Freitag, 9. Dezember 2016

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Dax und Dow tief im Minus Fünf Theorien, um das Chaos an den Märkten zu erklären

Yuan ohne Ende: Die Märkte fürchten derzeit eine weitere Abwertung der chinesischen Währung

Das Jahr 2016 hat für Deutschlands Anleger tiefrot begonnen. Der Dax Börsen-Chart zeigen hat in den ersten Handelswochen des Jahres zweistellig an Wert verloren - er spielt damit in einer Liga mit den Börsen in Nigeria oder der Ukraine. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen ist mit einem Verlust von 9 Prozent zwar etwas glimpflicher davongekommen; auch in den USA türmen sich allerdings die Sorgen um die Weltwirtschaft.

US-Investoren rissen sich geradezu um mögliche Erklärungsversuche für die Volatilität von Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen, schreibt das "Wall Street Journal" in einer aktuellen Analyse möglicher Ursachen. Das Problem: Schon bald, nachdem Investoren oder Analysten eine plausibel erscheinende Theorie erstellt hätten, belehre sie der Markt eines Besseren.

Lange habe etwa der niedrige Ölpreis als Hauptursache für abschmierende Aktienkurse gegolten; zuletzt habe der S&P 500 allerdings stärker nachgegeben als sein Energie-Subsektor. Eine große, allumfassende Betrachtung des aktuellen Marktverhaltens gebe es nicht. Das "WSJ" hat allerdings fünf einzelne Theorien zusammengetragen, mit denen sich die Marktbewegungen zumindest in Teilen erklären lassen:

Das schnelle Geld ist schuld

"Das schnelle Geld ist Ende 2015 bei den Banken eingezogen, weil Zinserhöhungen erwartet wurden", zitiert das Wall Street Journal die Portfolio-Managerin Diane Jaffee. "Nun verabschiedet es sich wieder." Heißt: Kurzfristig denkende Investoren ("fast money") hätten in Aussicht auf die angekündigte Zinserhöhung der Fed auf steigende Bank-Gewinne gewettet: Die Schere zwischen den Einnahmen der Banken mit Darlehen und den Ausgaben für Spareinlagen gehe weiter auf, so die Annahme. Weil steigende Zinsen nun aber immer unwahrscheinlicher würden, stießen kurzfristig denkende Investoren ihre Bank-Aktien wieder ab.

China ist schuld

In Deutschland, das stark auf China als Exportmarkt baut, dürfte dieser Zusammenhang besonders stark ziehen. Viele Investoren glauben angesichts der relativen wirtschaftlichen Schwäche Chinas, dass Peking seine Währung Yuan langfristig abwerten müsse, was den internationalen Konkurrenzkampf beim Export noch einmal befeuere. Die Furcht vor einer Abwertung des Yuan ist auch deshalb hoch, weil eine erste Abwertung im August 2015 bereits einmal für einen globalen Ausverkauf gesorgt hat.

Die Öl-Staatsfonds sind schuld

In Zeiten hoher Ölpreise haben verschiedene Länder ihre Milliarden-Gewinne aus der Ölförderung in Staatsfonds gepumpt. "Nun liquidieren diese Fonds Aktien, die sie in glücklicheren Zeiten gekauft haben, und beschleunigen damit den Ausverkauf am US-Markt", schreiben die Journalisten des "WSJ", was viele Investoren beunruhige. JP Morgan gehe davon aus, dass Staatsfonds im laufenden Jahr bis zu 75 Milliarden Dollar an Aktien verkaufen würden. Der US-Markt selbst sei zuletzt etwa 20,95 Billionen Dollar schwer gewesen. Entsprechend seien die Auswirkungen dieses Ausverkaufs nicht furchtbar gravierend: Öl-Preise würden zwar dauerhaft unter Druck bleiben, zitiert das "WSJ" Ben Mandel von JP Morgan, "aber ich glaube nicht, dass öl-getriebene Staatsfonds-Abflüsse eine tödliche Gefahr für US-Aktien sind."

Die US-Wirtschaft ist schuld

Probleme ausländischer Märkte und ein starker Dollar könnten der US-Wirtschaft schaden, fürchten Investoren laut "WSJ". Indikatoren für die wirtschaftliche Stärke des Landes seien uneindeutig: Das produzierende Gewerbe schrumpfe seit vier Monaten, das Job-Wachstum habe sich verlangsamt. Gleichzeitig sinke jedoch die Arbeitslosigkeit, auch die Löhne stiegen. All dies, so das Fazit, "unterstreicht die Unsicherheit". "Das größte Risiko, das wirklich jeder im Kopf hat, ist eine abrupte Abschwächung in den Emerging Markets, der in die USA überschwappen wird", zitiert das Blatt den UBS-Analysten David Lefkowitz.

Das Wachstum ist schuld

Bislang sei der Ölpreis-Crash immer mit einem Überangebot erklärt worden, schreibt das Journal weiter; derzeit verfestige sich unter Investoren allerdings die Ansicht, dass auch die Nachfrage schwächele – und damit das Wachstum an sich. "Wenn Rohstoffpreise insgesamt generell schwach sind, sagt mir das allgemein gefasst, dass die globale Nachfrage schwach ist", sagt etwa Portfolio-Manager Paul Nolte.

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