Mittwoch, 31. August 2016

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Einsatz der Cash-Reserven Wie Dax-Konzerne Wachstum kaufen

Volle Kassen: Die Cash-Könige im Dax
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picture-alliance/ dpa

Die Konjunkturaussichten trüben sich ein. Von Panik an der Börse ist dennoch nichts zu spüren: Dax-Konzerne haben volle Kriegskassen, die sie in einer Schwächephase für Übernahmen nutzen wollen. Wachstum lässt sich auch kaufen.

Hamburg - Grauer Himmel, kühle Böen, kürzere Tage - der Sommer 2014 ist vorbei. Auch konjunkturell werden die Zeiten rauher. Die Wirtschaft schwächelt, in Deutschland und darüber hinaus. Die kommenden Monate versprechen kaum Besserung.

Der Konjunkturmotor laufe nicht mehr rund, sagt auch Hans-Werner Sinn, Chef des Forschungsinstituts Ifo. Der vom Ifo gemessene Geschäftsklimaindex ist stark gefallen - ebenso wie die vom GfK gemessene Konsumneigung der Deutschen. Es ist ein frostiges Klima bei Unternehmern wie bei Konsumenten: Vom Auslandsgeschäft werden derzeit kaum noch Zuwächse erwartet.

Was also tun? Einen Trumpf halten viele Konzernlenker noch in der Hand: Sie verfügen über große Cash-Reserven. Und sie sind bereit, dieses Geld jetzt einzusetzen, um unbeschadet durch die Flaute zu kommen. Wachstum durch Investition, lautet die Zauberformel.

Wie die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) analysierte, verbuchen allein die Konzerne aus dem Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen - abzüglich Banken und Versicherungen - pro Quartal einen operativen Cash-Flow von rund 27 Milliarden Euro. Davon bleibt nach Abzug von Kosten und Ausgaben einiges in den Kassen der Firmen zurück: Die gesamten Liquiditätsreserven der deutschen Topunternehmen beziffert EY auf knapp 77 Milliarden Euro.

Prall gefüllte Konzernkassen - Wachstum durch Übernahmen möglich

Im Klartext heißt das: Die Kassen vieler Konzerne sind prall gefüllt. Oder, wie es Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe zurückhaltend formulierte: Die Unternehmen haben keine Liquiditätsprobleme.

Allein 17 Firmen aus dem Dax Börsen-Chart zeigen listet die EY-Analyse auf, die jeweils mehr als eine Milliarde Euro auf der hohen Kante haben. Spitzenreiter ist demnach Volkswagen Börsen-Chart zeigen mit fast 16 Milliarden Euro, gefolgt von Daimler Börsen-Chart zeigen (9,4 Milliarden) und Siemens Börsen-Chart zeigen (8,2 Milliarden).

Wofür die Konzernchefs diese Gelder verwenden wollen, zeigte jüngst eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte. Befragt wurden Manager von 271 Unternehmen in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA), darunter also auch viele Führungskräfte hiesiger Konzerne.

Über die Hälfte von ihnen definierte Wachstum als oberste Priorität. Und als Mittel, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll, nannten sechs von zehn Managern die Investition von Cash-Reserven.

Topmanager wollen investieren - fast eine Billion Cash in Europa

Auch die Dimension, um die es dabei geht, hat Deloitte ermittelt. "Die Cash-Reserven der börsennotierten europäischen Unternehmen liegen mittlerweile bei fast einer Billion Euro", sagt Research-Chef Alexander Börsch. "Ob und wie Unternehmen diese Reserven für Wachstum einsetzen, wird ein entscheidender Faktor für ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit und die europäische Konjunktur."

Kurzum: Viele Konzerne dürften einigermaßen gewappnet sein gegen die schwierigen Zeiten, die vermutlich auf sie zukommen. Das erklärt zum Teil vielleicht auch die relative Stabilität an der Börse: Der Leitindex Dax liegt auf Monatssicht im September immer noch im Plus, obwohl die politischen in Irak, Syrien und der Ukraine weiter ungelöst sind und in den vergangenen Tagen auch die Nervosität an der Wall Street zugenommen hat: Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen, der in der vergangenen Woche noch einen neuen Rekord markierte, hat in dieser Woche ebenso wie der S&P 500 und der Nasdaq 100 Börsen-Chart zeigen deutlich nachgegeben.

Anleger vertrauen offenbar weiterhin auf den großzügigen Einsatz umfangreicher Mengen an Liquidität. Allerdings sind es weniger die Geldreserven der Unternehmen, die für Zuversicht sorgen, sondern das, was EZB-Präsident Mario Draghi einmal scherzhaft und in Anspielung an ein Geschütz aus dem ersten Weltkrieg die "Dicke Berta" nannte: Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank beflügelt nach wie vor die Aktienkurse.

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