Montag, 18. Dezember 2017

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Was Manager für ihr Geld leisten Welche CEOs ihre Aktionäre beglücken - und welche nicht

Bescheiden und erfolgreich: Einen Chef wie Vonovia-CEO Buch können sich Aktionäre nur wünschen

Millionengagen für Spitzenmanager erhitzen die Gemüter und sind schon jetzt ein Thema im Bundestagswahlkampf. Aktionäre allerdings sollten die Vergütung der Vorstände mit anderen Kennzahlen in Relation setzen.

Wenn das kein Aufreger ist, zumal im Jahr der Bundestagswahl: Als der Software-Konzern SAP Börsen-Chart zeigen kürzlich seinen Geschäftsbericht für 2016 veröffentlichte, wurde bekannt, dass das Gehalt des Vorstandschefs Bill McDermott binnen zwölf Monaten um sage und schreibe gut 160 Prozent gestiegen ist. Mit Gesamteinkünften von mehr als 15 Millionen Euro war McDermott damit im vergangenen Jahr Spitzenverdiener unter den Chefs der 30 Dax-Konzerne, noch vor den Topleuten aus der Vorzeigebranche Automobilbau, inklusive Daimler-Chef Dieter Zetsche, der mit etwa 13,8 Millionen Euro auf Platz zwei liegt.

Die Höhe der Managergehälter gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen, insbesondere, wenn exorbitant anmutende Summen wie die genannten publik werden. Das mag aus Sicht der Allgemeinheit und insbesondere im Parteienwettstreit wenige Monate vor einer Bundestagswahl verständlich sein. Für Aktionäre jedoch ist der schlichte Blick auf das Gehalt der Spitzenleute wenig aussagekräftig. Sie sollten vielmehr dagegenhalten, was das Führungspersonal für seine Entlohnung an Leistung gebracht hat.

Vor allem zwei Kennzahlen bieten sich für eine solche Analyse an: Die Gewinnentwicklung des fraglichen Unternehmens im entsprechenden Zeitraum, und die Entwicklung des Aktienkurses.

Und siehe da: Gemessen an diesen Parametern steht beispielsweise Großverdiener McDermott von SAP gar nicht so schlecht da. Es gibt zwar Manager, die ihren Aktionären eine bessere Performance für ihr Geld geliefert haben - es gibt aber auch deutlich schlechtere Vertreter ihres Fachs.

Tatsächlich steht im Falle McDermotts der Gehaltssteigerung von 160 Prozent eine Steigerung des Gewinns pro SAP-Aktie im Jahr 2016 um immerhin 19 Prozent gegenüber. Zudem legte der Aktienkurs des Unternehmens aus Walldorf im gleichen Zeitraum um 13 Prozent zu.

Ein Dax-Chef, bei dem die Zahlen aus Sicht der Anteilseigner noch besser aussehen, ist zum Beispiel Rice Powell von Fresenius Medical Care (FMC) Börsen-Chart zeigen. Auch das Gehalt des FMC-Chefs stieg 2016, wie übrigens das der weitaus meisten Dax-Konzernlenker. Erfreulich allerdings für die Anteilseigner: Im Falle von Powell steht neben dem Gehaltsplus von 35 Prozent auf 7,8 Millionen Euro auch ein Anstieg des Gewinns pro Aktie um 20 Prozent sowie ein Plus beim Aktienkurs von immerhin 3,5 Prozent im Jahr 2016.

Noch erfreulicher ist das Bild bei Infineon Börsen-Chart zeigen, wo das Gehalt des Chefs Reinhard Ploss einer Zusammenstellung der Wirtschaftsberatung hkp zufolge um lediglich 5 Prozent auf bescheidene 2,8 Millionen Euro anstieg, während Gewinn pro Aktie sowie Aktienkurs jeweils zweistellig zulegten.

Bemerkenswerte Gehaltserhöhung für ProSieben-Chef

Die bisher genannten Manager verblassen allerdings gegenüber zwei Kollegen, deren Performance-Werte aus dem Gesamtfeld geradezu herausragen - jedenfalls in dieser zugegeben etwas holzschnittartigen Kurzanalyse. Es handelt sich um Deutsche-Post-Chef Frank Appel sowie Rolf Buch, den Mann an der Spitze des Immobilienkonzerns Vonovia Börsen-Chart zeigen. Beide erhielten im vergangenen Jahr ebenfalls eine Gehaltserhöhung, und zwar Appel um 13 Prozent auf stattliche 9,9 Millionen Euro und Buch um 8 Prozent auf 4,9 Millionen.

Dafür können die beiden Topmanager aber auch auf eine mehr als ordentliche Leistung im Sinne ihrer Aktionäre verweisen: So stieg der Gewinn pro Aktie bei der Deutschen Post Börsen-Chart zeigen im vergangenen Jahr um sage und schreibe 72 Prozent, während gleichzeitig der Aktienkurs um ebenfalls beachtliche 20 Prozent zulegte. In den vergangenen fünf Jahren hat sich damit der Wert der Post-Aktie mehr als verdoppelt.

Vergleichbar sieht es beim Immobilienriesen Vonovia aus: Während der Aktienkurs um mehr als 8 Prozent stieg, legte der Gewinn pro Aktie im Jahr 2016 um nicht weniger als 116 Prozent zu. Das Unternehmen profitiert weiter vom anhaltenden Immobilienboom, und es setzte mit der zuletzt erfolgreichen Übernahme von Conwert seinen Expansionskurs weiter fort.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bleibt nur noch eine Frage: Wenn - zumindest aus Sicht von Aktionären - schon nicht SAP-Chef McDermott für das Klischee des gierigen Managers taugt, der sich vor allem die Taschen füllen will - wer denn dann? Dazu vielleicht nur der Hinweis auf die Zahlenkonstellation bei BASF: Dort stieg das Gehalt von Konzernchef Kurt Bock 2016 um 22 Prozent auf stattliche 8,3 Millionen Euro, während der Gewinn pro Aktie lediglich um 2 Prozent anzog und der Aktienkurs sogar um mehr als 4 Prozent sank.

Oder ein noch wesentlich drastischeres Beispiel: ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen, wo Thomas Ebeling das Ruder in der Hand hält. Der Gewinn pro Aktie der Fernsehfirma stieg im vergangenen Jahr lediglich um ein kaum merkliches Prozent. Der Aktienkurs bereitete noch weniger Freude, mit ihm ging es binnen zwölf Monaten um rund 22 Prozent in den Keller.

Und das Gehalt von Vorstandschef Ebeling? Wurde 2016 um 114 Prozent auf gut sechs Millionen Euro erhöht.

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