Mittwoch, 20. März 2019

Krise um Huawei Diese Frau rüttelt die Börsen weltweit durch

Meng Whanzou: Ihr drohen 30 Jahre Haft in den USA - und damit droht eine Eiszeit zwischen USA und China im Handelsstreit

Börsianer aus aller Welt blicken derzeit auf Meng Whanzou: Sollte die Finanzchefin des chinesischen IT-Riesen Huawei tatsächlich in die USA ausgeliefert und hinter Gitter gebracht werden, dürfte der Handelskrieg zwischen den USA und China eskalieren - und auch die Wall Street weiter in die Tiefe ziehen. Hat US-Präsident Trump sich verzockt?

Am Montag 19 Uhr europäischer Zeit entscheidet ein kanadischer Richter darüber, ob die Huawei-Topmanagerin Meng Whanzou gegen Kaution auf freien Fuß kommt. Sollte die Tochter des Huawei-Firmengründers in Haft bleiben und an die USA ausgeliefert werden, drohen ihr bis zu 30 Jahre Haft: Die USA werfen ihr vor, mit Iran Geschäfte gemacht und damit gegen US-Sanktionen verstoßen zu haben. Eine Inhaftierung Whanzous dürfte eine neue Eiszeit zwischen den Großmächten USA und China einläuten: Die großspurigen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, er werde durch eine Politik der Härte China zu einem "Deal" im Handelsstreit zwingen, wären damit hinfällig.

Investoren wissen um den Sprengstoff, den der Fall Whanzou birgt. Seit die Verhaftung der Topmanagerin bekannt wurde, haben sich Milliarden Dollar an den Börsen in Luft aufgelöst - in China und USA, aber auch in Europa und dem Rest der Welt sind die wichtigsten Indizes in den Sturzflug übergegangen. Auch der US-Leitindex Dow Jones hat seine Talfahrt beschleunigt: Trump, der sich bei jeder Gelegenheit als Vater des Börsenaufschwungs rühmte, hat dem Aufschwung an den Börsen mit seiner Politik ein Ende gesetzt.

Gegen die Vorwürfe der USA gegen Huawei wehrten sich chinesische Staatsmedien vehement - und holten zum Gegenschlag aus: Es sei "zweifelsohne wahr und bewiesen", dass die USA alles versuchten, um Huaweis Expansion in der Welt einzudämmen, schrieb die englischsprachige "China Daily".

Eskalation pur. Meng Whanzou und Donald Trump kosten die Börsen derzeit Milliarden. Jeden Tag.

Dow Jones verliert knapp 5 Prozent binnen einer Woche

So hat der Dow Jones den größten Wochenverlust seit 8 Monaten eingefahren. Die Furcht vor einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Wall Street zum Wochenausklang wieder fest in den Griff bekommen. Zunächst führten am Freitag überraschend schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt zwar zu einem Anstieg der Kurse, weil die Anleger so weniger Grund für beschleunigte Zinserhöhungen durch die Notenbank sahen. Doch schon bald ging es für die wichtigsten Börsenbarometer wieder bergab. Die Affäre rund um den chinesischen Netzwerk-Ausrüster Huawei schürte Sorgen der Anleger, dass der Handelskonflikt die Weltwirtschaft ausbremst.

Unter Druck gerieten vor allem die Aktien von Technologie-Schwergewichten wie Apple und Microsoft. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen der Standardwerte ging mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 24.388 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 2,3 Prozent auf 2633 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 3,1 Prozent auf 6969 Stellen nach.

Auf Wochensicht ergab sich für den Dow ein Minus von 4,5, für den S&P von 4,6 und für die Nasdaq von 4,9 Prozent. Das waren für alle drei Indizes die größten Wochenverluste seit acht Monaten.

"Einige der größten Angstfaktoren für die Konjunktur wie der Handelskonflikt kommen zurück", sagte Michael Antonelli vom Finanzdienstleister Robert W. Baird. "Ein Satz Konjunkturdaten reicht da für ein Comeback der Aktienmärkte nicht aus", erklärte er mit Blick auf die Arbeitsmarktstatistiken.

Amazon und Apple stark unter Druck

Papiere von Apple gaben 3,6 Prozent und Anteilsscheine von Microsoft rund vier Prozent nach. Auch für Amazon stand am Ende ein Minus von vier Prozent auf der Kurstafel. Die Aktien der Google-Mutter Alphabet verbilligten sich um etwa drei Prozent. Dagegen schossen die in den USA notierten Aktien des kanadischen Cannabis-Produzenten Cronos 21 Prozent in die Höhe. Der Hersteller von Marlboro-Zigaretten, Altria, kauft sich für 1,8 Milliarden Dollar bei Cronos ein.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,1 Milliarden Aktien den Besitzer. 1192 Werte legten zu, 2474 gaben nach und 194 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von rund 2,5 Milliarden Aktien 846 Titel im Plus, 2222 im Minus und 164 unverändert.

An den US-Kreditmärkten traten die zehnjährigen Staatsanleihen 102-09/32 praktisch auf der Stelle. Sie rentierten mit 2,8576 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gaben leicht auf 104-12/32 nach und hatten eine Rendite von 3,1474 Prozent.

Die Anteilsscheine von Tesla Börsen-Chart zeigen gingen dagegen nur mit einem moderaten Minus von 1,2 Prozent aus dem Handel. Das Analysehaus Jefferies hatte die Papier zum Kauf empfohlen. Der Elektroautobauer habe sich seit dem dritten Quartal gut entwickelt und sein Potenzial hinsichtlich der Gewinne und der Finanzierung unter Beweis gestellt, begründete Analyst Philippe Houchois seinen Schritt. Die Aktie von Tesla notiert trotz allgemeiner Marktschwäche knapp unter Rekordhoch.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit


Dax auf Zweijahrestief: Brexit-Showdown und Handelsstreit belasten

Brexit, Handelsstreit, Italien: die Sorgen der Anleger werden nicht kleiner. Börsianer rechnen damit, dass der Dax es auch in der vorletzten Handelswoche vor Weihnachten schwer haben wird. Zweifel am jüngst geschlossenen Waffenstillstand im Handelsstreit zwischen den USA und China setzten dem deutschen Leitindex in der alten Woche zu. Er rauschte unter die psychologisch wichtige Marke von 11.000 Punkten und verlor auf Wochensicht 4,2 Prozent im Minus. In New York büßte der Dow Jones auf Wochensicht 4,5 Prozent ein. Das war der größte Wochenverlust seit März.

Großbritannien stimmt am Dienstag über Brexit-Deal ab

Besonders nervös warten die Anleger auch darauf, wie es beim Brexit weitergeht. Am Dienstag soll das britische Parlament über den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Vertragsentwurf für den Austritt aus der EU abstimmen. Experten halten eine Ablehnung für wahrscheinlich, da die getroffenen Vereinbarungen weitgehend den Vorstellungen der EU entsprächen. "Danach dürfte genauso wenig Klarheit darüber herrschen, wie die zukünftigen Beziehungen des Vereinigten Königreiches zur EU aussehen werden, wie jetzt", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das Abstimmungsergebnis könne aber Hinweise liefern, ob May im Amt bleiben könne.

Fällt der Entwurf durch, könnte May erst einmal erneut mit der EU verhandeln und kleinere Änderungen erwirken, stellen die Analysten des Finanzhauses Marcard, Stein & Co fest. "Auf Basis dieses nachgebesserten Entwurfs könnte es Mitte Januar eine zweite Parlamentsabstimmung geben."

Italienisches Drama geht weiter

Auch den italienischen Haushaltsstreit mit der EU-Kommission haben Anleger weiterhin im Nacken. Die populistische Koalition in Rom will Regierungskreisen zufolge am Mittwoch in Brüssel - und damit einen Tag vor dem EU-Gipfel - einen abermals überarbeiteten Etatentwurf vorlegen, um ein Defizitverfahren zu vermeiden.

Die Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung ist mit ihrem Haushaltsentwurf auf Konfrontationskurs zur EU-Kommission gegangenen. Die Brüsseler Behörde dringt auf eine Verringerung der Neuverschuldung und droht mit milliardenschweren Strafen. Doch Insidern zufolge will die Regierung trotzdem kaum von dem avisierten Fehlbetrag von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes abweichen. Italien ist bereits extrem hoch verschuldet, was an den Börsen Sorgen vor einer neuen Euro-Krise ausgelöst hat.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung