Sonntag, 23. Juli 2017

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Kapitalerhöhung Coba-Aktie ein Spielball der Hedgefonds

Commerzbank: Die Zeichnungsfrist für die neuen Aktien soll Mitte dieser Woche beginnen

2,5 Milliarden Euro will die Commerzbank mit der Ausgabe neuer Aktien einsammeln. Den Aktionären wird sie möglicherweise bis zu 50 Prozent Rabatt gewähren müssen. Für Hedgefonds ist die Kapitalerhöhung ein gefundenes Fressen.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank muss den Aktionären bei ihrer milliardenschweren Kapitalerhöhung Finanzkreisen zufolge bis zu 50 Prozent Rabatt einräumen. Damit dürften die Papiere maximal 5,50 Euro kosten, wie zwei mit den Plänen vertraute Banker der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Die Zeichnungsfrist werde "Mitte dieser Woche" beginnen, hieß es in Finanzkreisen. Damit nutzt die zweitgrößte deutsche Bank das erste Zeitfenster für die 2,5 Milliarden Euro schwere Emission, mit der sie die restlichen Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds Soffin und der Allianz tilgen will.

Die Aktionäre haben dann rund zwei Wochen Zeit, die Papiere zu zeichnen. Die Commerzbank wollte sich zu den Plänen am Montag nicht äußern. Sie hatte die Kapitalerhöhung für Mitte Mai anvisiert.

Die Bank wird die Aktien Finanzkreisen zufolge mindestens 35 Prozent unter dem um den Wert des Bezugsrechts bereinigten Kurs (TERP) anbieten. "Bei vergleichbaren Transaktionen lag der Preis zuletzt 30 bis 40 Prozent unter dem TERP", sagte einer der Banker. "Die Commerzbank dürfte da eher konservativ herangehen", sagte ein zweiter. Die Emission wird von der Deutschen Bank, Citi und HSBC begleitet und garantiert.

Die stark umstrittene Kapitalerhöhung startet mit einer 625 Millionen Euro großen Platzierung von Commerzbank-Aktien ohne Bezugsrecht, die der Soffin auf den Markt wirft, um seine Beteiligung an der Bank erstmals nach dem Einstieg in der Finanzkrise zu reduzieren. Der Preis dafür soll Bankern zufolge in der Nähe des TERP liegen - das wären etwas mehr als acht Euro. Der Staatsanteil schrumpft nach Abschluss der Kapitalerhöhung auf rund 18 von 25 Prozent.

Kapitalerhöhung spielt Hedgefonds in die Hände

Commerzbank-Chef Martin Blessing hofft mit dem "Einstieg in den Ausstieg" des Staates auf eine "Normalisierung" der Aktionärsstruktur. Endlich "eine normale Bank mit einem größeren Aktionär" werden, hatte er seine Motivation im März bei der überraschenden Ankündigung der Emission erklärt. Doch auch ohne den Soffin kann von "normalen" Anteilseigner kaum die Rede sein.

Denn die Commerzbank-Aktie ist Finanzkreisen zufolge Spielball von Hedgefonds, von denen viele mit Leerverkäufen auf fallende Kurse wetten. Nach Markit-Daten sind mehr als 10 Prozent der Commerzbank-Aktien verliehen. Am Montag fiel das Papier Börsen-Chart zeigen um 4,7 Prozent auf 9,94 Euro.

Die Kapitalerhöhung spielt den Hedgefonds in die Hände: Mit dem Bezugsrecht können sie sich billig eindecken und die Papiere dem Verleiher zurückgeben. Eine beliebte Strategie: Nach einem Bericht des "Handelsblatts" ist die Leihgebühr für Commerzbank-Aktien auf 4 Prozent des Kurses gestiegen; normal seien 0,5 Prozent.

Die Commerzbank-Aktionäre erhalten bei der Kapitalerhöhung ein Bezugsrecht für die neuen, billigeren Anteilsscheine. Dieses kann auch separat an der Börse gehandelt werden - als eine Art Rabattgutschein. Mit dem Start der Zeichnungsfrist werden die Aktien dann ohne Bezugsrecht gehandelt und dürften sich damit zunächst bei etwas mehr als acht Euro einpendeln.

Der Soffin tauscht Stille Einlagen im Wert von 625 Millionen Euro in neue Commerzbank-Aktien. Frisches Geld nimmt er also nicht mehr in die Hand. Die restliche Stille Einlage - also rund eine Milliarde Euro - zahlt die Commerzbank mit dem Erlös aus der Kapitalerhöhung zurück. Mit dem Verkauf von Aktien nimmt die Bank 1,875 Milliarden ein. 750 Millionen Euro davon gehen an die Allianz.

rei/rtr

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