Samstag, 16. Dezember 2017

Börse Furcht vor Finanzkrise in China lässt Börsen taumeln

Händler an der Wall Street: Die Angst ist zurück
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Händler an der Wall Street: Die Angst ist zurück

Die Furcht vor einer Finanzkrise in China schlägt Anleger weltweit in die Flucht. Nicht nur in Shanghai, sondern auch in Frankfurt und New York tauchen die Indizes ab. Der Dax hat binnen vier Wochen rund 10 Prozent an Wert verloren.

Frankfurt am Main - Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen fiel am Montag bis zum Handelsschluss auf Xetra um 1,2 Prozent auf 7692 Zähler. Mitte Mai hatte der Dax noch knapp unter der Marke von 8600 Punkten notiert.

Auch an der Wall Street sind Anleger auf der Flucht: In New York baute der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen bis 17.30 MESZ seine Verluste auf 1,3 Prozent aus und fiel auf 14.598 Zähler.

Für Unruhe sorgten vor allem die steigenden Geldmarkt-Zinsen in der Volksrepublik China. Weil sich die chinesische Zentralbank weigert, den Markt weiterhin mit Geld zu fluten, versuchen sich die Banken bei anderen Geldhäusern einzudecken. Die starke Nachfrage hatte die Zinsen für kurzfristige Darlehen am Freitag zeitweise auf 25 Prozent in die Höhe schießen lassen.

Spannungen im chinesischen Bankensystem

"Investoren haben Angst, dass die derzeitigen Spannungen im chinesischen Bankensystem das Wachstum der Volksrepublik weiter schwächen könnten", sagte ein Händler. Und das in einer Zeit, in der die Anleger ohnehin durch die Aussicht auf eine baldige Straffung der US-Geldpolitik stark verunsichert seien.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatten ihre Wachstumsaussichten für China erst kürzlich gesenkt. Der IWF kappte seine Wachstumsprognose auf 7,75 von 8,00 Prozent. Die OECD nahm ihre Schätzung auf 7,8 von 8,5 Prozent zurück.

Finanz- und Industrietitel weltweit unter Druck

Die Börse Shanghai rutschte am Montag um mehr als 5 Prozent ab, in Hongkong sanken die Kurse um mehr als 2 Prozent. Besonders Finanzaktien gehörten zu den Verlierern: Ein entsprechendes Barometer brach in Shanghai um 7,1 Prozent ein, das ist der größte Kursverlust seit November 2008.

Auch in Europa zählten Finanzwerte mit einem Abschlag von 1,8 Prozent zu den schwächsten Werte. Bei konjunktursensiblen Werten wie Lanxess Börsen-Chart zeigen , Siemens Börsen-Chart zeigen oder ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen machten sich die Sorgen um die wirtschaftliche Stabilität Chinas ebenfalls bemerkbar.

Im MDax Börsen-Chart zeigen rauschten die Titel des Anlagebauers Dürr Börsen-Chart zeigen um rund 7 Prozent in die Tiefe. Das Unternehmen hatte zuletzt von dem Wachstum in der Volksrepublik und anderen Schwellenländern profitiert. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Dürr-Aktien mehr als 90 Prozent zugelegt.

Kabel Deutschland im Plus: Vodafone will übernehmen

Kabel Deutschland hielten sich als einer der wenigen Werte im Plus: Die Aktien notierten 1,8 Prozent fester bei 85,62 Euro. Vodafone kündigte eine 7,7 Milliarden Euro schwere Übernahmeofferte für den Kabelnetzbetreiber an. Vodafone will den Kabel-Deutschland-Aktionären 84,50 Euro je Aktie in bar zahlen. Dazu kommen 2,50 Euro in Form der Dividende, die Kabel Deutschland für das Geschäftsjahr 2012/13 versprochen hatte, aber noch nicht ausgezahlt hat.

Im Zugzwang ist nun der Rivale Liberty Global, der selbst ein Übernahmeangebot für Kabel Deutschland unterbreiten wollte. Finanzkreisen zufolge sollte es bei 85 Euro je Aktie liegen. "Damit Liberty noch mithalten kann, muss die Offerte schon bei mindestens 90 Euro je Aktie liegen", sagte ein Börsianer.

Kupfer und Ölpreise geben weiter nach

Am Rohstoffmarkt litten die Preise für Öl und Kupfer unter den China-Sorgen. Das Industriemetall notierte zeitweise drei Prozent schwächer bei 6613,50 Dollar je Tonne und war damit so billig wie zuletzt im Oktober 2011. Kupfer leide ganz besonders unter dem möglichen Liquiditätsengpass in China, sagte Rohstoff-Expertin Helen Lau von UOB-Kay Hian Securities. "Das bringt die Kupfer-Verarbeiter in Schwierigkeiten, die sich von den Banken Geld leihen müssen, um das Metall einzukaufen." China ist weltweit die Nummer eins beim Kupfer-Verbrauch. Die Nordsee-Ölsorte Brent gab 0,6 Prozent auf 100,31 Dollar je Barrel nach.

Euro verliert weiter gegenüber dem Dollar - tiefster Stand seit Juni

Auch der Euro erwischte keinen guten Tag und rutschte mit 1,3080 Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit Anfang Juni. Der Gemeinschaftswährung machte weiterhin der neue Kurs der US-Geldpolitik zu schaffen. Fed-Chef Ben Bernanke hatte Mitte vergangener Woche angekündigt, er könne die Anleihenkäufe möglicherweise noch in diesem Jahr zurückfahren und sie bis Mitte 2014 auslaufen lassen.

Auch ifo-Index kann Stimmung nicht aufhellen

Selbst der leichte Anstieg des Ifo-Index konnte die Stimmung unter den europäischen Anlegern nicht aufhellen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Juni um 0,2 auf 105,9 Punkte, das ist der zweite Anstieg in Folge. "Die deutsche Wirtschaft sollte sich nach einer schwachen Entwicklung um den Jahreswechsel 2012/2013 allmählich stabilisieren und anschließend an Fahrt aufnehmen", prognostizierte Postbank-Analyst Thilo Heidrich.

Die Ölpreise sind am Montag belastet durch wirtschaftlichen Probleme in China leicht gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen fiel im asiatischen Handel auf 100,54 Dollar. Das waren 37 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur August-Lieferung sank um 19 Cent auf 93,50 Dollar.

ts/dpa-afx/rtr

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