Dienstag, 30. August 2016

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Börsenkolumne Warum man auch teure Aktien kaufen darf

Die Börsen klettern immer weiter nach oben: Wie lange geht das noch gut?

Dax und Dow klettern immer höher - wie lange geht das noch gut? Doch statt steigenden Kursen nur hinterherzuschauen, können Anleger auch den Kauf von "teuren" Aktien riskieren - wenn sie einige Regeln beachten.

Die Börsen kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Der Dax Börsen-Chart zeigen hat am Freitag die Marke von 11.600 Zählern geknackt, die US-Technologiebörse Nasdaq Börsen-Chart zeigen bringt es auf über 5000 Punkte - und immer mehr Anleger fragen sich, wie lange diese Dauerparty an der Börse noch weitergehen kann.

An der Spitze ist es windig, pflegen Börsianer zu sagen. Heißt: Mit den steigenden Kursen steigen zwangsläufig auch die Risiken, beim nächsten Rücksetzer Geld zu verlieren. Trotzdem sind Aktien vermutlich die einzige Chance für Anleger, derzeit noch Geld an den Finanzmärkten zu verdienen. 5 Gründe sprechen dafür, den Kursen nicht nur hinterherzuschauen und zumindest einen Teil seines Geldes an der Börse zu investieren.

Da ist zunächst die Stimmung unter den Investoren, die eher skeptisch denn euphorisch ist. Die Sorgen um Griechenland und die Ukraine, die Vermutung, dass die US-Notenbank Fed angesichts sehr robuster US-Jobdaten wahrscheinlich schon im Juni die Zinsen anheben wird - all das sorgt für eine gesunde Skepsis und verhindert eine blinde Euphorie. An einer solchen "Wall of Worries" klettert ein Index am liebsten nach oben - denn es herrscht noch keine Hurra-Hausse, bei der alle schon investiert sind. "Die Einschätzungen zum globalen Wachstumsausblick sind unserer Meinung nach von übermäßigem Pessimismus geprägt", sagt zum Beispiel Michael Hasenstab, Anlagevordenker und CIO der Fondsgesellschaft Templeton Global Macro Group. Entsprechend steht noch viel Geld an der Seitenlinie bereit. Bereit, investiert zu werden.

Billig sind Aktien zwar nicht mehr - immerhin kraxeln die Börsen bereits seit Jahren bergan. Doch stehen Geldanlagen nie allein da, sie sind immer im Vergleich zu den Alternativen zu sehen. Und da sieht es für Aktien noch recht gut aus. Klaus Kaldemorgen von der DWS hat vorgerechnet, dass das Kursgewinnverhältnis (KGV) 30jähriger Bundesanleihen bei 95 liegt und deren Rendite bei 1,05 Prozent. Die Aktie von Nestlé Börsen-Chart zeigen dagegen zeige ein KGV von 20 - und die Dividendenrendite liege bei 2,9 Prozent. Schlussfolgerung Kaldemorgen: Eine Erhöhung der Aktienquote sei in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase die einzige Möglichkeit, Vermögen aufzubauen. Aktien gelten mit Blick auf Chance und Risiko im Vergleich zu Anleihen immer noch als bessere Alternative - trotz der zuletzt stark gestiegenen Bewertungen am Aktienmarkt.

Aber auch Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, tut das seine für die Aktien. Genauer, für die Realwirtschaft Europas. Das hat er bereits im Sommer 2012 demonstriert, als er erklärte, die EZB werde werde alles unternehmen, um den Euro zu retten. Nun greift er zu seinem "mächtigsten Instrument", wie Sal. Oppenheim es in einem Bericht nennt. Die EZB wird ab Montag jeden Monat Wertpapiere im Wert von 60 Milliarden Euro kaufen - bis die Inflation sich wieder dem Zielwert von 2 Prozent annähert. Damit macht Draghi deutlich, dass er die Gefahr einer schädlichen Deflation sehr ernst nimmt. Die Börse ist begeistert - schließlich sorgt Draghi damit nicht nur weiter für billiges Geld en masse, sondern er weicht auch die Gemeinschaftswährung Euro gegenüber dem Dollar auf - und das wiederum nützt börsennotierten Export-Unternehmen, wie sie im Dax Börsen-Chart zeigen zahlreich vertreten sind.

Aktien sind die neuen Anleihen, hieß es bei manager magazin vor einigen Wochen. Denn jährliche Dividendenzahlungen sorgen dafür, dass Anleger Kurschwankungen von Aktien entspannter zusehen können - weil die Dividende wie ein Puffer wirkt. Adidas Börsen-Chart zeigen zum Beispiel enttäuschte diese Woche in Sachen Gewinn, doch zeigte sich bei der Dividende großzügig. Weltweit wurden 2014 Dividenden im Wert von rund 1,17 Billionen Dollar gezahlt, rechnet das Finanzhaus Henderson Global Investors vor - ein Plus im Vergleich zum Vorjahr um 10,5 Prozent. Auf fünf Jahre gerechnet liegt das Plus bei fast 60 Prozent. Längst freut sich nicht nur Amerika über den Dividendenregen in der Zinsdürre, auch in Europa liegt das Jahresplus bei 12,3 Prozent. Und 2015 geht es so weiter - Henderson Börsen-Chart zeigen erwartet Dividendenzahlungen in Höhe von 1,18 Billionen Dollar.

All das macht Lust auf Aktien - trotz der gestiegenen Bewertungen. Anleger sollten ihre Investments im Blick behalten, aber nicht bereits bei jedem kleinen Rücksetzer zurückzucken. Es ist halt windig an der Spitze.

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