Sonntag, 23. Juli 2017

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Bankaktien im Fokus - verzerrter Wettbewerb Warum Goldman Sachs Europas Banken alt aussehen lässt

Wall Street in New York: Die US-Banken blicken in eine rosige Zukunft - anders als ihre europäische Konkurrenz

Finanz-Deregulierung und steigende Zinsen in den USA, dazu - nach dem Brexit - die Anziehungskraft New Yorks für Jobs aus London: US-Banken drohen der Konkurrenz in Europa zu enteilen. Was heißt das für Aktionäre?

Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen minus sechs Prozent, Commerzbank Börsen-Chart zeigen sogar minus zehn Prozent - in den vergangenen zwei Wochen kam es ziemlich dicke für die Aktionäre der hiesigen Geldinstitute. Das ist zwar nur eine Momentaufnahme, und insgesamt haben sich die Papiere zuletzt eigentlich recht erfreulich entwickelt. Vieles spricht jedoch dafür, dass deutsche und europäische Banken gegenüber der Konkurrenz vor allem aus den USA künftig eher den Kürzeren ziehen werden. Hier die wichtigsten Gründe dafür:

Deregulierung

US-Präsident Donald Trump hat sich die Deregulierung der Finanzbranche auf die Fahnen geschrieben, und es besteht kaum ein Zweifel, dass er dieses Versprechen auch in die Tat umsetzen wird. Schließlich hat Trump schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit bewiesen, dass er ein Mann der Tat ist. Zudem hat er sich in seinem Regierungsteam mit einer Reihe ehemaliger Wall-Street-Leute umgeben. Und die werden zweifellos darauf drängen, dass der Präsident seine Versprechungen auch umsetzt.

Im Zentrum der Diskussion steht dabei der sogenannte Dodd-Frank-Act, ein umfassendes US-Gesetz aus dem Jahr 2010, das als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 entwickelt worden war und mit dem die US-Regierung unter Präsident Barack Obama die Finanzmarktstabilität verbessern wollte. Die Fesseln, die den US-Banken mit diesem Gesetz angelegt wurden, dürfte Trump in nächster Zeit ein Stück weit lockern - wodurch die Institute vermutlich einen relativen Wettbewerbsvorteil gegenüber der europäischen Konkurrenz erlangen werden. Banken in Europa befürchten gar eine Wettbewerbsverzerrung.

Zinsen

Während die Europäische Zentralbank für die Eurozone gegenwärtig noch an ihrer Niedrigzinspolitik festhält, hat in den USA bereits vor mehr als einem Jahr ein Zyklus steigender Zinsen begonnen. Zuletzt erhöhte die US-Notenbank Fed ihren Leitzins Ende 2016, und weitere Schritte sind für das laufende Jahr angekündigt.

Hintergrund ist die wirtschaftliche Entwicklung, die in den Vereinigten Staaten deutlich positiver verläuft als in Europa. Für die Banken bedeutet das: Die US-Institute können in einem prosperierenden Umfeld bei steigenden Zinssätzen immer bessere Geschäfte machen, während die Konkurrenz in Europa hinterherhinkt; neben der schwächelnden Konjunktur in vielen Ländern des alten Kontinents lastet auch die Euro-Schuldenkrise nach wie vor auf den Instituten.

Nicht zu vergessen: Auch weitere Wohltaten, die US-Präsident Trump der Wirtschaft seines Landes versprochen hat, werden die Institute an der Wall Street eher erfreuen als jene in Europa. Als da wären vor allem: Steuersenkungen für US-Unternehmen sowie Milliardeninvestments in die amerikanische Infrastruktur.

Brexit

Beim bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte Europas Bankenwelt am Ende ebenfalls als Verlierer dastehen. Nicht nur, dass mit dem Brexit der gemeinsame Wirtschaftsraum, in dem die kontinentalen Institute agieren, um einen maßgeblichen Teil schrumpft. Auch bei der Verteilung der Ressourcen, die den bislang dominanten Finanzplatz London wohl werden verlassen müssen, drohen die Länder der Eurozone in die Röhre zu schauen.

Axel Weber jedenfalls, Verwaltungsratschef der schweizerischen UBS, sieht New York noch vor Frankfurt oder Paris als Nutznießer des Brexit. Zwar werde auch Frankfurt profitieren, so Weber in einem exklusiven Interview in der neuen Ausgabe des manager magazin. London habe jedoch erst zur Finanzhauptstadt der Welt werden können, als in New York die Krise ausbrach. Diese Entwicklung werde sich nun wieder umkehren. Lediglich jene Jobs, die nicht von London nach New York wandern, würden sich dann über ganz Europa verteilen, so der Ex-Bundesbankpräsident.

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