Dienstag, 26. März 2019

Inflation als Kennzahl Diese Faktoren könnten die Aktien-Rally beenden

Aktienhändler in New York: Die Kurse an der Wall Street steigen und steigen - aber wie lange noch?

2. Teil: "Gefährlich für die Märkte, wenn Inflation rascher ansteigt"

Was also könnte an diesem positiven Szenario etwas ändern, so dass die Aktienkurse auch grundlegend ihre Richtung ändern würden?

Es gibt vor allem eine Kennzahl, auf die sich das Interesse vieler Beobachter an dieser Stelle richtet, und das ist die US-Inflation. Sollte sie sich in nächster Zeit merklich nach oben bewegen, so dürfte dies ein Zeichen dafür sein, dass es mit der Konjunktur möglicherweise schneller vorangeht, als von den Verantwortlichen beispielsweise in der US-Notenbank Fed gewünscht. Die Notenbänker könnten sich dadurch veranlasst sehen, Maßnahmen zur Abkühlung zu ergreifen, also beispielsweise Zinserhöhungen, die das derzeit erwartete Tempo übersteigen. Im Schnitt werden am Finanzmarkt in diesem Jahr noch drei weitere Zinserhöhungen von Seiten der Fed erwartet, wovon die erste bereits im März erfolgen könnte.

"Gefährlich für die Märkte würde es dann, wenn die Inflation rascher anstiege und die Fed dazu gezwungen wäre, deutlicher zu reagieren", sagt etwa Christian Nemeth, Chefinvestor bei der Zürcher Kantonalbank Österreich. "Derzeit erfolgt der Normalisierungsprozess aus den richtigen Gründen. Das stabile Wirtschaftswachstum ist die Basis für weitere Unternehmensinvestitionen."

Hintergrund: Obwohl die US-Wirtschaft erfreulich wächst, verharren die Preissteigerungsraten in den Vereinigten Staaten bislang auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die für die Notenbank Fed maßgebliche Inflationskennziffer etwa liegt bereits seit mehr als fünf Jahren unter der angestrebten Marke von 2 Prozent. Und erst in dieser Woche veröffentlichte die Notenbank die Ergebnisse einer Umfrage zur Lage der US-Wirtschaft und zur Inflation, denen zufolge sich daran offenbar nicht viel geändert hat.

Bemerkenswerter Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen

Das ermöglicht es der Fed bislang, im begonnenen Zinserhöhungszyklus relativ zurückhaltend zu agieren. Seit Dezember 2015 dreht die US-Notenbank bereits an der Zinsschraube, während beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) und andere bislang noch stillhalten. So entstand ein Zinsgefälle zwischen den USA und der Euro-Zone, welches sich in den kommenden Monaten weiter verstärken dürfte.

Entscheidend scheint jedoch: Die Vorsicht, mit der die Fed bei ihren Zinsschritten bislang vorging, ist nach Ansicht vieler Beobachter einer der Gründe für die weiterhin positive Entwicklung der US-Konjunktur und der Unternehmensergebnisse - und damit auch für die steigenden Kurse an der Wall Street.

Das könnte vorläufig auch so bleiben: Viele Akteure am Finanzmarkt vertrauen offenbar darauf, dass die Aktienkurse zunächst weiter steigen. Ablesen lässt sich das Experten zufolge beispielsweise an der Rendite für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Diese vielbeachtete Kennzahl befindet sich seit einigen Monaten auf dem Weg nach oben und überschritt in dieser Woche erstmals seit Langem wieder die Marke von 2,63 und sogar 2,64 Prozent. Beobachtern zufolge spiegelt sich darin die anhaltende Tendenz wider, dass Investoren Gelder aus dem US-Bondmarkt an den amerikanischen Aktienmarkt umschichten.

Ein steigendes Zinsniveau in einer expandierenden Wirtschaft ist zwar nicht ungewöhnlich, im Gegenteil: Die gesunde Konjunktur schlägt sich gewissermaßen darin nieder. Das Problem ist nur: Steigende Zinsen können ab einem bestimmten Punkt dazu beitragen, einen Aufschwung zu bremsen oder gar vollends zum Erliegen zu bringen.

Der US-Sender CNBC etwa macht darauf aufmerksam, dass speziell die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen eine Schlüsselkennzahl sei, die großen Einfluss auf viele Geschäfts- und Kundenkredite habe, inklusive des Hypothekenmarktes. Und führende Köpfe des Bond-Geschäfts wie Doubleline-Chef Jeff Gundlach oder Janus-Manager Bill Gross warnen bereits seit einiger Zeit davor, dass die Renditen noch weiter steigen werden, so CNBC.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Droht der US-Börse also Gefahr von der Zinsseite? Dass die Zinsen irgendwann so stark steigen, dass sie zum Belastungsfaktor für die US-Wirtschaft werden, glauben auch andere Investmentprofis. Die Anleiherenditen könnten auf einen Level anziehen, bei dem die Kreditkosten das Wirtschaftswachstum verlangsamen, zitiert beispielsweise die "Financial Times" Jon Day, einen Portfoliomanager von Newton Investment Management. Zusammen mit den restriktiven Maßnahmen der Fed könnte das zu einem "ganz anderen" Ausblick für Aktien führen, so Day.

Der Investor hat allerdings auch eine gute Nachricht: Dieses Szenario sei frühestens Ende des Jahres ein Thema, sagt er. Kommen keine Störungen von anderer Seite, so kann es also zumindest solange mit den Kursen an der US-Börse weiter aufwärts gehen.

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