Dienstag, 27. Juni 2017

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Kapitalerhöhung geplant Barclays braucht 15 Milliarden Euro

Barclays-Filiale in London:

Die britische Großbank Barclays muss ihre Verschuldensquote senken. Nun plant die Bank eine Kapitalerhöhung über neue Aktien oder eine Wandelanleihe. Aktionäre reagieren verschnupft - doch das ist nicht die einzige Sorge der Bank.

London - Die britische Großbank Barclays muss ein Milliardenloch in ihrer Kapitaldecke stopfen. Die Aufsicht macht Druck: Die neue britische Regulierungsbehörde PRA gibt der Traditionsbank nur ein knappes Jahr Zeit, um 12,8 Milliarden Pfund (14,8 Milliarden Euro) zusätzliches Kapital aufzubringen. Das ist mehr als Analysten erwartet hatten.

Als Sofortmaßnahme kündigte das Institut am Dienstag eine Kapitalerhöhung an, die 5,8 Milliarden Pfund einbringen soll. Zudem plant Bankchef Antony Jenkins eine kapitalschonende Schrumpfkur: 65 bis 80 Milliarden Pfund weniger Kredite will er vergeben. Die 320 Jahre alte Bank habe "schnell und entschieden" gehandelt, sagte er. Die Aufsichtsbehörde zeigte sich zufrieden mit den Plänen. Eine Kreditklemme sei nicht zu erwarten.

Zusätzlich will Barclays zwei Milliarden Pfund an Anleihen begeben, die sich automatisch in Eigenkapital wandeln, wenn die Kapitalausstattung unter eine bestimmte Schwelle fällt. "Ich glaube, sie haben das Richtige getan. Sie mussten frisches Kapital aufnehmen, alles andere wäre ein fauler Kompromiss", sagte Analyst Mike Trippitt von Numis Securities. Im Juni hatte die PRA bei den fünf großen Banken auf der Insel eine Finanzlücke von insgesamt 27 Milliarden Pfund ausgemacht.

Neben Barclays Börsen-Chart zeigen waren vor allem die Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen und Lloyds betroffen. Hintergrund ist die Verschuldungsobergrenze von drei Prozent der Bilanzsummme, die die Londoner Aufseher den Banken auferlegt haben. Nach Schätzungen der PRA liegt diese Leverage Ratio bei Barclays nur bei 2,2 Prozent, Barclays selbst hatte sie auf 2,5 Prozent beziffert. "Als Konsequenz mussten wir unsere Kapital-Planungen anpassen, um das Ziel von drei Prozent bis Juni 2014 zu erfüllen", räumte Jenkins ein.

Berechnung ist umstritten

Für die Leverage Ratio, die das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme setzt, gibt es noch keinen internationalen Standard. Die Deutsche Bank hatte ihre Leverage Ratio am Dienstag auf drei Prozent beziffert, will aber ihre Bilanzsumme weiter reduzieren, damit sie über dem Grenzwert bleibt. Die Kennziffer soll verhindern, dass Banken ihre Bilanz über Gebühr aufblähen und damit in einer Krise schwerer abzuwickeln wären.

Schärfere Eigenkapitalregeln sollen auch verhindern, dass die Institute erneut in Schieflage geraten und mit Steuergeldern gerettet werden müssen. Die Regierung in London hatte in der Finanzkrise mehrere Banken mit insgesamt 66 Milliarden Pfund auffangen müssen. Das lastet noch heute auf dem Staatshaushalt. Die Kapitalerhöhung von Barclays könnte nun die Pläne des Staates verzögern, die Beteiligung an Lloyds noch in diesem Jahr über den Kapitalmarkt abzubauen. Investoren haben nur begrenzte Budgets, um in Banken zu investieren.

Rabatt von 40 Prozent

Barclays lockt seine Aktionäre bei der Kapitalerhöhung mit einem Rabatt von 40 Prozent zum Schlusskurs vom Montag. Sie können für je vier ihrer Papiere eine neue Aktie zu 185 Pence beziehen. Das drückte den Barclays-Kurs um acht Prozent auf 284 Pence. Die Zeichnungsfrist soll im September beginnen. Mit der Kapitalaufstockung muss Jenkins sein im Februar ausgegebenes Ziel einer Eigenkapitalrendite über den auf 11,5 Prozent taxierten Kapitalkosten schon jetzt um ein Jahr auf 2016 verschieben. Dafür sollen die Anteilseigner schon 2014 zwischen 40 und 50 Prozent des Gewinns als Dividende bekommen statt der zuletzt in Aussicht gestellten 30 Prozent.

Gewinn fast verdoppelt - aber unter Erwartungen

Im ersten Halbjahr hat Barclays den Gewinn vor Steuern auf 1,7 Milliarden (Vorjahr: 871 Millionen) Pfund fast verdoppelt. Dabei hat die Bank weitere 1,35 Milliarden Pfund für Entschädigungen von Kunden zurückgestellt, denen das Institut Kreditausfallversicherungen verkauft hatte, obwohl diese nie zum Tragen gekommen wären. Insgesamt kostet die Affäre, die mehrere britische Banken betrifft, Barclays nun vier Milliarden Pfund. 650 Millionen Pfund reservierte die Bank in einem anderen Fall: Sie hatte Mittelständlern komplexe Zinsprodukte verkauft, die diese nicht verstanden und die ihnen hohe Verluste bescherten. Der bereinigte Vorsteuergewinn lag mit 3,6 Milliarden Pfund im ersten Halbjahr unter den Analystenschätzungen. 640 Millionen Pfund fraß allein der Restrukturierungsplan von Jenkins auf. Er kündigte an, die Kostensenkungen nun noch zu beschleunigen. Mehr als 3700 Jobs stehen nach früheren Angaben auf der Kippe.

wed/dpa-afx

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