Montag, 26. Juni 2017

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Anlageprofi Robert Halver erklärt So kann Macron Frankreichs Aktienmarkt beflügeln

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron: Exorbitante Reformerwartungen

Robert Halver
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    Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG und bekannt durch regelmäßige Medienauftritte und als Kolumnist. Mit Wertpapieranalyse beschäftigt er sich seit über 20 Jahren.

Mit einer erdrückenden Parlamentsmehrheit kann der neue französische Staatspräsident Emmanuel Macron mühelos durchregieren. Er kann die jahrzehntelang entstandene französische Industriewüste wieder fruchtbar machen. Dabei könnte sich Paris an den Agenda-Reformen Deutschlands ein Beispiel nehmen. Dann stünde der seit 2010 weit hinter dem Dax herhinkende französische Aktienindex CAC 40 vor einer gewaltigen Aufholjagd.

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Nutzt Macron also seine fast an König Ludwig XIV. erinnernde Machtposition für eine Revolution der französischen Wirtschaftspolitik? Wird er die an ihn gerichteten, exorbitant hohen Reformerwartungen erfüllen?

Mit ein bisschen Reform-Kosmetik ist Frankreich nicht geholfen

Macron muss seinen Franzosen die Dringlichkeit der Modernisierung des Industriestandorts vermitteln, um in einer wettbewerbsstarken Weltwirtschaft den Massenexodus von Unternehmen aus Frankreich und damit die Deflation an Arbeitsplätzen umzukehren. Aufgrund der langjährigen Problemverdrängung darf Macrons große nationale Reformoffensive nicht nur ein bisschen Reform-Make-Up sein.

Es geht um Operationen am offenen Herzen und Gehirn. Allerdings lieben die Franzosen ihre Errungenschaften wie die 35-Stundenwoche oder den Rentenbeginn mit 62. Sie scheinen fast den Status von Menschenrechten zu haben. Wenn schon die deutschen Hartz IV-Reformen zu massiven sozialen Auseinandersetzungen geführt haben, droht in Frankreich bei schmerzhafter Abschaffung der Sozialromantik mindestens der Sturm auf die Bastille. Nicht zuletzt signalisiert die historisch schwächste Wahlbeteiligung bei einer französischen Parlamentswahl die stillschweigende Ablehnung einer drohenden "neoliberalen" Reformpolitik Macrons.

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