Montag, 10. Dezember 2018

Energieverbrauch der Kryptowelt schrumpft erstmals Miner geben auf - Bitcoin bricht zusammen

Bitcoin-Mine in Kanada

An den Kryptobörsen ist die Massenflucht ausgebrochen. Bitcoins, vor zwei Wochen noch für mehr als 6000 Dollar zu haben, werden aktuell für unter 4000 Dollar gehandelt. Praktisch alle großen Alternativen wie Ripple, Ethereum oder Bitcoin Cash haben einen ähnlich großen Crash hinter - und womöglich auch noch vor sich. Selbst die Krypto-Fluchtwährung Tether, die angeblich 1:1 mit US-Dollars und einer Garantie des Bitcoin-Mining-Giganten Bitmain gedeckt ist, muss einen Abschlag hinnehmen.

Es ist unverkennbar: Die ohnehin fragile Welt der digitalen Spekulationsobjekte erlebt ihren nächsten großen Kollaps. Als akuten Auslöser sehen die meisten Beteiligten die Spaltung (Hard Fork) des Bitcoin Cash am 15. Nobember. Bitcoin Cash wurde einst selbst im Jahr 2017 von Bitcoin abgespalten.

Solche Gabelungen gab es in der Krypto-Szene schon viele. Neu aber ist, dass die Aktivität der Szene insgesamt - und nicht nur der virtuelle Wert ihrer Assets - schrumpft.

Die "South China Morning Post" berichtet, dass in China, wo noch immer der Großteil des Kryptogelds geschürft wird, reihenweise kleine Miner aufgeben. In chinesischen Medien kursieren Bilder von Lagerhallen, in denen Server entrümpelt werden. Die speziellen Mining-Maschinen seien selbst mit annähernd gratis bezogenem Strom nicht mehr profitabel zu betreiben.

Wer kann jetzt noch profitabel Bitcoin schürfen?

Der von August bis Mitte November annähernd stabile Bitcoin-Preis über 6000 Dollar wurde von manchen mit den geringen Produktionskosten beim heutigen Stand der Technik und der vom Bitcoin-Code vorgegebenen - langfristig steigenden - Komplexität der zum Schürfen einer Einheit notwendigen Rechenleistung erklärt. Die These: Tiefer als rund 6000 Dollar könne der Preis nicht fallen, weil niemand dann mehr neue Bitcoins anbieten würde.


So funktionieren Kryptowährungen - Erklärvideo von manager-magazin.de und Mynd


Doch die Realität sieht anders aus. Der neue Crash verdeutlicht, dass das Kryptosystem frei von fundamentaler Logik ist. Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini, der sich einen Ruf als Untergangsprophet der Kryptowährungen erworben hat, sieht den wahren Wert von Bitcoins wegen des hohen Energieverbrauchs ohne jeden wirtschaftlichen Nutzen als unter Null an.

In dieser Hinsicht liefert der aktuelle Crash eine gute Nachricht. "Bloomberg" berichtet, dass die Hash-Rate sinke, die misst, wie viel Rechenleistungen die Miner innerhalb einer Sekunde zum Schürfen bringen. Es werden also nicht unbedingt einzelne Miner von anderen ersetzt, die noch billiger produzieren können, sondern zumindest zeitweise sinkt das Angebot tatsächlich.

Die Folge: Auch der Energiebedarf geht erstmals zurück. Der "Bitcoin Energy Consumption Index" zeigt aktuell einen Jahresverbrauch von 54 Terawattstunden Strom allein für Bitcoin an - immer noch so viel wie Bangladesch, ein Land mit doppelt so viel Einwohnern wie Deutschland und der zweitgrößten Textilproduktion der Welt. Doch vor zwei Wochen lautete die Prognose noch auf mehr als 73 Terawattstunden, mehr als Österreich. Der sinkende Energieverbrauch ist ein Hinweis darauf, dass sich tatsächlich zahlreiche Bitcoin-Miner zurückziehen.

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