Montag, 10. Dezember 2018

Kurssturz der Bayer Aktie setzt sich fort Neuer Glyphosat-Prozess in USA belastet Bayer

Bayer: Die Übernahme von Monsanto wirkt toxisch.

Neuer Rückschlag für Bayer Börsen-Chart zeigen: In den USA ist ein weiterer Prozess wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat angesetzt worden. Das Verfahren gegen den Hersteller, die Bayer-Tochter Monsanto, beginnt am 18. März, wie aus Dokumenten eines Gerichts in Kalifornien hervorgeht. Geklagt hatte ein Paar, das das glyphosathaltige Herbizid Roundup regelmäßig von 1975 bis 2011 eingesetzt hatte. Bei beiden wurde Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert.

Erst im Oktober hatte ein US-Gericht überraschend ein Urteil gegen Monsanto bestätigt, in dem erstmals Glyphosat für die Krebserkrankung eines Klägers verantwortlich gemacht wurde. Die Strafsumme wurde aber von zunächst 289 Millionen Dollar auf 78 Millionen Dollar verringert. Seit dem ersten Urteil im August brach der Bayer-Aktienkurs um fast 30 Prozent ein.

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Mehr als 9000 Klagen wegen Glyphosat in USA anhängig

Monsanto weist die Vorwürfe zurück. Bayer hat immer wieder beteuert, das Glyphosat sicher sei. Am Dienstag teilte der Konzern mit, in den USA seien derzeit mehr als 9000 Klagen wegen Glyphosat anhängig. Glyphosat zählt zu den am meisten eingesetzten Unkrautvernichtern in der Landwirtschaft. Längst hat die US-Klageindustrie den Fall Glyphosat für sich entdeckt und treibt Bayer seit Monaten vor sich her. Bayer-Chef Werner Baumann lehnt jedoch Vergleiche mit den Klägern ab und beruft sich auf rund 900 Gutachten, die Glyphosat nicht als krebserregend einstufen.

Aktie stürzt auf 6-Jahres-Tief

Die Aktie von Bayer Börsen-Chart zeigen setzte am Freitag ihren Kurssturz mit einem Verlust von 2,5 Prozent fort und fiel zeitweise unter die Marke von 62 Euro. Anfang des Jahres hatte die Bayer-Aktie noch bei 105 Euro notiert. Seit dem Hoch im Frühjahr 2015 bei rund 140 Euro hat sich der Börsenwert von Bayer mehr als halbiert.

Bayer-Chef Werner Baumann hatte die Übernahme von Monsanto durchgeboxt, um das Gewicht des Konzerns zu erhöhen und auf diese Weise eine feindliche Übernahme abzuwenden. Sollte der Kursverfall sich weiter fortsetzen, könnte genau das drohen: Eine feindliche Übernahme und anschließende Zerschlagung des Konzerns.

Ergebnis der Berufung wohl erst 2021 - Baumann schließt Vergleich aus

Baumann betonte, dass es sich nur um ein erstinstanzliches Urteil handele, das keine bindende Wirkung für die anderen Verfahren habe. "Wir halten dieses Urteil für falsch." Mit dem Ergebnis der Berufung rechnet der Konzernchef spätestens 2021. Anfang nächsten Jahres wiederum dürften weitere Glyphosat-Fälle in erster Instanz vor US-Gerichten beginnen.

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Baumann sieht sich beim Thema Glyphosat weiterhin im Recht, einen Vergleich in einzelnen Fällen schloss er aus. Es könnte in Zukunft aber sein, dass man "geringfügige Beträge" für einen Gesamtkomplex zahlen würde, etwa um höhere, absehbare Rechts- und Anwaltskosten für die Fortsetzung des juristischen Streits zu vermeiden.

Kläger, Umweltschützer, Kleinbauern und verschiedene Wissenschaftler halten die Chemikalie für gefährlich für die Natur und die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat 2015 als ein "wahrscheinliches humanes Karzinogen" ein, also als mutmaßlich krebserregend.

Bayer steigert Umsatz mit Monsanto auf rund 10 Milliarden Euro

Im abgelaufenen dritten Quartal steigerte Bayer den Umsatz infolge der Übernahme von Monsanto um fast ein Viertel auf 9,9 Milliarden Euro. Im Agrarchemie-Geschäft (Crop Science) vermeldete Bayer ein einen Quartalsumsatz von 3,7 Milliarden Euro, davon 2,2 Milliarden Euro durch den Zukauf. Das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten wie dem Gerinnungshemmer Xarelto zog an, der Verkauf von rezeptfreien Präparaten und von Mitteln für Tiere brachte hingegen weniger Euro in die Kasse als zuvor. Auch künftig sieht sich Bayer insgesamt auf Wachstumskurs, der Gesamtumsatz 2018 soll bei mehr als 39 Milliarden Euro liegen.

Trotz der hohen Verschuldung will der Konzern die Dividende für 2018 weiterhin mindestens auf dem Niveau des Vorjahres halten.

la/dpa

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