Freitag, 16. November 2018

Betrugsverdacht Bitcoin-Börse Mt. Gox ist insolvent

Demut im Anzug: Mt. Gox-Chef Karpeles auf dem Weg zur Pressekonferenz

Offenbarungseid für Mt. Gox: Die führende Handelsplattform der digitalen Währung Bitcoin hat in Tokio Insolvenz beantragt. In tiefer Demut zeigte sich Unternehmenschef Mike Karpeles und räumte das spurlose Verschwinden von mehr als 350 Millionen Euro ein.

Tokio - Die Digitalwährung Bitcoin stürzt tiefer in die Krise: Die einst größte Handelsplattform, Mt.Gox, hat laut Medienberichten einen Insolvenzantrag gestellt. Mt.Gox habe Schulden von rund 6,5 Milliarden Yen (rund 46 Millionen Euro oder 110.000 Bitcoin), hieß es am Freitag auf einer Pressekonferenz in Tokio, wie verschiedene Nachrichtenagenturen berichteten.

Laut AP erschien Börsenchef Mark Karpeles vor Gericht im Anzug statt des gewohnten T-Shirt-Outfits und verbeugte sich minutenlang als Zeichen der Debut vor den Kameras. "Ich entschuldige mich für den Ärgen, den ich all den Leuten bereitet habe", sagte Karpeles demnach. "Eine Schwäche unseres Systems" habe zum Verschwinden von 850.000 Bitcoins (derzeit mehr als 350 Millionen Euro) geführt - ein schwerer Image-Schaden für Bitcoin, das von seinen Anhängern als Währung des Vertrauens wegen der kryptografischen Fälschungssicherung und des fehlenden staatlichen Einflusses beworben wird.

Wenige Stunden zuvor hatte sich auch Japans Finanzminister Taro Aso geäußert, ein Kollaps von Bitcoin sei unvermeidbar gewesen. "Niemand erkennt das als echte Währung an", sagte er vor Journalisten. Die Finanzaufsicht erklärte sich deshalb auch für unzuständig, um das in Tokio angesiedelte Handelshaus zu überwachen oder dem verlorenen Geld nachzuspüren.

Die Bitcoin-Börse hatte bereits bis auf weiteres den Betrieb eingestellt. Bereits seit Anfang Februar kommen Anleger nicht mehr an ihre dort gespeicherten Einlagen. Am Dienstagmorgen war Mt.Gox plötzlich aus dem Internet verschwunden. Unter der Web-Adresse www.mtgox.com erschien zwischenzeitlich nur eine leere weiße Seite. Dann veröffentlichte CEO Mark Karpeles dort einige Zeilen, in denen er versprach, an einer Lösung zu arbeiten, und Gerüchte über eine Flucht aus Japan dementierte.

Ein Haus für 100 Millionen "Dogecoins"

Die auch als "Hacker-Währung" bezeichneten Bitcoins gibt es seit 2009. Sie werden in komplizierten Rechenprozessen auf den Computern der Nutzer erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Sie kommen vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz. Im vergangenen Jahr war der Kurs zeitweise über 1000 Dollar pro Bitcoin gestiegen. Zuletzt notierte der Kurs bei 570 Dollar. Die Schließung von Mt.Gox stürzte die Währung in eine Vertrauenskrise.

In Japan wurden bereits Ermittlungen wegen Mt.Gox eingeleitet. "Die Regierung wird falls nötig Maßnahmen ergreifen, sobald wir die Situation überprüft haben", sagte ein Regierungsvertreter am Mittwoch. Laut "Wall Street Journal" untersuchen auch US-Behörden den Fall. US-Bundesanwälte in New York sollen unter Strafandrohung Dokumente von der Firma angefordert haben.

Die neue US-Notenbankchefin Janet Yellen hält es für schwierig, Kontrolle über die kriselnde Digitalwährung Bitcoin auszuüben. Die Fed habe keinerlei Befugnis zur Regulierung, sagte Yellen am Donnerstagabend vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Sie bezeichnete den Bitcoin als Innovation, die sich außerhalb des Bankensektors abspiele. Es sei aber angebracht, dass sich der US-Kongress mit rechtlichen Fragen zu digitalen Währungen befasse.

Bitcoin hat zahlreiche Nachahmer gefunden. Die vom zumeist starren Geldangebot erzeugten heftigen Kursschwankungen machen die alternativen Währungen aber als Zahlungsmittel nahezu unbrauchbar. Zu den verbreitetsten Kryptowährungen namens Ripple oder Litecoin gesellen sich auch Parodien wie Dogecoin.

Die erst im Dezember 2013 geschaffene Währung mit einem japanischen Shiba-Inu-Hund als Maskottchen hat aber bereits eine große Anhängerschaft gefunden, die mit Spenden die Teilnahme der jamaikanischen Bobmannschaft und eines indischen Rodlers an den Olympischen Winterspielen von Sotschi finanzierte. Laut einem CNN-Bericht bietet ein erster Dogecoin-Nutzer sogar sein Ferienhaus für 100 Millionen Dogecoins (gut 80.000 Euro) an.

ak/dpa-afx/ap

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