Freitag, 15. Dezember 2017

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Kursverluste bei Erstnotiz Bawag-Bank floppt bei Österreichs größtem IPO

Blick auf die Wiener Hofburg: Der Börsengang der Bawag, der größte in Österreich bisher, verlief alles andere als prunkvoll

Fehlstart für die Bawag an der Wiener Börse: Die Aktien der viertgrößten österreichischen Bank eröffneten den Handel am Mittwoch mit 47,40 Euro und kamen bis zum Mittag nicht mehr an die 48 Euro heran, zu denen sie ausgegeben worden waren. Der Preis sei "etwas ambitioniert" festgesetzt worden, weshalb er bei der größten Emission in der Geschichte der Wiener Börse nicht zugegriffen habe, sagte Fondsmanager Alois Wögerbauer von der 3 Banken Generali Investment Gesellschaft. Gestützt wurde der Bawag-Kurs vom Einzug der Aktie in den Leitindex ATX. Schon am Freitag ersetzt sie unter den 20 Unternehmen dort die Papiere des Industriezulieferers RHI, der an die Londoner Börse abwandert.

"Die direkte Aufnahme in den Leitindex bringt von Beginn an maximale Aufmerksamkeit für die Aktie", sagte der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan. Damit wächst das Übergewicht der Finanztitel im ATX. Die Erste Group, Raiffeisen Bank International und die Versicherer Uniqa und Vienna Insurance machten schon vorher nahezu ein Drittel des Indexgewichts aus. Die Bawag allein kommt auf 4 Prozent, was ihr zum rapiden Aufstieg verhilft.

Der Börse kam das prominente Debüt zupass. Denn am Donnerstag wird die Aktie der RHI letztmals in ihrem Top-Segment gehandelt. Nach der Fusion mit der brasilianischen Magnesita zieht sie nach London um.

Größter Börsengang Österreichs

Bawag-Chef Anas Abuzaakouk und Boschan läuteten gemeinsam die Börsenglocke, wie die Börse mitteilte. Journalisten waren zum ersten Börsengang in Wien seit drei Jahren nicht geladen. Mit bis zu 1,93 Milliarden Euro ist es der drittgrößte in diesem Jahr in Europa und der größte in Österreich überhaupt. Seit 2007 hatte der Baukonzern Strabag mit gut 1,3 Milliarden Euro den Rekord gehalten.

39,9 Prozent der Bawag-Aktien sind künftig im Streubesitz, wenn sich der Kurs stabilisiert und die Platzierungsreserve von gut fünf Millionen Aktien nicht dazu gebraucht wird, die Aktie in den nächsten Wochen zu stützen. Je nachdem kassieren die Altaktionäre um den US-Finanzinvestor Cerberus am Ende zwischen 1,68 Milliarden und 1,93 Milliarden Euro. Die Bawag selbst geht leer aus.

Cerberus und Golden Tree hatten das Geldhaus 2007 für 3,2 Milliarden Euro gekauft. Zum Ausgabepreis wird die Bawag nun mit 4,8 Milliarden Euro bewertet. Der Eigentümer hatte die Bank auf Effizienz und Rendite getrimmt. "Die Kennzahlen der Bawag sind gut, das ist völlig unstrittig", sagte Fondsmanager Wögerbauer. "Aber als Neuaktionär kaufe ich die Ertragserwartung in der Zukunft. Und da ist die Frage, ob auch in Zukunft von diesem Niveau noch Gewinnsteigerungen möglich sind."

Das 130 Jahre alte Institut hat seine Wurzeln in der gewerkschaftsnahen Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) und in der Postsparkasse P.S.K. Die Kooperation mit der Post soll aber zum Jahresende gekündigt werden. Die Bank kommt auf eine Bilanzsumme von 40 Milliarden Euro und zählt mehr als 2,2 Millionen Kunden. Vor dem Börsengang hatte die Bawag mit dem Kauf der Stuttgarter Südwestbank den Sprung nach Deutschland geschafft und hält dort nun Ausschau nach weiteren Gelegenheiten.

cr/rtr

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