Donnerstag, 26. April 2018

Ausschläge immer heftiger Zocker und Hacker machen Bitcoin zum irren Spiel

Bitcoin-Blase: Der Kurs der Kryptowährung stieg am Donnerstag zeitweise über die Marke von 16.000 Dollar. Mancherorts sogar auf 20.000 US-Dollar. Dann nahmen die Zocker das Geld wieder vom Tisch
Sipa USA via AP
Bitcoin-Blase: Der Kurs der Kryptowährung stieg am Donnerstag zeitweise über die Marke von 16.000 Dollar. Mancherorts sogar auf 20.000 US-Dollar. Dann nahmen die Zocker das Geld wieder vom Tisch

Das ist der Tanz auf dem Vulkan: Am Donnerstag übersprang der Bitcoin drei Tausender-Marken, in der Nacht zu Freitag verlor die Kryptowährung einen Großteil der Gewinne - und steigt Freitagvormittag wieder. Kurz vor Einführung der Terminkontrakte werden die Bitcoin-Glücksritter immer nervöser. Jetzt pfuschen ihnen noch die Hacker ins Handwerk.

Kurz vor dem Start von Terminkontrakten auf die Digitalwährung Bitcoin steigt die Nervosität am Markt von Minute zu Minute. Der Höhenflug des Bitcoin fand am Freitag zunächst ein Ende. Die Kryptowährung verbilligte sich in der Nacht um einen zweistelligen Prozentbetrag und stürzte auf rund 14.500 Dollar - um dann wieder zu steigen.

Am Donnerstag war der Kurs noch um fast 3000 Dollar gestiegen, die Kryptowährung hatte auf dem größten Marktplatz Bitstamp mit fast 16.000 Dollar so viel wie noch nie gekostet. Trotz des Kursrutsches am Freitag beträgt das Plus in dieser Woche noch immer mehr als 30 Prozent. Manche Experten hatten von einer Preisblase gesprochen, die bald platzen könnte. Seit Anfang des Jahres hat der Kurs um mehr als 1500 Prozent zugelegt.

Hinter Bitcoin stehen weder Regierungen noch Zentralbanken. Über den Preis entscheiden allein Angebot und Nachfrage. Das virtuelle Geld kann anonym transferiert werden und wird deshalb oft mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht.

Bitcoin-Handel wird von Hackern offenbar beeinflusst

Zudem traten in den vergangenen anderthalb Tagen einmal mehr die technischen Probleme beim Handel mit Kryptowährungen offen zu Tage: So stieg der Bitcoin auf dem Handelsplatz Coinbase am Donnerstagabend innerhalb von 90 Minuten zunächst von 16.000 Dollar auf fast 20.000 Dollar, um dann wieder alle Gewinne abzugeben. Zeitweise konnte über Coinbase nicht gehandelt werden, auch andere Marktbetreiber berichteten von Schwierigkeiten und zunehmenden Attacken von Hackern.

"Ein klassischer, blinder Kaufrausch", kommentierte ein Händler. "Jeder will dabei sein, niemand achtet mehr auf Risiken." Bitcoin-Wahn und Kaufpanik lassen sich auch an der Geschwindigkeit des Kursanstiegs ablesen: Um von 12.000 auf 13.000 Dollar zu springen, hatte der Bitcoin-Kurs rund 17 Stunden gebraucht. Für den Sprung von 13.000 auf 14.000 Dollar benötigte die Digitalwährung nur noch 3 Stunden. Und nur wenige Stunden später kletterte die Digitalwährung bereits über die Marken von 15.000 und 16.000 US-Dollar.

Als Grund für die jüngsten Kurssprünge gilt die baldige Einführung von Terminkontrakten auf Bitcoins. Mit der Einführung von Terminkontrakten stößt die Digitalwährung in das traditionelle Finanzgeschäft vor. In der Branche ist das umstritten. Der Interessenverband "Futures Industry Association" kritisiert, die Regulierer hätten zu schnell und ohne intensive Diskussionen ihre Zustimmung erteilt.

Nur nichts verpassen: Warum "FOMO"-Investoren jetzt noch Bitcoin kaufen

Vergangenen Freitag hatte die US-Behörde CFTC grünes Licht für Bitcoin-Futures gegeben. Die US-Börse CBOE will diesen Sonntag den ersten Bitcoin-Future in den Handel bringen, eine Woche später will der weltweit größte Börsenbetreibe, die Chicago Mercantile Exchange (CME), folgen. Auch bei der japanischen Tokyo Financial Exchange wird über die Einführung eines Bitcoin-Futures nachgedacht.

Durch den Start der Terminkontrakte werden Bitcoins für institutionelle Investoren besser handelbar. Einerseits können diese sich gegen künftige Preisschwankungen absichern. Andererseits kann aber auch auf Kursentwicklungen spekuliert werden. Sogenannte Future-Kontrakte stehen deshalb auch in der Kritik: Kritiker werfen Banken vor, mit Spekulationen etwa auf den Weizenpreis zum Schaden der Ärmsten der Welt die Lebensmittelpreise nach oben zu treiben.

Für Neil Wilson von ETX Capital stellt die Einführung von Terminkontrakten den Versuch dar, den Bitcoin anderen Anlageformen anzugleichen. Das dürfte nicht unbedingt im Sinne aller Bitcoin-Fans sein, denn viele von ihnen sehen in der Digitalwährung vor allem eine Alternative zu den klassischen Währungen.

Die Blase ihres Lebens: Eine Berliner WG im Goldrausch

Zu Jahresbeginn stand der Wert des Bitcoin noch bei 1000 Dollar. Seither ist er auf einer rasanten Rekordjagd, die sich in den vergangenen Monaten zunehmend beschleunigt hat und mit teils hohen Kursschwankungen einhergeht. Unter anderem Notenbanker warnen vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Zuletzt bezeichnete zudem der Chef des nordeuropäischen Bankkonzerns Nordea, Casper von Koskull, den Bitcoin als "absurde" Konstruktion, die jeder Logik widerspreche.

Erst Mitte Oktober hatte die Kryptowährung Bitcoin, die nach ihrer Entstehung im Jahr 2009 nur wenige Cent wert war, die Marke von 5000 Dollar übersprungen. Vergangene Woche erst kletterte der Bitcoin über die 10.000-Dollar-Marke - binnen zwei Monaten hat sich der Kurs des Bitcoin in etwa verdreifacht.

Ökonom Jean Tirole: "Wert kann binnen kürzester Zeit kollabieren"

Kritiker warnen seit Wochen vor einer Blase. Der Bitcoin selbst habe keinen ihm innewohnenden Wert, sagte etwa kürzlich der Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole. Deshalb könne der Wert "von einem Tag auf den anderen kollabieren".

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Der Bitcoin war 2009 auch als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden, um eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung zu erschaffen. Die Kryptowährung basiert dabei auf dem Prinzip, dass Buchungen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden müssen, sondern letztlich von allen am Bitcoin-System beteiligten Nutzern.

Neue "Münzen" werden durch komplexe Rechenoperationen unter Beteiligung zahlreicher Computer erschaffen. Ihre Zahl ist jedoch von vornherein auf 21 Millionen begrenzt. Mehr als drei Viertel davon wurden bereits geschaffen.

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