Freitag, 1. Juli 2016

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US-Zinspolitik Wie die Fed der deutschen Wirtschaft hilft

Fed-Chefin Janet Yellen: Die Zinserhöhung dürfte für die deutschen Konzerne auch ihr Gutes haben

Der Blick der Börsianer wendet sich von der Krim nach Washington: Die Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen früher zu erhöhen als gedacht, ließ die Kurse purzeln. Dabei hat die Maßnahme gerade für deutsche Konzerne große Vorteile.

Hamburg - Seit Mitte der Woche hat der Aktienmarkt ein neues Aufregerthema: Die veränderte Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Deren Chefin Janet Yellen hatte am Mittwoch erläutert, ihre Institution orientiere sich künftig nicht mehr nur an der Arbeitslosenrate, sondern an einer Reihe weiterer Informationen zur Lage der US-Wirtschaft. Zudem sagte Yellen, die Anleihenkäufe zur Belebung der Konjunktur würden weiter zurückgefahren.

Entscheidend aber aus Sicht der Börse: Die Zentralbankerin ließ durchblicken, dass schon Mitte 2015 mit einer Zinserhöhung von Seiten der Fed zu rechnen sei.

Damit wurden die Finanzmärkte auf dem falschen Fuß erwischt. Bisher waren Experten davon ausgegangen, der nächste Zinsschritt stehe in Washington frühestens Ende 2015 oder erst 2016 an.

Die Folge: Investoren reagierten verschreckt, verkauften Aktien und verlagerten Gelder aus dem Euro-Raum in den Dollar. So schloss die Wall Street noch am Mittwochabend nach Yellens Pressekonferenz im Minus. Die Märkte Asiens folgten am Donnerstagmorgen mit zum Teil deutlichen Abschlägen. Und in Europa verloren beispielsweise der Dax Börsen-Chart zeigen sowie der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen an Boden. Zudem fiel der Euro Börsen-Chart zeigen gegenüber dem Dollar Börsen-Chart zeigen signifikant zurück.

Die Überlegung dahinter ist klar: Aktien verlieren bei steigenden Zinsen gegenüber Anleihen tendenziell an Attraktivität. Zudem sind Anlagen im Dollar-Raum naturgemäß lukrativer, wenn dort die Zinsen steigen.

Dax-Konzern-Gewinne 2013 rückläufig

Was jedoch speziell aus deutscher Sicht nicht außer Acht gelassen werden sollte: Gerade der starke Euro Börsen-Chart zeigen war es, der den hiesigen Konzernen in den vergangenen Monaten größte Probleme bereitet hat. Erst in dieser Woche berichtete das "Handelsblatt", nach Abschluss der Berichtssaison stehe fest, dass die Dax-Konzerne im vergangenen Jahr unerwartet einen Rückgang des Gewinns verzeichnen mussten, und zwar in der Summe über alle 30 Firmen um 6 Prozent.

Bis Mitte des Jahres seien Analysten noch von Gewinnsteigerungen von bis zu 10 Prozent ausgegangen, schreibt die Zeitung. Bis zuletzt sei zudem zumindest eine Stagnation der Ergebniszahlen erwartet worden.

Doch daraus wurde nichts. Als Grund für den Gewinnrückgang nennen Experten neben der allgemein schwächelnden Konjunktur im vergangenen Jahr vor allem die Euro-Stärke, die vielen Export-orientierten Firmen hierzulande die Geschäfte verhagelt. Mit dem Gasehersteller Linde Börsen-Chart zeigen oder dem Chemieriesen Bayer Börsen-Chart zeigen sind nur zwei Beispiele genannt. Ein weiteres ist Adidas Börsen-Chart zeigen. Der Sportartikelhersteller konnte kürzlich zwar einen Rekordgewinn melden. Der Umsatz war jedoch auf Zwölf-Monats-Sicht rückläufig, und der Grund dafür war vor allem die immer teurer werdende europäische Währung.

"In den letzten zwölf Monaten hat sich die Einheitswährung gegenüber dem US-Dollar um fast 10 Prozent verteuert", sagt Bernd Hartmann, Leiter Investment Research & Advisory der Liechtensteiner VP Bank. "Deutsche Produkte sind damit für viele Kunden aus den Schwellenländern weitaus teurer geworden. Der einstige Segen, in Form von starken Handelsbeziehungen mit den aufstrebenden Volkswirtschaften, erweist sich für die deutschen Konzerne derzeit als Fluch."

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