Sonntag, 25. September 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Volkswagen auf Sparkurs Winterfest mit Winterkorn

Auf dem Weg in schwierigere Zeiten: VW-Boss Winterkorn
Getty Images
Auf dem Weg in schwierigere Zeiten: VW-Boss Winterkorn

Der deutschen Wirtschaft droht eine Abkühlung. Bei Volkswagen kommen ohnehin schwelende Renditeprobleme hinzu. Mit hartem Sparkurs will Konzernchef Winterkorn beide Probleme lösen.

Hamburg - Die Börse stottert seit Monaten, die Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt. Viele Konzernlenker bereiten sich bereits auf schlechtere Zeiten vor. Sprich: Um ihre Firmen winterfest zu machen, versuchen die Manager, die Kosten zu senken.

Auch Volkswagen Börsen-Chart zeigen bekommt die Abkühlung bereits zu spüren. Das lässt sich an den monatlichen Absatzzahlen ablesen, die das Unternehmen in dieser Woche veröffentlicht hat. Zwar legten die Gesamtverkäufe gegenüber 2013 weiter zu. Mit 2,7 Prozent war die Zuwachsrate im August gegenüber dem Vorjahresmonat aber nur halb so hoch wie im bisherigen Gesamtjahr. Insgesamt steigerte VW den Absatz in den ersten acht Monaten 2014 um 5,6 Prozent auf 6,5 Millionen Einheiten.

Probleme bereitet den Wolfsburgern neben Beeinträchtigungen in Russland vor allem das Geschäft in Südamerika. Allein in Brasilien brachen die Verkäufe seit Januar um 18 Prozent ein.

Der Motor des VW-Vertriebs befindet sich derzeit zwar noch in Fernost. In China legten die Verkäufe allein in diesem Jahr bislang um 17 Prozent zu. Aber auch dort dürfte das Wachstum kaum dauerhaft auf dem Niveau weitergehen, meint Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB. Das jährliche Plus in China werde früher oder später in den einstelligen Bereich sinken, sagt er.

VW muss seine Umsatzrendite steigern

Volkswagen werde bereits jetzt "in Asien spürbar härter gefordert", sagt Walter Sommer vom Vermögensverwalter Grossbötzl, Schmitz & Partner. "War es für asiatische Manager lange ein Erfolgsausweis, einen Phaeton zu fahren, gibt es jetzt mehr Konkurrenz", sagt er. Druck käme auch durch kartellrechtliche Vorwürfe der chinesischen Aufsichtsbehörden.

Erschwerend kommt für VW hinzu: Die 2007 zum Amtsantritt von Vorstandschef Martin Winterkorn ausgegebenen Renditeziele werden bislang nicht annähernd erreicht. Winterkorn verlangt für den Konzern eine Umsatzrendite von 8 Prozent. So lautete eine seiner Vorgaben in der "Strategie 2018".

Gekommen ist es bislang anders: Gerade mal 2 Prozent Rendite blieben auf bei der Marke VW im ersten Halbjahr 2014. Und zwar vor allem aus einem Grund: Volkswagen baut anspruchsvolle Technik in Fahrzeuge, die auf dem Massenmarkt für Massenpreise abgesetzt werden. Vergleichsweise hohe Kosten können also nicht ausreichend durch entsprechende Preise kompensiert werden.

All diesen Widrigkeiten muss sich Volkswagen stellen, sagt Investmentprofi Sommer. Und das tut das Unternehmen: Das Sparprogramm Future Tracks wurde bereits ausgetüftelt. Bis 2018 soll der Dreh an der Kostenschraube pro Jahr 5,5 bis sechs Milliarden Euro Ersparnis bringen.

Modularer Querbaukasten (MQB) soll zum Sparerfolg beitragen

800 Millionen Euro will Winterkorn allein im Einkauf sparen, 500 Millionen in den Teilewerken. Dazu je eine Milliarde in Vertrieb, Entwicklung und Produktion. Einen wichtigen Beitrag zum Sparerfolg erhofft sich der Konzern außerdem vom neuen Modularen Querbaukasten (MQB), mit dem die Fertigung weiter standardisiert wird. Bislang allerdings bleibt der MQB in Sachen Kostensenkung noch hinter den Erwartungen zurück.

Dennoch: Analyst Schwope sieht Volkswagen mit den geplanten Einsparungen auf dem richtigen Weg. Die Konkurrenz in Südeuropa sei ohnehin abgehängt, sagt er. Jetzt gelte es vor allem, die asiatischen Hersteller wie Toyota Börsen-Chart zeigen und Hyundai in Schach zu halten.

"Einsparungen von fünf bis sechs Milliarden Euro bis 2018 sind ein ambitioniertes Ziel", sagt Schwope. "Doch bei der Größe des Konzerns ist das Schritt für Schritt machbar." Der Experte erwartet insbesondere Maßnahmen bei Investitionen und in der Modelpolitik. "Am Ende werden die Kostenkürzungen den Konzern voranbringen", sagt Schwope - und empfiehlt die VW-Aktie weiter zum Kauf.

Fluch der Größe: Wie Piech und Winterkorn bei Volkswagen umsteuern

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH