Dienstag, 31. Mai 2016

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Aktienkauf Warum Privatleute an der Börse oft den Kürzeren ziehen

Fünf Gründe: Deshalb haben Privatleute an der Börse das Nachsehen
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AP

Hochfrequenzhandel, Insidergeschäfte und Marktmanipulation schmälern die Gewinnchancen von Privatanlegern an der Börse. Doch auch ohne solche Tricks sind Investmentprofis den Privatleuten im Aktiengeschäft weit überlegen.

Hamburg - Kaum etwas wird unter Börsianern derzeit so heiß diskutiert, wie der Hochfrequenzhandel. Mit superschnellen Computern verschaffen sich auf das Speedtrading spezialisierte Investmentfirmen entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlich agierenden Anlegern - und verdienen auf diese Weise viel Geld.

Seit der Wall-Street-Kritiker und Bestsellerautor Michael Lewis sein neues Buch "Flash Boys" auf den Markt gebracht hat, haben die Investmentsprofis in New York und anderswo kaum ein anderes Thema. Auch die Medien sind voll davon. Ein Streitgespräch im US-Fernsehen zwischen Lewis und seinem Kronzeugen Brad Katsuyama auf der einen Seite und einem Börsenbetreiber auf der anderen brachte vor wenigen Tagen den Handel an der Wall Street beinahe zum Erliegen, so gebannt verfolgten die Börsianer die Debatte.

Selbst die US-Bundespolizei FBI hat sich der Sache bereits angenommen. Wie diese Woche bekannt wurde, ermitteln die Beamten gegen Hochfrequenztrader wegen möglichen Insiderhandels.

Die Kernthese, die Kritiker wie Lewis und Katsuyama gebetsmühlenartig wiederholen, ist ebenso einfach wie einleuchtend: Durch die schnellen Computer haben die Speed-Profis stets einen Vorsprung gegenüber gewöhnlichen Investoren. Und der ist bares Geld wert. Zudem bestehe die Möglichkeit, durch das blitzschnelle Platzieren und wieder Stornieren zahlreicher Orders den Markt in eine gewünschte Richtung zu beeinflussen.

4000 seriöse Orders in einer Sekunde?

Katsuyama, ehemaliger Wall-Street-Händler und heutige Chef einer alternativen Handelsplattform, behauptet daher in Lewis' Buch, der Markt werde manipuliert. Die Leidtragenden, so Katsuyama, seien zum Beispiel die vielen Millionen Privatanleger, die an der Börse ebenfalls ihr Glück versuchen.

Dazu muss man wissen: Das Problem ist nicht neu, die Kritik am Hochfrequenzhandel gibt es ebenso wie das Phänomen selbst seit vielen Jahren. Mehr als 60 Prozent des Aktienhandels macht das Speedtrading in den USA inzwischen aus. In Europa sind es beinahe 50 Prozent. Nur noch 0,00025 Sekunden dauert eine einzige Transaktion mit der modernen Turbo-Technik, berichtet das "Handelsblatt".

Die Hochgeschwindigkeitshändler können also bis zu 4000 Orders pro Sekunde platzieren. Selbst der eingefleischteste unter ihnen dürfte kaum behaupten wollen, dass es sich dabei um 4000 wohlüberlegte, seriöse Anlageentscheidungen handelt.

Einerseits. Andererseits gerät aber etwas anderes bei der Diskussion leicht aus dem Blickfeld: Privatanleger, die glauben, es bräuchte verrückte Exzesse wie den Hochfrequenzhandel oder kriminelle Machenschaften à la Insiderhandel, um ihre Chancen an der Börse zu schmälern, unterliegen einer Illusion. Tatsache ist vielmehr, dass der durchschnittliche private Investor den Profis in Banken und Investmentfirmen ohnehin per se unterlegen ist, ganz egal, welcher Technik sich die Gegenseite bedient.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

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