Sonntag, 21. Oktober 2018

Anleger fliehen aus Kryptowährung Bitcoin mit größtem Tagesverlust seit drei Jahren

Bitcoin unter Feuer: Die Pläne von China und Südkorea verunsichern Anleger

Bitcoin-Investoren sind heute extrem nervös: Der Kurs der Kryptowährung fiel am Vormittag in der Spitze auf der wichtigsten Handelsplattform Bitstamp um rund 18 Prozent auf 11.192 Dollar. Das ist der größte Tagesverlust innerhalb von drei Jahren. In der vergangenen Nacht wurde der Bitcoin noch bei etwa 14.000 Dollar gehandelt.

Starke Verluste gab es auch bei anderen Kryptowährungen wie Ethereum (-23 Prozent) oder Ripple (-33 Prozent). Seit dem Rekordhoch von Mitte Dezember, als der Bitcoin nach einem rasanten Höhenflug zeitweise bis an die Marke von 20.000 Dollar gestiegen war, hat die Digitalwährung mittlerweile etwa 45 Prozent an Wert verloren.

"Der gesamte Cyberwährungsmarkt einschließlich Bitcoin befindet sich derzeit gehörig unter Druck", kommentierte Marktanalyst Timo Emden vom Analysehaus DailyFX Deutschland. Nach Einschätzung von Emden sind die Bitcoin-Investoren "spürbar verunsichert". Zu sehr hätten eine Reihe von Negativschlagzeilen auf den Kryptowährungen gelastet.

So sorgen Berichte über eine stärkere Regulierung in Südkorea und China für immer mehr Gegenwind. Das südkoreanische Nachrichtenportal Yonhap berichtet beispielsweise, dass Finanzminister Kim Dong-yeon einem lokalen Radiosender gesagt hatte, dass die Regierung eine Reihe von Maßnahmen einleiten werde, um den "irrationalen" Crypto-Währungsinvestitionswahn einzudämmen. Bereits vergangene Woche hatte das Justizministerium mitgeteilt, dass es einen Gesetzesentwurf vor bereite, der den Börsenhandel mit Bitcoin und Co. untersagt.

Außerdem gab es zuletzt Pressemeldungen, wonach die chinesische Regierung offenbar den hohen Stromverbrauch durch das Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin drosseln will. Der Bitcoin hat in Asien eine große Fangemeinde, weshalb die Kurse auf Nachrichten aus den Krypto-Hochburgen China und Südkorea besonders stark regieren.

Bitcoin-Kaufrausch: Die Psycho-Fallen der Bitcoin-Bullen

Der Bitcoin ist die bekannteste der Digitalwährungen. Anfang 2017 kostete ein Bitcoin noch weniger als 1000 Dollar. Vertreter der klassischen Finanzwelt sehen den Bitcoin skeptisch. Angesichts des rasanten Kursanstiegs wurden Vergleiche mit der niederländischen Tulpenmanie im 17. Jahrhundert gezogen. Damals waren die Preise für Tulpenzwiebeln rasant gestiegen, bevor die Blase schließlich platzte.

Inzwischen steigt auch das Interesse an den Bitcoin-Alternativen Bitcoin Cash sowie an der Kryptowährung Iota. Die Iota-Tokens haben es in die Top Ten der von Bitcoin angeführten Kryptowährungen geschafft.

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Für Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling ist eine umfassende Regulierung von Digitalwährungen wie dem Bitcoin nur noch eine Frage der Zeit. "Der Staat hat die Aufgabe, schützenswerte Interessen des Einzelnen und des Gemeinwohls zu bewahren", sagte Wuermeling, der bei der Deutschen Bundesbank für die Bereiche IT und Finanzmärkte zuständig ist, am Montag in Frankfurt. "Kryptowährungen werden deshalb über kurz oder lang Gegenstand von Gesetzgebung werden, ob zum Beispiel zum Verbraucherschutz oder zu Steuerfragen."

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Die Europäische Union hat bereits im Dezember einen ersten Schritt zur Regulierung von Kryptowährungen getan. Anleger sollen laut einer neuen Geldwäscherichtlinie künftig nicht mehr anonym bleiben können, wenn sie digitales in staatliches Geld umtauschen. Insofern Digitalwährungen jenseits nationaler Gesetzgebungen und Grenzen funktionierten, sei allerdings eine "größtmögliche internationale Kooperation" nötig, mahnte Wuermeling.

mg/dpa-afx/rtr

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