Mittwoch, 27. Juli 2016

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Warnsignale an der Börse Dax steigt, doch Dax-Gewinne brechen ein

Gewinn-Champion: Daimler-Chef Dieter Zetsche konnte im dritten Quartal von allen Dax-Chefs den höchsten Gewinn verkünden. Doch während es bei Mercedes rund läuft, reißen VW, Eon und Deutsche Bank ein tiefes Loch in die Dax-30-Bilanz

Der Dax ist deutlich gestiegen, Anleger erwarten noch mehr Kurs-Doping durch EZB-Chef Draghi. Zugleich sind aber die Gewinne der Dax-Konzerne eingebrochen - Anleger sollten gewarnt sein.

Einer der wichtigsten Faktoren, der die Börsenkurse beeinflusst, ist die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Wer sich dies vor Augen führt, könnte dürfte Mühe haben, die Kursgewinne der vergangenen Wochen im Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen zu verstehen - jedenfalls, wenn er zugleich die Auswertung der Unternehmensgewinne aus dem dritten Quartal anschaut.

Nach seinem Einbruch im August hat der Dax in den vergangenen Wochen um etwa 20 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn liegt der Index nun wieder mit rund 15 Prozent im Plus. Vor allem die Erwartung, dass EZB-Chef Mario Draghi in der kommenden Woche weitere Geldspritzen setzt, hat den Dax wieder über die Marke von 11.000 Punkten getrieben.

Gleichzeitig liegen jedoch inzwischen alle Geschäftsergebnisse der 30 Dax-Konzerne aus dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres vor. Und die - so scheint es zumindest auf den ersten Blick - rechtfertigen die Kursgewinne nicht.

Gewinneinbruch um 69 Prozent - vor allem wegen VW, Eon und DB

Wie die Unternehmensberatung Ernst und Young (EY) ermittelt hat, sind die Gewinne der Dax-30-Konzerne im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr insgesamt um nicht weniger als 69 Prozent eingebrochen. Erzielten die 30 im deutschen Leitindex gelisteten Unternehmen zusammen im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von 27,2 Milliarden Euro, so waren es 2015 nur noch 8,5 Milliarden, so EY.

Sollten die Börsianer in ihrer Euphorie also die Kleinigkeit eines massiven Gewinneinbruchs übersehen haben? Ganz so schlimm ist es dann doch nicht.

Überblick: Die Dax-Konzerne im dritten Quartal

Die Gewinne der Dax-Konzerne brachen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 70 Prozent ein. Grund war ...

... unter anderem der Milliardenverlust von Volkswagen aufgrund von Abschreibungen wegen des Abgasskandals.

Auch die Deutsche Bank trug einen großen Teil zur schlechten Gewinnbilanz der Dax-Konzerne bei. Bankchef John Cryan räumt auf und will einen Neuanfang. Das führte im dritten Quartal zu einem Minus von mehr als sechs Milliarden Euro.

Eon macht vor der Aufspaltung mit Abschreibungen ebenfalls reinen Tisch. Die Folge: Ein Quartalsverlust von mehr als sieben Milliarden Euro.

Alle anderen Dax-Konzerne machten im dritten Quartal Gewinn. Allen voran: Daimler, dessen Chef Dieter Zetsche (Bildmitte) einen Gewinn von 3,7 Milliarden Euro verkünden konnte.

Den stärksten Gewinnanstieg verbuchte SAP mit plus 91 Prozent vor ...

... Vonovia mit plus 87 Prozent. Beim Wohnungsvermieter spielten allerdings Zukäufe eine wichtige Rolle.

Den drittstärksten Gewinnzuwachs verzeichnete Halbleiterhersteller Infineon mit 72 Prozent.

Ihre Umsätze steigerten die Dax-Konzerne im dritten Quartal um 6 Prozent auf die Rekordhöhe von 326 Milliarden Euro. Spitzenreiter ist mit Abstand Volkswagen mit 51,5 Milliarden Euro Umsatz.

Den stärksten Umsatzzuwachs schafften Vonovia (plus 83 Prozent), Infineon (plus 36 Prozent) sowie Fresenius Medical Care mit 24 Prozent.

Tatsächlich verzeichneten im dritten Quartal zwar elf von 30 Dax-Unternehmen einen Gewinnrückgang. Das gewaltige Minus beruht jedoch im Wesentlichen auf den Einbußen von drei Konzernen, nämlich der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, des Versorgers Eon Börsen-Chart zeigen sowie des Skandal-gebeutelten Autobauers Volkswagen Börsen-Chart zeigen.

Jeder dieser drei Konzerne hatte im dritten Quartal einen außergewöhnlichen Milliardenverlust zu verbuchen - doch weder bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, noch bei Eon oder Volkswagen Börsen-Chart zeigen basierte dies auf Schwierigkeiten im operativen Geschäft. Vielmehr waren jeweils unterschiedliche Sondereinflüsse ausschlaggebend:

  • Volkswagen musste beinahe sieben Milliarden Euro für Risiken zurückstellen, die dem Konzern aus dem Skandal um manipulierte Abgaswerte an Millionen Fahrzeugen erwachsen. Die Folge: Der Quartalsverlust von 3,5 Milliarden Euro ist der erste des Konzerns seit mindestens 15 Jahren.
  • Der neue Deutsche Bank-Chef John Cryan räumt sein Institut gründlich auf und bereitet die Basis für einen Neuanfang. Abschreibungen, Rückstellungen für Rechtsrisiken und ähnliches summieren sich zu einem Quartalsverlust von 6,1 Milliarden Euro.
  • Auch Eon räumt vor der geplanten Aufspaltung in New-Energy- und traditionelles Geschäft die Bilanz auf. Milliardenabschreibungen führen zu einem Quartalsverlust von 7,4 Milliarden Euro.

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