Freitag, 22. Februar 2019

Börsenprofi Carsten Klude erklärt Darum geht es den Weltbörsen besser als es scheint

Börsianer in Japan

2. Teil: "Game of chicken" statt Handelskrieg

Die Kursentwicklung der Facebook-Aktie strahlte nicht nur auf andere Technologieaktien aus, sondern sorgte auch wegen des großen Gewichtes dieser Aktie in den Indizes für empfindliche Verluste. Wenige Tage später nahm sich dann US-Präsident Trump Amazon vor. Er warf dem Unternehmen vor, die US-Post als billigen Lieferjungen zu missbrauchen und für die hohen Defizite des Unternehmens verantwortlich zu sein. Zudem bezahle Amazon keine oder zu wenige Steuern und sorge mit seinen Methoden für ein Aussterben der traditionellen Einzelhändler. Auch wenn die Anschuldigungen inhaltlich kaum nachvollziehbar sind, hat der Aktienkurs von Amazon kräftig gelitten und sich ähnlich wie bei Facebook negativ auf den Gesamtmarkt ausgewirkt.

Schließlich kam es für die Börsen noch dicker, und wieder war Donald Trump der Auslöser. Nachdem er Anfang März Strafzölle auf Stahl und Aluminium ankündigte, schoss er sich zuletzt auf China ein. In dieser Woche wurden weitere Zölle in Höhe von 25 Prozent auf rund 1300 verschiedene chinesische Produkte mit einem Gesamtwert von 50 Milliarden US-Dollar angekündigt.

Die Reaktion Chinas ließ nicht lange auf sich warten, und es wurden Gegenmaßnahmen im selben Umfang angekündigt. Allerdings treten die Strafzölle weder in den USA noch in China sofort in Kraft. In den USA haben dort ansässige Unternehmen bis zum 22. Mai die Möglichkeit, den Maßnahmen zu widersprechen, wobei fraglich ist, ob sich Trump davon beeindrucken ließe. Danach hat die US-Administration 180 Tage Zeit, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Bedeutet dies nun, dass ein Handelskrieg unumgänglich ist? Wir glauben das nicht. Uns erinnert die Vorgehensweise des US-Präsidenten und sein Verhalten gegenüber China an das, was wir im vergangenen Sommer im Umgang mit Nordkorea erlebt haben. Schon damals hat Trump mittels Drohungen und Einschüchterungen versucht, seine politischen Ziele durchzusetzen. Auch gegenüber China setzt Trump auf das aus der Spieltheorie bekannte "game of chicken".

Diesem als Angsthasenspiel bekannten Phänomen liegt das Szenario einer Mutprobe zugrunde: Zwei Sportwagen fahren mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Wer ausweicht, beweist damit seine Angst und hat das Spiel verloren. Weicht keiner aus, haben beide Spieler zwar die Mutprobe bestanden, ziehen jedoch daraus keinen persönlichen Nutzen, weil sie durch den Zusammenprall ihr Leben verlieren.

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