Montag, 22. Januar 2018

Bitcoin-Boom macht diesen Börsenchef mutig "Es war so aufregend. Lass uns das jeden Sonntag machen!"

Edward Tilly: Der Chef der Chicagoer Börse wittert gute Geschäfte mit weiteren möglichen Derivaten auf die Digitalwährung Bitcoin

Nach der erfolgreichen Einführung von Bitcoin-Terminkontrakten am vergangenen Sonntag erwägt die Börse CBOE in Chicago, weitere Finanzprodukte für die Cyber-Währung auf den Markt zu bringen. "Wir werden in den kommenden Monaten Vertrauen schaffen, und bleiben Sie dran, es wird noch mehr kommen", zeigte sich CBOE-Chef Ed Tilly im Gespräch mit Reuters überzeugt. Dabei könne es um Optionen auf Future-Kontrakte und Indexfonds (ETF) gehen. Auch könnten Produkte für andere Kryptowährungen außer Bitcoin folgen.

Niemals zuvor hätte ein neues Produkt an der CBOE soviel Interesse auf sich gezogen. "Es war so aufregend für uns, dies auf den Markt zu bringen. Ich sagte dem Team letzte Nacht, ich sagte: Lass uns das jeden Sonntag machen! Das ist eine Menge Spaß!", so Tilly weiter.

Bislang allerdings hat die US-Börsenaufsicht SEC alle Vorschläge für ein Bitcoin-ETF abgelehnt. Befürworter glauben dennoch, dass ein erfolgreiches Debüt der Terminkontrakte den Plänen neues Leben einhauchen und die Aufsicht milder stimmen könnten.

Nach Worten des Börsenchefs hatte die CBOE unlängst Berufung gegen eine Entscheidung der SEC eingelegt, die einen CBOE-gelisteten Bitcoin-ETF blockierte, der von der Bitcoin-Börse Gemini vorgeschlagen wurde, den die Chicagoer Börse für den Schlussabrechnungspreis seiner Bitcoin-Futures-Kontrakte verwendet.

Die umstrittene Digitalwährung hat indes am Dienstag im frühen Handel etwas nachgegeben. Am zweiten Handelstag seit dem Start des ersten Terminkontrakts an einer regulierten Börse kostete ein Bitcoin auf dem größten Handelsplatz Bitstamp zuletzt rund 16.300 Dollar - bei Coinbase sind es aktuell zirka 16.750 Dollar.

Am Montagabend war der Preis für einen Bitcoin erstmals auf breiter Front - das heißt auf allen wichtigen meisten Marktplätzen - über die Marke von 17.000 Dollar gestiegen. Bei Bitstamp lag die höchste Notierung bei 17.270 Dollar. Der in der Nacht auf Montag an der Börse CBOE handelbare Januar-Future lag am Dienstagmorgen bei 17.620 Dollar und damit leicht im Minus.

Bitcoin-Terminkontrakt schießt von 15.000 auf über 18.000 Dollar hoch

Der gestrige Handelstag des ersten Bitcoin-Terminkontrakts an einer von der Aufsicht regulierten Börse verlief turbulent, aber trotz einiger Handelsunterbrechungen nach starken Kursschwankungen letztendlich reibungslos. Der Kurs schoss schnell von 15.000 Dollar bis auf 18.850 Dollar und schloss nur knapp darunter. Investoren können mit diesen Futures auf steigende oder fallende Bitcoin-Kurse setzen

Mit dem Future macht die einst nur von Computerexperten genutzte Digitalwährung einen großen Schritt in Richtung des klassischen Finanzmarkts machte - weitere Produkte folgen bald. So gibt es bald auch einen Terminkontrakt an der Chicago Mercantile Exchange (CME), der größten Terminbörse der Welt.


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Angesichts des Future-Starts war die Nervosität unter den Bitcoin-Anlegern zuletzt weiter angestiegen. Entsprechend stark waren die Schwankungen. Auf der Handelsplattform Coinbase war der Bitcoin am Donnerstagabend vergangener Woche sogar kurzzeitig über die Marke von 20.000 Dollar gestiegen, war dann aber zurückgefallen.

Zu Jahresbeginn kostete ein Bitcoin noch 1000 Dollar. Seither ging es steil aufwärts. Experten warnen jedoch gebetsmühlenartig vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Einige sorgen sich mittlerweile sogar um negative Effekte für den klassischen Finanzmarkt angesichts der neuen Futures.

Die "Wirtschaftsweise" Isabel Schnabel hatte am Wochenende vor möglichen systemischen Risiken nach dem Future-Start gewarnt. Wenn die Internetwährung aus einer Nische in die etablierte Finanzwelt vordringe, berge das Gefahren: "Die Preisentwicklung der Bitcoins erinnert an die großen Blasen der Wirtschaftsgeschichte, zum Beispiel an die Tulpenkrise. Solange die Spekulationen mit Eigenkapital finanziert sind, verlieren die Investoren im Falle eines Crashs zwar viel Geld, die Ansteckungsgefahren dürften aber begrenzt sein", sagte sie der "Welt am Sonntag".

Rei/dpa/Reuters

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