Mittwoch, 21. November 2018

Gehört zum Benetton-Konzern Aktie des Autobahnbetreibers von Genua eingebrochen

Katastrophe von Genua: Die Ursache ist noch unklar, italienische Politiker machen aber den Brückenbetreiber für den Einsturz verantwortlich

Der mögliche Verlust der Straßenbetriebslizenz in Italien nach dem Brückeneinsturz von Genua hat die Aktien des Mautstraßenbetreibers Atlantia am Donnerstag belastet. Sie fielen am Vormittag um bis zu 26 Prozent auf 17,43 Euro. Damit notierten sie so tief wie seit knapp vier Jahren nicht mehr. Der Handel hatte später begonnen, nachdem sich deutliche Verluste abzeichneten.

Autostrada, Betreiber der Brücke in Genua, deren Einsturz bisher 39 Menschen das Leben kostete, gehört zum Großteil zu Atlantia, hinter dem wiederum die Benetton-Familie steht. Italienische Regierungsmitglieder machen den privaten Betreiber der Autobahn für die Katastrophe verantwortlich und wollen ihm die Lizenz entziehen. Wenngleich dem Betreiber im Falle eines Lizenzentzugs eine Ausgleichszahlung zustünde, könnte solch ein Schritt Folgen für die Aktionäre und Anleihebesitzer von Atlantia haben, teilte der Konzern mit.

Die Brücke auf der Autobahn, die Genua mit Südfrankreich verbindet, überspannte einen Fluss, ein Gewerbegebiet und eine Eisenbahn. Bei ihrem Einsturz am Dienstag wurden Dutzende Fahrzeuge in die Tiefe gerissen. Die Ursache der Katastrophe ist noch unklar.

Auch Hochtief und ACS unter Druck

Atlantia dürfte seiner Einschätzung zufolge zwar alle vertraglichen Bedingungen erfüllt haben, doch entstehe durch die Regierungspläne längerfristige Unsicherheit, erklärte Analyst Enrico Bartoli vom Investmenthaus Mainfirst. Er strich seine Empfehlung und stufte die Aktien auf "Neutral" ab. Das Kursziel senkte er von 30,50 auf 23,40 Euro.

Auch Analystin Olivia Peters von der australischen Bank Macquarie reagierte auf die herrschende Ungewissheit mit einer Zielsenkung. Sie reduzierte es von 32 auf 26 Euro und stufte die Aktien ebenfalls von "Outperform" auf "Neutral" ab. Neben dem drohenden Lizenzentzug sowie möglichen - eigentlich versicherten - Kosten im Zusammenhang mit dem Unglück, verwies sie auf Störungen auf der wichtigen Verkehrsroute. Das könnte die Geschäfte belasten.

Im Sog der schlechten Branchenstimmung fielen die Papiere des deutschen Baukonzerns Hochtief Börsen-Chart zeigen am Donnerstag um rund 2,5 Prozent. Für die Anteilsscheine der spanischen Hochtief-Mutter ACS Börsen-Chart zeigen ging es um mehr als 4 Prozent abwärts.

Hochtief steckt gemeinsam mit ACS und Atlantia mitten in der Übernahme des Mautstraßenbetreibers Abertis Börsen-Chart zeigen für insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro. Hochtief hält die Mehrheit. In einem weiteren Schritt soll das lukrative Unternehmen von der Börse genommen und in eine gemeinsame Gesellschaft mit ACS Atlantia eingebracht werden.

In den vergangenen Jahren hatten auch Versicherer und Vermögensverwalter in den Infrastruktursektor investiert. So hatte sich Allianz Global Investors 2017 einen kleineren Anteil an Autostrada gesichert.

mg/dpa-afx

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