhige. JP Morgan gehe davon aus, dass Staatsfonds im laufenden Jahr bis zu 75 Milliarden Dollar an Aktien verkaufen würden. Der US-Markt selbst sei zuletzt etwa 20,95 Billionen Dollar schwer gewesen. Entsprechend seien die Auswirkungen dieses Ausverkaufs nicht furchtbar gravierend: Öl-Preise würden zwar dauerhaft unter Druck bleiben, zitiert das "WSJ" Ben Mandel von JP Morgan, "aber ich glaube nicht, dass öl-getriebene Staatsfonds-Abflüsse eine tödliche Gefahr für US-Aktien sind."

Die US-Wirtschaft ist schuld

Probleme ausländischer Märkte und ein starker Dollar könnten der US-Wirtschaft schaden, fürchten Investoren laut "WSJ". Indikatoren für die wirtschaftliche Stärke des Landes seien uneindeutig: Das produzierende Gewerbe schrumpfe seit vier Monaten, das Job-Wachstum habe sich verlangsamt. Gleichzeitig sinke jedoch die Arbeitslosigkeit, auch die Löhne stiegen. All dies, so das Fazit, "unterstreicht die Unsicherheit". "Das größte Risiko, das wirklich jeder im Kopf hat, ist eine abrupte Abschwächung in den Emerging Markets, der in die USA überschwappen wird", zitiert das Blatt den UBS-Analysten David Lefkowitz.

Das Wachstum ist schuld

Bislang sei der Ölpreis-Crash immer mit einem Überangebot erklärt worden, schreibt das Journal weiter; derzeit verfestige sich unter Investoren allerdings die Ansicht, dass auch die Nachfrage schwächele – und damit das Wachstum an sich. "Wenn Rohstoffpreise insgesamt generell schwach sind, sagt mir das allgemein gefasst, dass die globale Nachfrage schwach ist", sagt etwa Portfolio-Manager Paul Nolte.

Lesen Sie auch: Sollen Anleger jetzt Gold kaufen?

Unsere Börsenseite: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier.

rei/ts/la/Reuters/dpa-afx

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH