Montag, 20. November 2017

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Dax knackt 11.000-Punkte-Marke Die unbekannten Geldmacher

Schlechte Perspektive: Viele Anleger schauen dem Börsengeschehen nur von Ferne zu - und verpassen Renditechanchen

Der Dax klettert erstmals über 11.000 Punkte - und die Zahl der Aktionäre in Deutschland sinkt weiter. Viele verzichten auf Renditechancen des Aktienmarktes. Das liegt auch an den Konzernen selbst - die keinen Draht zum Privatanleger aufbauen.

Hamburg - Entspannung in der Ukraine-Frage, Gelassenheit beim Thema Griechenland, und im Hintergrund eine Europäische Zentralbank, die mit massenhaft billigem Geld alle Sorgen hinwegspült: Der Aktienmarkt stürmt seit Monaten aufwärts. Am heutigen Freitag sprang der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen erstmals über die Marke von 11.000 Punkten - seit Jahresbeginn hat der Index rund 17 Prozent an Wert hinzugewonnen.

Die deutschen Privatanleger betrachten diese fulminante Kursrally allerdings zum Großteil aus der Ferne. Sie pflegen eine mittlerweile schon traditionelle Abneigung gegen den Aktienkauf, sei es direkt oder auf dem Umweg über Fonds. Die möglichen Renditen, die diese Anlageklasse bringen kann, lassen sich die hiesigen Sparer durch die Lappen gehen - obwohl angesichts niedriger Zinsen auch das Sparbuch nichts mehr abwirft.

Zwei Veröffentlichungen machten das in dieser Woche wieder deutlich. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist die Zahl der Privatleute, die Aktien oder Anteile an Aktienfonds besitzen, in Deutschland im vergangenen Jahr einmal mehr zurückgegangen. Seit dem bisherigen Rekordjahr 2001 haben sich damit laut DAI insgesamt 4,4 Millionen Menschen hierzulande vom Aktienmarkt verabschiedet. Auch in den vergangenen beiden Jahren sank die Zahl der privaten Aktionäre, obwohl der Dax Börsen-Chart zeigen in der Zeit um beinahe 30 Prozent zulegte.

Abflüsse aus Aktienfonds

Und zweitens: Der Fondsverband BVI legte am Dienstag zwar eine Rekordbilanz vor. Gegenüber 2004 hat sich der Bestand der Fonds auf 2,4 Billionen Euro mehr als verdoppelt. Reine Aktienfonds verbuchten zuletzt allerdings ein Minus von etwa zehn Milliarden Euro.

Der größte Teil frischer Gelder fließt der Branche über Spezialfonds zu. Das heißt: Viel von dem Geld mag zwar von Privatleuten stammen - diese wissen aber vielfach kaum etwas davon. Denn sie vertrauen ihre Ersparnisse beispielsweise einer Versicherung an, die sie dann über einen Spezialfonds am Aktienmarkt investiert.

Der Dax-Chef, das unbekannte Wesen

Gründe für die Aktienabstinenz der Deutschen gibt es viele. Offenbar besteht hierzulande eine grundlegende Risikoaversion - und die Einschätzung, der Aktienmarkt bringe mehr Risiken mit sich als viele andere Investments. Schlechte Erfahrungen, die viele Anleger zur Jahrtausendwende mit der Dot-Com-Blase gemacht haben, spielen sicher ebenfalls eine Rolle.

Ein weiterer möglicher Grund rückte ebenfalls in dieser Woche ins Bewusstsein: Einer Umfrage der Wirtschaftsforschungsgesellschaft Dr. Doeblin zufolge sind den Deutschen die Topmanager der deutschen Wirtschaft praktisch unbekannt.

Fast die Hälfte der Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren vermag keinen einzigen Dax-Chef zu benennen, ergab die Befragung. Vor allem unter den Frauen kennen demnach viele keinen einzigen Dax-CEO auch nur "dem Namen nach".

Das ist scheinbar eine banale Erkenntnis: Die Dax-Konzerne sind riesig. Sie beschäftigen tausende Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass Unternehmen wachsen und Gewinne machen, jedenfalls meistens. Das ist es doch, was Aktionäre interessiert - wozu sollen sie wissen, wer die Entscheidungen trifft?

Personalisierung der Kommunikation wird unterschätzt

Wer so denkt, unterschätzt jedoch die Bedeutung der Personalisierung in der Kommunikation. Was nützt die schönste Botschaft, seien es starke Geschäftsergebnisse, tolle Wachstumsaussichten oder innovative Produkte, wenn dazu der Mensch fehlt, der persönlich das Vertrauen der Kunden und letztlich auch der Anleger gewinnt?

International gibt es durchaus Wirtschaftsführer, die ihr Unternehmen auch durch persönliches Charisma nach vorne gebracht haben - sei es der verstorbene Steve Jobs von Apple Börsen-Chart zeigen, sei es ein Mark Zuckerberg von Facebook Börsen-Chart zeigen oder Ex-Microsoft-Chef Bill Gates. Hierzulande gilt jedoch: Vor allem über Personen, die eine potenzielle Gefahr für den Aktienmarkt verkörpern, wird ausgiebig informiert. Siehe die Dauerpräsenz des neuen griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras sowie seines Finanzminister Yanis Varoufakis seit Amtsbeginn.

Und mehr noch: Wenn ein Dax-Chef persönlich in den Fokus gerät, dann meistens in einem negativen Kontext. Ein Beispiel ist Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel mit seiner Steueraffäre vor wenigen Jahren. Das heißt: Die Schreckgespenster der Börse sind in Deutschland weithin bekannt, die "Geldmacher" an der Spitze der Konzerne jedoch nicht. Oder sind Ihnen Menschen wie Marijn Dekkers oder Elmar Degenhart ein Begriff - zwei Dax-Chefs, die ihren Aktionären in den vergangenen Jahren viel Geld beschert haben? Vielleicht ist das auch ein Grund, dass viele Anleger dem Aktienmarkt lieber fern bleiben.

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