Mittwoch, 19. September 2018

Trendwende bei Aktien und Euro Warum Europa vor dem Comeback steht

Geht doch! Nach zuletzt nachlassender Wachstumsdynamik haben sich Stimmung und Ausblick für die Eurozone wieder aufgehellt

  • Die europäischen Aktienmärkte und der Euro haben in den letzten Monaten spürbar an Wert eingebüßt. Dafür dürfte vor allem die Wachstumsabschwächung im ersten Halbjahr aber auch Sorgen vor einer Eskalation im Handelsstreit mit den USA verantwortlich gewesen sein.
  • Der Wirtschaftsausblick hat sich jüngst aber aufgehellt und das Wachstum dürfte in eine für die Aktienmärkte freundlichere Expansionsphase eintreten. Hinzu kommt, dass die Märkte der Eurozone relativ attraktiv bewertet sind.
  • Der Euro dürfte von diesen fundamentalen Entwicklungen ebenfalls profitieren können. Ohnehin hat sich jüngst das technische Bild für die Gemeinschaftswährung spürbar verbessert.
Daniel Pfändler
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    Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögens-verwalter Main Sky Asset Management AG und verfügt über langjährige Erfahrung in der makroökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie.

Die Märkte der Eurozone mussten in diesem Jahr ordentlich Federn lassen. So hat der Dax Börsen-Chart zeigen seit seinem Rekordstand im Januar acht Prozent an Wert verloren, der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen sieben Prozent. Der Euro Börsen-Chart zeigen hat vor allem gegenüber dem US-Dollar - und etwas weniger ausgeprägt gegenüber dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen - deutlich an Wert verloren und notierte zwischenzeitlich rund 10 Prozent niedriger als beim Höchststand im Februar. Diese Rückschläge wurden hauptsächlich durch enttäuschende Wirtschaftsdaten sowie Sorgen vor einer Eskalation der Handelsstreitigkeiten mit den USA ausgelöst und durch Positionsliquidierungen der Investoren verstärkt.

Die Eurozone hat im ersten Halbjahr spürbar an Dynamik verloren und das Wachstum ist von +0,7 Prozent im zweiten Halbjahr 2017 auf +0,4 Prozent zurückgefallen. Wichtige Gründe für diese Abschwächung dürften jedoch temporärer Natur gewesen sein, wie etwa das für die Wirtschaft unfreundliche Wetter, verschiedene Streiks und eine lang anhaltende Grippewelle. Gleichzeitig bietet die sehr lockere Geldpolitik aber nachhaltige Unterstützung für das Wachstum, und die Fiskalpolitik kann zusehends einen positiven Beitrag liefern. Hinzu kommt, dass die negativen Effekte der vormaligen Euro-Stärke sowie der höheren Ölpreise nachlassen sollten.

Wichtige Indikatoren drehen ins Plus

Damit hellt sich der fundamentale Ausblick für die Eurozone jetzt wieder auf. Diese Einschätzung wird durch die jüngsten Wirtschaftsdaten unterstützt. So hat sich der Eurozone Composite PMI - ein Frühindikator für das Wachstum - nach dem starken Rückgang von Januar bis Mai stabilisiert und konnte sich zuletzt leicht erholen. Für Deutschland lieferte der Ifo-Index Anfang dieser Woche sehr ermutigende Signale. Nachdem er zwischen November 2017 und Juli 2018 nur gefallen war, konnte er in diesem Monat den höchsten Anstieg seit vier Jahren verzeichnen.

Der Citigroup Eurozone Surprise Index - ein Indikator, der die Überraschungen der makroökonomischen Daten im Vergleich zu den Erwartungen misst - zeichnet ein ähnliches Bild. Er hatte nach einem Siebenjahreshoch von +92 Ende November 2017 auf ein Siebenjahrestief von -101 im Mai 2018 nachgegeben. Seit Mitte Juni erholt er sich zusehends und erreichte mit zuletzt +5 zum ersten Mal seit Ende Februar wieder einen positiven Wert. Damit verdichten sich die Signale, dass die Wachstumsabschwächung zu Ende ist und einer Beschleunigung Platz machen könnte.

Die Handelskonflikte ebben ab

Darüber hinaus haben auch die Risiken eines eskalierenden Handelskonfliktes für die hiesigen Unternehmen spürbar nachgelassen. So hat die US-Regierung mit der EU Verhandlungen über den Abbau von Handelsbarrieren aufgenommen und mit Mexiko am letzten Wochenende eine Einigung über ein neues Handelsabkommen erzielt.

Diese fundamentalen Entwicklungen dürften sowohl den europäischen Aktien als auch dem Euro weitere Unterstützung bieten. Historisch betrachtet geht eine Expansionsphase - also ein Umfeld eines positiven und sich verstärkenden Wachstums, in das die Eurozone jetzt einschwenken dürfte - meistens mit steigenden Aktienmärkten einher. Ohnehin hat die Korrektur der vergangenen Monate die absolute Bewertung der Aktienmärkte reduziert. Wenn man die Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu Grunde legt, sind beispielsweise der Dax oder der EStoxx50 günstiger bewertet als im Durchschnitt der letzten acht Jahre. Hinzu kommt, dass die Anleiherenditen in der Eurozone nahe ihrer Tiefstände notieren und in der Folge die Aktienmärkte gegenüber den Anleihemärkten relativ günstig bewertet sind. Ein Umfeld in dem das Wachstum ansteigt, dürfte mit Rückflüssen in den Aktienmarkt einhergehen und die Kurse mittelfristig in Richtung der Höchststände von Anfang des Jahres führen.

Der Euro durchbricht den Negativtrend

Der Euro wiederum hat in den vergangenen Monaten außer unter den skizzierten negativen fundamentalen Entwicklungen auch unter einer Repositionierung der Investoren gelitten. Exemplarisch dafür wiesen die nicht-kommerziellen Investoren im April eine rekordverdächtig hohe Netto-Long-Positionierung beim Euro gegenüber dem US-Dollar auf. Diese Longs wurden aber seither abgebaut und jetzt ist diese Investorengruppe sogar short positioniert.

Zu guter Letzt stellt sich auch die Markttechnik wieder freundlicher für die Gemeinschaftswährung dar. Unter anderem hat der Euro im Vergleich zum australischen Dollar seinen Abwärtstrend in der vergangenen Woche, gegenüber der schwedischen Krone sogar schon Anfang August nach oben durchbrechen können. Vor wenigen Tagen schließlich konnte der Euro dann auch seinen seit April bestehenden Abwärtstrend gegenüber dem US-Dollar durchbrechen.

Fazit: Die aktuellen fundamentalen Entwicklungen, die Markttechnik sowie die Investorenpositionierung deuten auf ein freundlicheres Umfeld für europäische Aktien sowie den Euro in den kommenden Monaten hin.

Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Main Sky Asset Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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