Freitag, 18. Januar 2019

Wertvollster Konzern der Welt Was die Bezos-Scheidung für Amazons Aktionäre bedeutet

Künftig getrennt: Jeff und MacKenzie Bezos

Mit der Nachricht von ihrer Trennung haben Amazon-Chef Jeff Bezos und Gattin MacKenzie auch die Aktionäre des Online-Konzerns verunsichert. Das hat Gründe.

Die Trennung eines prominenten Ehepaares - ist das nicht eher etwas für die bunten Blätter? Möglicherweise. Wenn es dabei jedoch um den Gründer, Chef und Großaktionär des weltweit wertvollsten börsennotierten Konzerns geht, der mit einem geschätzten Privatvermögen von rund 137 Milliarden Dollar zudem der reichste Mann der Welt ist, dann interessieren sich auch Wirtschaftsmedien für ein solches Thema.

Am Mittwoch dieser Woche gaben Jeff und MacKenzie Bezos per Twitter bekannt, dass sie künftig getrennte Wege gehen wollen. Das Paar hatte sich 1992 beim Hedgefonds DE Shaw an der Wall Street kennengelernt und 1993 geheiratet. 1994 gründete Jeff Bezos (54) das Online-Versandhaus Amazon, aus dem im Laufe der Jahre der bekannte Weltkonzern wurde. Auch Bezos' Gattin MacKenzie (48), die heute als Schriftstellerin tätig ist, stieg dort als eine der ersten Mitarbeiterinnen mit ein.

25 Jahre später ist Amazon Börsen-Chart zeigen zu einem der führenden Weltkonzerne geworden. Der Aktienkurs stieg und stieg und hat das Ehepaar Bezos steinreich gemacht. Etwa 809 Milliarden Dollar beträgt der Marktwert Amazons gegenwärtig, nachdem er im vergangenen Jahr bereits zeitweise auf mehr als eine Billion Dollar angewachsen war. Rund 16 Prozent der Anteile an dem Online-Riesen befinden sich im Besitz von Gründer Jeff Bezos beziehungsweise werden dem Ehepaar Bezos zugerechnet. Es braucht nicht mehr als einen Taschenrechner, um zu ermitteln: Der weitaus größte Teil des bekannten Privatvermögens der Bezos' beruht auf ihrem Aktienanteil an Amazon.

Kein Wunder also, dass auch die übrigen Aktionäre des Konzerns sowie weitere Börsenakteure die Nachricht von der Scheidung des Firmengründers und seiner Gattin sowie die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen dürften. Eine gewisse Nervosität ist dabei durchaus bereits zu erahnen: Es kann zwar auch andere Gründe haben, auffällig ist jedoch in jedem Fall, dass Amazons Aktienkurs, nachdem er einige Tage gestiegen war, beinahe minutiös seit Bekanntwerden der Trennung am Mittwoch dieser Woche um rund 1 Prozent nachgegeben hat.

Aus Sicht der Aktionäre stellen sich im Zusammenhang mit den Neuigkeiten aus dem Privatleben des Amazon-Chefs gleich eine ganze Reihe von Fragen. Was passiert im Falle der Trennung mit dem Bezos'schen Aktienpaket und letztlich also auch mit dem Aktienkurs, so lautet vermutlich die drängendste. Ändert sich womöglich etwas an der Machtposition von Jeff Bezos im Hause Amazon? Und nicht zuletzt: Wie wirkt sich wohl ein solcher Einschnitt im privaten Bereich auf die Motivation und den Arbeitseinsatz einer Schlüsselfigur aus, wie sie Jeff Bezos für Amazon darstellt?

Noch ist es zweifellos zu früh für abschließende Antworten auf die meisten dieser Fragen. Einige Überlegungen lassen sich aber bereits anstellen. Wie US-Medien betonen, sieht die Rechtslage im US-Staat Washington, in dem die Familie Bezos einen Wohnsitz hat, grundsätzlich vor, dass im Falle einer Scheidung das gesamte Vermögen, das im Laufe der Ehe angehäuft wurde, durch zwei geteilt wird. Da Amazon erst nach der Hochzeit des Ehepaars Bezos gegründet wurde, stünden MacKenzie also womöglich mehr als 60 Milliarden Dollar zu.

Das ist ein Szenario, das Amazon-Aktionäre kaum herbeisehnen dürften: Um diesen Anspruch zu befriedigen, wäre es zweifellos erforderlich, das Aktienpaket der Familie Bezos in irgendeiner Weise anzufassen und umzustrukturieren. Solche Unruhe wird an der Börse nicht gerne gesehen, der Aktienkurs des Papiers könnte also zusätzlich unter Druck geraten.


Lesen Sie auch: Die Bezos-Doktrin - wie Amazon immer neue Branchen erobert


Sollte MacKenzie Bezos tatsächlich auf einen Anspruch in dieser Dimension pochen, so hätte dies zudem zweifellos auch Auswirkungen auf die Machtposition von Jeff Bezos im Unternehmen. Zwar gibt es bei Amazon keine Aufteilung der Aktien in zwei verschiedene Kategorien (mit Stimmrecht und ohne), durch die sich beispielsweise die Gründer Mark Zuckerberg bei Facebook Börsen-Chart zeigen sowie Larry Page und Sergey Brin bei der Google-Mutter Alphabet Börsen-Chart zeigen die Macht sichern. Amazons Aktien haben vielmehr alle das gleiche Stimmrecht. Doch es dürfte für Jeff Bezos durchaus einen Unterschied machen, ob er über 16 Prozent der Stimmen im Konzern verfügt oder im Extremfall lediglich über 8 Prozent.

Spekulation über die Lage im Hause Bezos

In US-Medien wimmelt es bereits von Scheidungsanwälten und anderen "Experten", die sich in Spekulationen über die aktuelle Lage im Hause Bezos ergehen. Das gemeinsam verfasste Statement zur Trennung, so heißt es da beispielsweise, zeige, dass die Partner friedlich auseinander gingen. Die Fragen rund um die Aufteilung des Vermögens seien vermutlich bereits im Vorfeld im besten Interesse aller Beteiligten geklärt - und damit wohl auch im besten Interesse der Aktionäre.

Womöglich gebe es etwa einen Ehevertrag, durch den die 50/50-Regelung des Staates Washington umgangen werden könne. Schließlich, so wird vermutet, sei auch MacKenzie Bezos, die gemeinsam mit Jeff ja immerhin vier Kinder habe, daran interessiert, dass das Familienvermögen nicht durch die Trennung dezimiert werde. Eine Annahme übrigens, die auch durch die Tatsache unterstützt wird, dass das Ehepaar Bezos erst vor wenigen Monaten die gemeinsame Stiftung namens "Day One Fund" gegründet hat.

Und überhaupt, so spekuliert manch ein Beobachter: Bei einem solchen Riesenvermögen im dreistelligen Milliarden-Dollar-Bereich - wer streitet da ernsthaft darüber, ob er eine Milliarde mehr oder weniger erhalte?

Für die Aktionäre Amazons mag das ein Trost sein: Sie können sich von derartigen Überlegungen aktuell womöglich beruhigen lassen. Ob zu recht, wird jedoch erst die Zukunft zeigen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung