Montag, 20. August 2018

Börsenprofi Markus Zschaber zeigt Diese Autoaktie ist besser als ihr Ruf

Neuwagen von BMW: Der Hersteller kann auch für Anleger interessant sein.

Die mediale Berichterstattung über die deutschen Automobilhersteller war in den vergangenen Monaten sicherlich so kritisch wie selten zuvor. Lang ist die Liste der Verfehlungen und Versäumnisse. Ob Ermittlungen der Kartellbehörden aufgrund illegaler Preisabsprachen, nicht abreißende Vorwürfe der Abgasmanipulation, massive Restwertverluste von Dieselautos, eine schleppende Nachrüstung manipulierter Autos oder eine völlig verpasste Entwicklung von Autos mit Elektroantrieb, derzeit scheint den deutschen Autobauern wenig zu glücken. Doch ist das wirklich so? Und wie stark haben diese Nachrichten den Unternehmen bisher geschadet? Die jüngsten Absatz- und Quartalsergebnisse geben Anlass genug, sich einen deutschen Autobauer einmal etwas genauer anzuschauen.

Markus Zschaber

Es ist ein ambitioniertes Ziel, das der Vorstandsvorsitzende von BMW, Harald Krüger, auf der Jahrespressekonferenz von BMW Ende März formulierte. So will BMW bis Ende 2020, also in weniger als drei Jahren, wieder der führende deutsche Premium-Automobilhersteller sein. Die Spitzenposition musste der Münchener Autobauer vor wenigen Jahren an den Stuttgarter Konkurrenten Daimler abgeben, der dem Münchener Autobauer dann auch ein Stück enteilt ist.

Das nun ausgegebene Ziel zeigt, dass die aktuelle Lage deutlich besser ist als man annehmen könnte, und die Aussichten für den bayrischen Autobauer wohl weiterhin sehr positiv ausfallen. BMW schaut auf ein absolutes Rekordjahr 2017 zurück. Der Gesamtumsatz belief sich auf fast 98,7 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern knackte erstmals die Marke von zehn Milliarden und belief sich auf 10,6 Milliarden Euro. Hier sorgte allerdings die amerikanische Steuerreform für einen zusätzlichen positiven Effekt.

Insgesamt erzielte BMW damit das achte Rekordergebnis in Folge und auch 2018 wird aller Voraussicht nach wieder ein Rekordjahr. So konnte BMW den Konzernabsatz bereits im ersten Quartal 2018 um 3 Prozent auf 604.629 Einheiten steigern. Sicherlich schmälern höhere Rohstoffkosten und Währungseffekte das Ergebnis, doch meist sind dies entweder temporäre Effekte oder die Unternehmen reagieren mit etwas zeitlichem Verzug auf eine solche Entwicklung, in dem sie die Preise anheben.

Anleger sollten sich daher auf die wesentlichen Fakten fokussieren, und die sehen wirklich gut aus. Daran ändert auch die derzeit schlechte Presse wenig. Die deutschen Autobauer, im Speziellen auch BMW, haben seit der Dieselaffäre die richtigen Schlüsse gezogen und die Weichen auf elektrifizierte Automobile ausgerichtet, so plant BMW bis 2025 insgesamt 25 verschiedene elektrifizierte Modelle anbieten zu können.

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Doch schon 2017 hat BMW mehr als 100.000 Fahrzeuge verkauft, die mindestens zum Teil elektrifiziert waren oder sogar rein elektrisch fahren. Wenn man sich in diesem Zusammenhang verdeutlicht, dass der gefeierte Elektroautomobilpionier Tesla im Jahr 2017 nur rund 103.000 rein elektrische betriebene Fahrzeuge auslieferte, scheinen deutsche Autobauer und vor allem BMW keineswegs durch den neuen amerikanischen Konkurrenten abgehängt worden zu sein. Damit dies so bleibt, investiert BMW kräftig in die Forschung. So stiegen die Forschungs- und Entwicklungskosten im vergangenen Jahr um rund eine Milliarde Euro auf rund 6,1 Milliarden Euro, dieses Niveau sollte BMW auch in diesem Jahr halten und vermutlich ausbauen. BMW hat es sich zum Ziel gesetzt, bereits 2018 um die 140.000 elektrifizierte Automobile zu verkaufen, im kommenden Jahr sollen es dann bereits mehr als 160.000 Einheiten sein.

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Eins ist klar, Fortbewegung bleibt eines der Trendthemen der Zukunft, der Bedarf an Mobilität und Fortbewegungsmitteln bleibt nach wie vor hoch und wird sich in den kommenden Jahren, getrieben durch die Wachstumsmärkte, weiter erhöhen. Allein in Asien stieg der Absatz von BMW 2017 um rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und vor allem China, welches als weltgrößter Automarkt gilt, sendet positive Signale. China denkt darüber nach, möglicherweise auf Druck der USA im drohenden Handelsstreit, seine Einfuhrzölle auf Automobile in Höhe von 25 Prozent, auf 10 bis 15 Prozent zu senken. Davon würde auch BMW profitieren, denn für den Münchener Autobauer ist China, mit einem Anteil von 24 Prozent vom Absatz in 2017, der wichtigste Absatzmarkt. Wichtig in diesem Zusammenhang bleibt aber, die Elektromobilität weiter voran zu treiben und da sehe ich BMW auf einem guten Weg.

Das gute Ergebnis im Geschäftsjahr 2017 erfreute auch die Anleger, die sich über eine um 14 Prozent erhöhte Dividende freuen konnten. Damit liegt die derzeitige Gewinnausschüttungsquote bei 30,2 Prozent und bietet damit auch für die kommenden Jahre noch deutlich Luft nach oben. Anleger sollten sich nicht zu sehr von der derzeitigen Debatte rund um Diesel & Co. verschrecken lassen, sondern sich viel mehr auf die Fakten konzentrieren. Wie schon eine alte Börsenweisheit sagt, "Kaufe, wenn die Kanonen donnern". Die Situation bei BMW ist deutlich besser, als man es derzeit aufgrund der Nachrichtenlage vermuten würde. Für Anleger kann der aktuelle Kurs eine gute Möglichkeit zum Einstieg sein.

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