Sonntag, 24. März 2019

Starker Kursverfall nach heißem Sommer BASF-Aktie nicht nur bei Niedrigwasser ein Kauf

Weniger Wasser, weniger Ladung: Der extrem lange und trockene Sommer hat die Rheinschifffahrt im vergangenen Jahr stark gedrückt - für BASF mit seinem weltgrößten Chemiewerk in Ludwigshafen war das ein ernsthaftes Problem

Was haben Wasserstandsmeldungen des Rheins mit Aktienkursen zu tun? Bei BASF eine ganze Menge. Nicht nur aber auch wegen des extremen Niedrigwassers im vergangenen Super-Sommer fiel der Aktienkurs des Konzerns. Für langfristig orientierte Investoren bietet sich eine seltene Kaufgelegenheit, ist unser Autor überzeugt.

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes stellt Daten zu den Pegeln an den Binnenschifffahrtsstraßen bereit, die dann über pegel-online abrufbar sind und es gelegentlich sogar in die Nachrichten schaffen.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

Außerhalb der interessierten Schifffahrt und der Winzer an der Mosel, deren Keller bei Hochwasser häufig überschwemmt werden, fanden diese Wasserstandsmeldungen lange Zeit wenig Beachtung. Dies hat sich in der letzten Zeit dramatisch geändert. Was diese Beobachtungen mit den Aktienmärkten zu tun haben? Bei näherem Hinsehen sehr viel.

Die BASF Börsen-Chart zeigen ist das größte Chemieunternehmen der Welt. Deren Stammwerk in Ludwigshafen ist eine der größten Chemieanlagen der Welt und zum Antransport von Rohmaterial und Fertigware über den Rhein sehr gut gelegen. Hier kommen die Pegelstände ins Spiel.

Durch die Trockenheit des vergangenen Sommers hat der Rhein sehr viel weniger Wasser geführt als normal. Dadurch wurde die Schifffahrt erheblich behindert. Viele Schiffe konnten entweder gar nicht fahren oder nur mit der Hälfte oder einem Drittel der normalen Ladung. Verbraucher haben dies an der Tankstelle und beim Heizölkauf durch stark steigende Preise zu spüren bekommen.

BASF-Aktie fällt, Dividendenrendite steigt deutlich

Die Transportprobleme auf dem Rhein waren derart gravierend, dass die BASF weniger umsetzen konnte und deshalb ihre Ertragsprognose nach unten korrigieren musste. In einem ohnehin schwachen Aktienmarkt hatte dies die Aktie zusätzlich gedrückt.

Anfang Dezember erreichte der Kurs mit rund 57 Euro den tiefsten Wert seit dem Frühjahr 2016, als ebenso große Wachstumssorgen die Weltwirtschaft belasteten. Durch diesen Rückgang kletterte wiederum die Rendite für die erwartete Dividende des Jahres 2018 auf 5,3 Prozent. Dies ist sowohl absolut als auch im historischen Vergleich ein außerordentlich hoher Wert für dieses Qualitätsunternehmen.

Die BASF hat vor kurzem die größte Investition in der Unternehmensgeschichte in China begonnen. Trotz europäischer Wachstumssorgen und internationaler Handelsstreitigkeiten, von denen natürlich auch der Chemiekonzern betroffen ist, ist insbesondere das Asiengeschäft auf viele Jahre hinaus nach unserer Meinung ein großer und verlässlicher Treiber künftigen Wachstums.

Die BASF verfolgt seit Jahrzehnten eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Von 0,30 Euro im Jahr 1995 ist die Dividende bis 2017 auf 3,10 Euro gestiegen und hat sich damit mehr als verzehnfacht. Gleichzeitig hat sich in dieser Zeit der Kurs von ungefähr 8 Euro auf heute knapp 60 Euro mehr als versiebenfacht.

Trotz vorübergehender Abschwächungen sehen wir die langfristigen Geschäftsaussichten der BASF Börsen-Chart zeigen aufgrund der großen internationalen Präsenz und Positionierung in allen zukunftsrelevanten Märkten - seit neuestem auch in Chemikalien für Batterien für Elektromobilität - als ausgezeichnet an.

Seltene Kaufgelegenheit für langfristige Investoren

Konjunkturdellen, wie wir sie jetzt erleben, hat das Unternehmen im Laufe der Zeit immer wieder in neue Stärke verwandelt. Nach unserer Meinung ist die BASF-Aktie auf dem jetzt stark gedrückten Niveau, immerhin lag der Höchstkurs vor einem Jahr bei knapp 100 Euro, eine der seltenen Kaufgelegenheiten für langfristige Investoren.

Die Börsenentwicklung der nächsten Monate können auch wir nicht voraussehen. Die Zeit des Niedrigwassers dürfte mit der Schneeschmelze am Ende des Winters aber zu Ende gehen. Und zuverlässig lässt sich das Ende einer Konjunkturdelle natürlich auch nicht voraussagen. Die historische Erfahrung zeigt jedoch, dass sich sehr gut positionierte und traditionell immer hervorragend geführte Unternehmen wesentlich besser als der Durchschnitt entwickeln.

Dies dürfte auch über kurz oder lang zu erheblich höheren Kursen führen. Nach Überwindung der gegenwärtigen Delle der Weltkonjunktur sind dann auch weitere Dividendensteigerungen zu erwarten. Vor allem für einkommensorientierte Anleger bietet der jetzige Tiefstand eine hervorragende langfristige Perspektive.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin

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