Mittwoch, 12. Dezember 2018

Nach Kursrutsch bei VW, Daimler und BMW Autoaktien - günstig, aber auch riskant

Elektroauto-Modelle von Volkswagen: Gelingt den Konzernen der Übergang in eine Zukunft mit alternativen Antrieben?

Nach starken Kursverlusten locken Aktien von Autoherstellern wie Daimler, BMW und VW mit günstigen Bewertungen und hohen Dividendenrenditen. Doch wer zugreift, spielt Vabanque.

Diskussion um Autozölle, Stellenabbau bei General Motors (GM) Börsen-Chart zeigen, neue Pläne für die elektro-mobile Zukunft - die Autoindustrie sorgt zurzeit für viele Schlagzeilen. Das führt auch am Aktienmarkt zu Bewegungen: Das Papier von GM etwa legte nach der Veröffentlichung des geplanten Jobabbaus kräftig zu. Mit den Aktien hiesiger Hersteller dagegen ging es in den vergangenen Tagen abwärts, als die alte Spekulation um mögliche Zölle der USA auf Autoimporte aus der EU neu aufflammte.

Ohnehin entwickelten sich die Aktien der deutschen Autobauer in den vergangenen Monaten nicht sehr erfreulich. Die Papiere von BMW Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen liegen auf Zwölf-Monats-Sicht mit beinahe 15 Prozent im Minus, bei Daimler Börsen-Chart zeigen beträgt der Kursverlust sogar fast 30 Prozent.

Weil die Konzerne ungeachtet des eingetrübten Ausblicks bislang noch vergleichsweise ordentlich verdienen, hat das eine einfache Folge: Sie erscheinen an der Börse nun vergleichsweise günstig bewertet. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Daimler beispielsweise einer Übersicht der DZ Bank aus dieser Woche zufolge momentan bei lediglich 6,1. Bei Volkswagen und BMW sind die Werte mit 5,7 und 5,9 sogar noch niedriger.

Zum Vergleich: Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen insgesamt wird momentan mit einem KGV von gut 12 gehandelt. Im langjährigen Durchschnitt liegt der Wert für den Index ebenfalls im deutlich zweistelligen Bereich. Auch im Vergleich zu ihrer US-Konkurrenz erscheinen die hiesigen Autohersteller zudem aktuell günstiger. Und: Die niedrigen Kurse bringen beispielsweise bei Daimler und BMW ansehnliche Dividendenrenditen von 5 Prozent und mehr mit sich.

Die Problemfelder der Autoindustrie

Stellt sich also die Frage, ob sich der Einstieg nach den vergangenen Kursverlusten bereits wieder lohnt. Verschiedene Analysten sind offenbar dieser Meinung: Einer Übersicht der Website Finanzen.net zufolge gibt es aktuell bei allen drei deutschen Autobauern mehr Kauf- als Verkaufsempfehlungen von Seiten der Experten in Banken und Investmenthäusern. Besonders optimistisch sind die Analysten in Bezug auf Volkswagen: Bei den Aktien hat der Ratschlag, zuzugreifen, eine sehr deutliche Mehrheit hinter sich.

Volkswagen stünden wie allen Autobauern angesichts des technologischen Branchenwandels erhebliche Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen bevor, begründet beispielsweise Analystin Dorothee Cresswell von Barclays Capital ihre zuversichtliche Einschätzung. Mit den vom neuen Chef Herbert Diess geplanten Effizienzmaßnahmen sollte VW diese Herausforderungen aber meistern, so Cresswell.

Auch die Deutsche Bank hob vor gut einer Woche den Daumen: Der Autobauer aus Wolfsburg habe die Gewinnerwartungen für 2020 angehoben, und das in einer Zeit, in der die Konkurrenz ihre Profitziele gesenkt hätte. Das sei sehr positiv, so Analyst Tim Rokossa.

Einerseits. Andererseits kommt die Kurschwäche nahezu sämtlicher großer Autohersteller in Deutschland und den USA eben auch nicht von ungefähr. Denn die Konzerne haben gleich an mehreren Fronten schwer zu kämpfen:

  • Erstmals seit Jahren schwächelt die Autonachfrage in den USA und China, den beiden immerhin größten Absatzmärkten der Welt. Im Oktober beispielsweise wurden in der Volksrepublik Zahlen der China Passenger Car Association zufolge lediglich 1,95 Millionen Pkw abgesetzt - das sind 13 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres.
  • Der Handelsstreit zwischen den USA und China macht den Konzernen ebenfalls zu schaffen. Daimler und BMW etwa begründeten damit in diesem Jahr bereits Gewinnwarnungen. US-Hersteller wie GM oder Ford werden durch den Konflikt zudem doppelt getroffen: Einerseits verteuern zusätzliche Abgaben ihre Fahrzeuge in China, andererseits steigen die Kosten für Vorprodukte wegen der Sonderzölle, die die Regierung Trump auf Aluminium und Stahl erhebt, die in die Vereinigten Staaten eingeführt werden.
  • Auch Zölle auf Autoimporte aus der EU in die USA sind noch längst nicht vom Tisch. Erst in dieser Woche flammte die Spekulation darüber wieder auf - die Aktienkurse von Volkswagen, Daimler und BMW gerieten daraufhin einmal mehr heftig unter Druck.
  • Ein besonderes Problem für hiesige Autobauer wiederum ist der nach wie vor nicht aufgelöste Dieselskandal sowie dessen Neben- und Nachwirkungen. Die Umstellung auf das einheitliche Abgasprüfverfahren WLTP beispielsweise verläuft alles andere als rund und hat den Unternehmen bereits zählbare Absatzeinbußen eingebrockt. Ohnehin verkaufen die Hersteller weniger Dieselfahrzeuge, was ihnen auch Probleme bereitet bei dem Versuch, die CO2-Vorgaben der EU einzuhalten. Auf der anderen Seite ist unklar, ob dieses Manko durch eine Steigerung der Verkäufe von Autos mit alternativen Antrieben wie beispielsweise E-Motoren künftig ausgeglichen werden kann. Insbesondere Volkswagen dürfte zudem in Sachen Diesel noch ein erhebliches - und vermutlich auch teures - Rechtsrisiko mit sich herumschleppen.

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