Dienstag, 27. Juni 2017

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Kartellvorwurf Aluhersteller verklagen Goldman Sachs

Aluminiumschmelze in Russland: Die Käufer wittern manipulierte Preise

Die Kunden großer Metallhändler ziehen vor Gericht. Aluminiumhersteller werfen der Londoner Metallbörse und Goldman Sachs vor, mit ihren Lagergeschäften die Preise nach oben zu verzerren.

Hongkong - Die Londoner Metallbörse LME und Goldman Sachs werden vor einem US-Gericht wegen wettbewerbsfeindlichen Verhaltens im Aluminiummarkt verklagt.

Die Metallbörse werde gegen die ihrer Ansicht nach unbegründete Sammelklage vorgehen, teilte der LME-Mutterkonzern Hong Kong Exchanges and Clearing am späten Sonntagabend mit. Auch Goldman Sachs erklärte am Montag, sich vor Gericht wehren zu wollen.

Wall-Street-Banken wie Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen stehen zunehmend wegen ihrer Beteiligung an Firmen, die Rohstoffe wie Öl oder Aluminium lagern und transportieren, unter Beobachtung.

Die Klageschrift wirft LME und Goldman Sachs "wettbewerbsfeindliches und monopolistisches Verhalten im Lagermarkt in Zusammenhang mit den Aluminiumpreisen" vor. Sie wurde am 1. August am Bezirksgericht von Ost-Michigan von Superior Extrusion Inc., einem Hersteller von Aluminumrohren und -trägern, eingereicht. Goldman Sachs habe die Auslieferung des Aluminiums aus den bankeigenen Lagerhäusern in Detroit verzögert, um höhere Lagermieten kassieren zu können. Die LME als die marktbeherrschende Metallbörse habe dieses Vorgehen gedeckt. Andere, namentlich nicht genannte Lagerhausbetreiber seien ähnlich vorgegangen.

Großbanken in der Defensive

Die Aluminiumkäufer beklagen steigende Metallpreise, die aus langen Wartezeiten in Rohstofflagern hervorgingen. Goldman Sachs reagierte in der vergangenen Woche auf diese Sorgen und kündigte an, ihre von der LME regulierte Metallhandelstochter Metro International Trade Services werde Maßnahmen ergreifen, um mehr Aluminium sofort verfügbar zu halten. Die Bank verwies darauf, dass "der Lieferpreis für Aluminium fast 40 Prozent unter den Spitzenwerten von 2006 liegt".

Ebenfalls in der vergangenen Woche erklärte der Wettbewerber JPMorgan Chase Börsen-Chart zeigen, mögliche neue Aufsichtsregeln seien ein Grund für die Entscheidung, den Verkauf von Beteiligungen im Geschäft mit Rohstoffen wie Metallen und Energie zu prüfen. Die Bank hat sich in einem Vergleich mit US-Behörden auf die Zahlung von 410 Millionen Dollar geeinigt, um ein Verfahren wegen der Manipulation von Strompreisen zu beenden.

Im Juli beriet ein Ausschuss des US-Senats, ob Banken der Zugriff auf Kraftwerke, Rohstofflager und Ölraffinerien erlaubt sein dürfe. Der Risikomanager der zweitgrößten US-Brauerei MillerCoors beschwerte sich über das Geschäftsgebaren der Banken und der LME. Timothy Weiner schätzte die Zusatzkosten für die Kunden allein im vergangenen Jahr auf drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro). "Das aktuelle System funktioniert nicht."

Es sei kaum mehr möglich, Alu direkt von den Herstellern zu beziehen, erläuterte Weiner. Das Metall gehe direkt in die Lagerhäuser. Die US-Großbanken hätten mit Hilfe der LME "einen Flaschenhals geschaffen, der den Nachschub an Aluminium einschränkt". MillerCoors und andere Kunden hätten bis zu anderthalb Jahre auf eine bestellte Lieferung warten müssen.

Der Hongkonger Börsenbetreiber hatte im vergangenen Jahr die LME gekauft, die mehr als 700 Metalllagerstätten in den USA, Europa und Asien lizenziert und überwacht.

ak/ap/dpa-afx

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