Samstag, 16. Februar 2019

Nichts verpassen, Hochmut, Tunnelblick Die Psychologie der Bitcoin-Bullen

2. Teil: Typ 1: Der Fomo-Typ und die Angst, etwas zu verpassen

Dieser Investoren-Typ zockt mit, auch wenn er nicht den leisesten Schimmer von der Funktionsweise der Blockchain-Technologie und der daraus entstehenden Digitalwährung Bitcoin hat. Für ihn ist ein Bitcoin Börsen-Chart zeigen oder ein an der Börse handelbares Bitcoin-Derivat lediglich ein Vehikel, um binnen kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Jede neue Geschichte über junge Bitcoin-Millionäre steigert das Verlangen, diesmal beim Bitcoin-Boom dabei zu sein.

mm und Mynderklären: So funktionieren Kryptowährungen

Angst und Gier sind die mächtigsten Triebfedern an der Börse: Die Angst, etwas zu verpassen, und die Gier, das eigene Einkommen ohne Arbeit sprunghaft aufzubessern, sorgt für eine hohe Risikolust. Auch im Neuen Markt hat es viele Investoren nicht interessiert, mit welchem Geschäftsmodell Unternehmen wie Metabox, EM.TV oder Nortel eigentlich Geld verdienen wollen. Entscheidend war, dass der Kurs fast täglich kräftig stieg und man am Ende der Woche rufen konnte: "30 Prozent in fünf Tagen - und Du?"

Lesen Sie auch: Bitcoin-Boom - eine Berliner WG im Goldrausch

Die Sehnsucht nach schnellem, leichtverdienten Geld trübt vor allem bei männlichen Investoren den Blick für das Risiko. Dafür schlägt die Emotion umso stärker in Angst und Panik um, sobald der Kurs in die falsche Richtung läuft. Und Hand aufs Herz: Wer hat bei einer x-beliebigen Neue-Markt-Firma damals nicht rasch die Notbremse gezogen und mit Verlust verkauft, als plötzlich ein fettes Minus im Depot stand?

Wer als "Fomo-Typ" (Fear of missing out) in den Bitcoin-Hype einsteigt, handelt aus Angst, etwas zu verpassen, was andere angeblich reich macht. Doch noch größer ist die Angst, inmitten von angeblich tausenden Bitcoin-Millionären einer der Wenigen zu sein, die mit dem mutmaßlichen Reichmacher Geld verlieren. Garantiert sind bei diesem Investment-Typ Stress, starke Emotionen und hektisches, teures Hin und Her.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung